Für 50.000 Bamberger Stromkunden ist es eine gute Nachricht, die dieser Tage aus dem Hauptquartier der Stadtwerke am Margaretendamm kommt. "Stadtwerke senken Strompreise. Bürger sparen 35 Euro im Jahr", heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch wenn die Ersparnis überschaubar scheint: Die Nachricht von sinkenden Preisen ist nicht alltäglich. Jahrelang haben sich die Verbraucher notgedrungen mit teils drastischen Erhöhungen anfreunden müssen. Bundesweit stiegen die Preise in zehn Jahren um 60 Prozent. Und auch in Bamberg wurde die Energie aus der Steckdose immer teurer - wegen der EEG-Umlage, die förmlich explodierte, während an der Strombörse gleichzeitig die Preise auf breiter Front einbrachen.

Negativtrend gebrochen

Jetzt sieht es erstmals so aus, als ob der Negativtrend gebrochen wäre. Für Bamberger Stadtwerkekunden reduzieren sich die Arbeitspreise für Strom in nahezu allen Tarifen und mindestens bis zum Jahresende um einen Cent. Beim bisherigen Preis in der Grundversorgung von 28,55 Cent pro Kilowattstunde entspricht das unter Berücksichtigung der Grundgebühr einer Einsparung von etwa 3,5 Prozent oder 35 Euro bei 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch.

Aus Sicht der Stadtwerke ist dies auch deshalb bemerkenswert, weil 2015 erstmals seit langem die staatlich festgesetzten Steuern und Umlagen zurückgehen. Zudem hat sich der heimische Energieversorger an der Börse so günstig eingedeckt, dass er seinen Kunden weitere Preisvorteile verschaffen könne, sagt Jan Giersberg.
Die Preisentlastung in Bamberg ist kein Einzelfall. Mit ihrer Marktpolitik befindet sich der Bamberger Energieversorger im Gleichschritt mit vielen Stadtwerken. Von insgesamt 839 Grundversorgern haben nach Informationen des Preisportals Verivox 463 Preissenkungen in Höhe von zwei bis drei Prozent in Aussicht gestellt oder bereits im Januar vorgenommen.

Ob damit die Trendwende beim Strom eingeläutet ist, wird von den Fachleuten allerdings bezweifelt. Zwar hat sich der an der Börse gehandelte Kilowattstundenpreis seit 2007 praktisch gedrittelt. Dennoch lassen die Kosten für neue Stromtrassen und weitere Energiequellen anhaltend sinkende Strompreise als wenig wahrscheinlich erscheinen - glaubt man zumindest bei Verivox.

In Bamberg konkurrieren 381 Stromhändler

Stromverbraucher, die den nach wie vor hohen Kosten ein Schnippchen schlagen wollen, bleiben also kaum Alternativen als der Wechsel. Florian Krüger von Verivox beziffert das durchschnittliche Sparpotenzial durch einen Abschied von der Grundversorgung in Bayern mit derzeit 359 Euro im Jahr. Derzeit konkurrieren in der Stadt Bamberg immerhin 381 Stromhändler.

Allerdings sehen sich die Stadtwerke gar nicht in der Konkurrenz zu den "Discountern", die sich mit Boni und Rabatten überbieten. "Wir möchten langfristig günstige Konditionen" anbieten, statt mit Lockpreisen auf Kundenfang zu gehen, die sich auf Dauer nicht halten lassen", sagt Jan Giersberg. Zumindest in Bamberg scheint diese Rechnung aufzugehen, wie die Zahlen andeuten. Vom kommunalen Energieversorger werden die Kundenverluste seit Liberalisierung des Strommarktes 1998 mit 15 Prozent beziffert.

Gleichwohl sorgt der Wettbewerb nun auch im Raum Bamberg für Bewegung. Weil die Stadtwerke den Strom im Landkreis günstiger anbieten können als der dortige Grundversorger, sei es gelungen, in den letzten Monaten weit über 1000 Kunden aus dem Umland hinzuzugewinnen.

Die staatlich festgelegten Netzkosten sind allerdings auch der Grund für ein markantes Preisgefälle. So kommt es nun zu dem Effekt, dass eine Familie mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch in Gaustadt 1033 Euro im Jahr zahlen muss. Im wenige Meter entfernten Bischberg ist der Stadtwerkestrom gut 70 Euro günstiger zu haben.