Kaum ist die Ostumfahrung der Bahn durch den Hauptsmoorwald vom Stadtrat beerdigt, taucht ein neues verkehrspolitisches Schreckgespenst auf: der sechsspurige Ausbau der stark frequentierten Autobahn A 73, schon heute eine der meist befahrenen Autobahnen Oberfrankens.
Pendler würde ein solches Mammutprojekt Hoffnung machen, in der Zukunft ohne Stau nach Nürnberg fahren zu können. Doch ist ein solcher Ausbau überhaupt politisch gewollt und finanzierbar? Könnte der Hauptsmoorwald für neue Verkehrsflächen weiter zerfleddert werden?

Es ist der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland in Bamberg (VCD), Dieter Volk, der dieses Szenario in die aktuelle Debatte um den Gewerbepark Muna/Schießplatz einwirft. Hört man Volk, einen erklärten Gegner der Rodungen, wird ein zusätzliches Industriegebiet in dieser Größe zwangsläufig als Vorwand für den sechsspurigen Ausbau der A 73 herhalten müssen. "Die Autobahndirektion hat die fertigen Pläne für den Ausbau in der Schublade und wartet nur darauf, im Bundesverkehrswegeplan nach oben gehievt zu werden. Ein Industriegebiet wird zu einem starken Hebel gemacht werden", prognostiziert der Verkehrsexperte.

Eine Botschaft, die die wachsende Zahl von Gegnern des neuen Industriegebietes aufhorchen lässt. Die Aussicht, dass auf Bambergs Osten nach einem Abschiebelager und umstrittenen Gewerbeflächen weitere Lasten zukommen könnten, lässt sie noch entschlossener gegen die Pläne einer bislang klaren Stadtratsmehrheit ankämpfen. "Wir wollen keine Polarisierung. Wir gehen davon aus, dass der Stadtrat alles dafür tun wird, um Schaden von der Bevölkerung abzuhalten", erklärt die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald". Ungeachtet dessen startet sie dieser Tage ihr gleichnamiges Bürgerbegehren, um das Vorhaben Gewerbepark doch noch zu stoppen.

Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadtverwaltung, sieht einen möglichen sechsspurigen Ausbau der A 73 bei Bamberg im Sinne von Tausenden von Ein- und Auspendlern durchaus als positiv für den Wirtschaftsstandort Bamberg an. Doch eine Verbindung zwischen dem Bebauungsplanverfahren und einem solchen Großprojekt sei inhaltlich und rechtlich abwegig.

Tatsächlich erfordert der Ausbau einer Bundesautobahn ein langwieriges gesetzgeberisches Verfahren, das in eine mehrjährige Planfeststellung mündet. Beides ist für den Abschnitt der A 73 bei Bamberg derzeit nicht in Sicht. "Bayern hat bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 2030 die am stärksten belasteten Streckenbereiche von Forchheim bis zum Autobahnkreuz Fürth/Erlangen für den sechsstreifigen Ausbau angemeldet, der Bund hat diesen aber nicht aufgenommen", erklärt Corinna Korn vom Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr.

Korn beziffert die Belastung der A 73 südlich des Autobahnkreuzes Bamberg mit rund 57 000 Fahrzeugen am Tag. Das ist sehr viel, erreicht aber offenbar noch nicht die Schwelle, bei der aus Sicht der Fachbehörde gehandelt werden muss. Die Autobahndirektion Nordbayern sieht aktuell deshalb "keine erheblichen Defizite des Streckenquerschnittes zwischen Bamberg und Forchheim".
Freilich: Die betroffenen Autofahrer selbst werden dies ganz anders beurteilen. So bescheinigt der ADAC Nordbayern der A 73 bei Bamberg eine erhöhte Stauanfälligkeit. Ein sechsstreifiger Ausbau sei deshalb klar zu befürworten. Drei Streifen pro Fahrtrichtung könnten den Verkehrsfluss deutlich verbessern.

Ungeachtet des fragwürdigen Szenarios einer Autobahnverbreiterung scheint die Mehrheit im Stadtrat für den Gewerbepark in seiner jetzt geplanten Dimension weiter zu bröckeln. So erklärte am Mittwoch die Bamberger FDP ihre Abkehr von den Plänen, für den Neubau einer Verkehrspolizeiinspektion an der Moosstraße Wald zu roden. Wie bereits die BA-Fraktion schlägt Martin Pöhner einen Alternativstandort für das Polizeigebäude auf den bereits versiegelten Muna-Flächen vor. Der Hauptsmoorwald als grüne Lunge Bambergs dürfe nicht derart beeinträchtigt werde. "Die Pläne des Freistaats sind eine Schnapsidee", sagt Pöhner.


Kommentar des Autors:


Ein Wald auf Schrumpfkurs

Bekommt Bamberg eine sechsspurige Autobahn? Einer ernsthaften Überprüfung hält diese Spekulation nicht stand. Ein solches Projekt steht derzeit weder auf der politischen Tagesordnung, noch scheint es durchsetzbar.

Ist dieser Beitrag also nur Stimmungsmache, um ein wichtiges politisches Projekt, den umstrittenen Gewerbepark, in Misskredit zu bringen? Wer auf die Verkehrsentwicklung und die tausendjährige Geschichte des "Hauptsmoors" blickt, zweifelt, ob am Ende die Vernunft siegt.

Das Jagdgebiet der Bischöfe, das einst bis an die Lange Straße gereicht haben soll, wurde im Laufe der Jahrhunderte durch Straßen regelrecht zerfleddert. Was machbar war, wurde auch gemacht.