Bruno Kellner war fein raus. Er war im Urlaub. Weniger Glück hatte hingegen sein Stellvertreter Hans-Jürgen Scheerbaum, den wir mit der Wahrnehmung eines Neubürgers konfrontierten: Alle Gemeindeteile des Marktes Rattelsdorf führen einen Hinweis auf die Marktgemeinde in ihren Ortsschildern. Rattelsdorf selbst hingegen übt sich offenbar in Bescheidenheit - auf allen Ortstafeln im Kernort steht lediglich "Rattelsdorf, Kreis Bamberg".

"Tatsächlich!" Scheerbaum hat sofort nachgeschaut. "Kein Markt." Freilich, und das muss man wohl ihm wie all den anderen Kernortbewohnern zugute halten, wissen sie, wo sie daheim sind und müssen dafür nicht immer eigens aufs Ortsschild schauen. Bei der Recherche vor Ort - die Beobachtung des Neubürgers stimmt - haben wir den Test beim Nachbarn gemacht: Zapfendorf gibt sich als Markt zu erkennen.

Einfach mal aufkleben

"Da lassen wir eben das 'Markt' nachdrucken und kleben es auf die Schilder", gibt sich Scheerbaum pragmatisch. Doch darf man das denn? Unter bestimmten Voraussetzungen eventuell, ergab die Nachfrage bei Henning Juntunen, Jurist und unter anderem Leiter der Geschäftsbereichs am Landratsamt Bamberg, zu dem Straßenverkehrsrecht gehört. Wenn das Schild wirklich an einer Gemeindestraße steht, Schriftart und Größe zu der bereits auf dem Schild befindliche passen, wäre Scheerbaums Vorschlag denkbar.

Die Ausführungen des Experten zum Thema Schild zeigen, dass die Materie komplex und vorschriftenbehaftet ist. "Ortstafeln sind Verkehrsschilder", so Juntunen. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde ordnet an, an welchem Standort eine Tafel aufzustellen ist. Für Gemeindestraßen ist die Gemeinde die zuständige Verkehrsbehörde, für alle anderen (Bundes-, Staats- und Kreisstraßen) im Landkreis Bamberg das Landratsamt Bamberg.

Was aufs Schild darf

Was darf auf so eine Tafel stehen? Der amtliche Name der Ortschaft und der Verwaltungsbezirk. Zulässig sind auch Zusätze wie Stadt, Kreisstadt, Landeshauptstadt und eben Markt. Letzterer, so Juntunen weiter, sei zugelassen, aber nicht zwingend erforderlich. Was kostet denn so ein Schild und wo bekommt man es? Fachfirmen stellen solche Schilder her und auf, eines kostet etwa 300 Euro, erklärt er.

Zurück zum Markt an sich, wo liegen die Wurzeln? Eine Marktgemeinde ist eine, die irgendwann einmal ein Marktrecht erhalten hat, so Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer auf Nachfrage. Wann und warum einzelne Orte das Marktrecht bekamen und den Begriff "Markt" im Titel führen durften, sei ganz unterschiedlich, ganz individuell. Das historische Marktrecht im Mittelalter bedeutete das Recht, an einem oder mehreren bestimmten Plätzen zu unterschiedlichen Terminen Märkte abhalten zu dürfen.


Vom König verliehen

Bis ins zwölfte Jahrhundert durfte nur der König das Marktrecht verleihen, später die jeweils zuständigen geistigen oder weltlichen Herren. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff Markt auf den ganzen Ort ausgeweitet.

Eine Stadt im Vergleich hatte noch ein paar weitere Rechte (etwa Zollrecht oder Gerichtsbarkeit), so Schäfer weiter.

Das Marktrecht war wichtig für die wirtschaftliche Lage der Orte, da sie auf die Versorgung mit Lebensmitteln durch die Bauern der Umgebung angewiesen waren Oft war das Marktrecht mit der Lage des Ortes an Handelsstraßen verbunden.

Rattelsdorf etwa lag an der historischen Fernstraße von Bamberg nach Erfurt. Die Bezeichnung Markt gebe es nur noch in Bayern, Österreich und Südtirol. Sie würdigt heute die Bedeutung eines Ortes zwischen Dorf und Stadt. "Der Markt kann im Ortsnamen geführt werden, muss aber nicht."
Rattelsdorf kommt ohne aus.


"Besondere" Gemeinden:

Im Landkreis Bamberg gibt es die folgenden Gemeinden, die auch Marktgemeinde sind: Burgebrach, Burgwindheim, Buttenheim, Ebrach, Heiligenstadt, Hirschaid, Rattelsdorf und Zapfendorf.

Neben den Marktgemeinden gibt es im Landkreis auch noch Städte, es sind dies Baunach, Hallstadt, Scheßlitz und Schlüsselfeld.