Es ist ein Wandel, der markant ist: In einer Zeit, in der Bamberg aus allen Nähten platzt und die Hochschule zu immer neuen Rekorden eilt, erleben Bambergs traditionsreiche Gymnasien herbe Schülerverluste.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Von 2007 bis 2016 sank die Zahl der Gymnasiasten in Bamberg um rund 1300, das entspricht etwa 20 Prozent. Gehen den Bamberger Gymnasien die Schüler aus? Tatsache ist: Nur das E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium und das Kaiser-Heinrich-Gymnasium blieben von Rückgängen verschont.

Anders das Clavius-Gymnasium: 2007 besuchten noch annähernd 1600 Schüler das "CG". 2016 waren es nur noch 1170. Einen ähnlichen Schrumpfkurs verzeichneten auch das Dientzenhofer-Gymnasium (DG), das Eichendorff-Gymnasium, das Franz-Ludwig-Gymnasium und das Maria-Ward-Gymnasium.

Die zuständigen Behörden überrascht die Entwicklung nicht. Ludwig Unger, Pressesprecher im Kultusministerium, verweist auf zwei Gründe für den Abwärtskurs. Der Wegfall der 13. Jahrgangsstufe habe im Jahre 2011 die Schülerzahl in allen bayerischen Gymnasien deutlich absacken lassen. Zudem stecken die bayerischen Gymnasien mitten in einer durch den Geburtenmangel bedingten Abwärtsentwicklung. Auch die steigende Übertrittsquote habe diesen Trend nicht aufhalten können. Laut Unger wird die Talsohle 2019 erreicht sein. Dann soll es bayernweit 310 000 Gymnasiasten geben - 80 000 weniger als vor zehn Jahren.


Größe ist kein Selbstzweck

Ist der Rückgang für die Schulen ein Problem? Als Wolfgang Funk 2009 Leiter des Clavius-Gymnasium wurde, zählte die naturwissenschaftlich ausgerichtete Schule noch 1569 Schüler. Heute ist sie mit 1235 deutlich kleiner, aber immer noch das größte Gymnasium Oberfrankens.

Funk sagt, dass große Schulen mehr Möglichkeiten haben, ein gutes Angebot an Wahlkursen und Seminaren zu unterbreiten. Auch ist die Zahl der Lehrer ist an die Größe der Schülerzahl gekoppelt. Doch Größe sei kein Selbstzweck: In kleineren Schulen bestehe eher die Chance, sich um alle möglichst gut zu kümmern. "Wir wollen voll belegt sein, aber nicht explodieren", sagt Funk.


Ansturm nach der Sanierung

Freilich weiß derzeit niemand, ob das räumlich auf 1200 Schüler ausgelegte Gymnasium den goldenen Mittelweg lange einhalten kann. Aktuell erlebt es einen durch das Ende der Sanierung ausgelösten Ansturm von Kindern. 2017 starteten 234 Fünftklässler in acht Klassen in das gerade wieder eingeführte G 9.

Auch das Dientzenhofer-Gymnasium hat in den vergangenen Jahren Schüler eingebüßt. Rektorin Brigitte Cleary spricht von einer Entwicklung, die von vielen Faktoren bedingt sei. Aus ihrer Sicht war es auch die jahrelange Diskussion um das achtstufige Gymnasium, die manche Eltern nach Alternativen habe suchen lassen. Viele hätten sich entschieden, den Weg über Realschule und Fachoberschule dem Gymnasium vorzuziehen.

Im Falle des DG kommt ein Sonderfaktor dazu: Die von der Politik ausgelöste Debatte um den Neubau eines Gymnasiums im Landkreis lässt manche Eltern befürchten, dass die Schullaufbahn ihrer Sprösslinge unnötig durchkreuzt werden könnte. Zudem hängt die Schule am Tropf des Zweckverbands, was die Instandhaltung der Bausubstanz angeht. Die Folgen: Die Anmeldezahlen sind von 114 im vergangenen Jahr auf 97 im laufenden Schuljahr noch einmal abgesackt. Das ist für das DG vor allem deshalb problematisch, weil jährlich große Abiturjahrgänge abgehen.

Muss man sich Sorgen um die Schulstadt Bamberg machen? Hört man Bambergs Bildungsreferenten Christian Lange (CSU), so ist eher das Gegenteil der Fall. Denn nach den Prognosen der Statistiker soll dem Abschwungzyklus schon bald der nächste Aufschwung folgen. Bis 2030 werde die Gymnasiastenzahl wieder kräftig anwachsen.


Stimmung dreht sich

Ein erstes Zeichen, dass sich die Stimmung dreht, ist in Bamberg bereits festzustellen. Dort freut man sich laut Thomas Kohl vom staatlichen Schulamt über eine Konsolidierung bei der Zahl der Erstklässler. Das werde sich in einigen Jahren auch bei den Gymnasien bemerkbar machen.
Im Vergleich mit anderen Städten in Franken ist Bamberg offenbar noch gut weggekommen. Harald Vorleuter, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Oberfranken, erinnert an teils dramatische Bevölkerungsrückgänge in Nordoberfranken. Diese Entwicklung sei für die betroffenen Schulen nicht angenehm: "Zurückgehende Schülerzahlen bedeuten geringere Zuweisungen, im schlimmsten Fall sogar die Notwendigkeit, Lehrkräfte an andere Schulen abzuordnen."