Martin Rütter ist seit über 20 Jahren Hundetrainer. Selbst so manchen "verzogenen" Promi-Vierbeiner konnte er erziehen? Wie und was man gegen Angst vor Hunde machen kann, verrät er im Interview mit der FT-Lokalredaktion.

Warum haben Sie sich als Tiertrainer gerade für Hunde entschieden? Es hätten ja auch Katzen oder Pferde sein können?
Martin Rütter: Generell sind Hunde sehr treue, verlässliche und anpassungsfähige Partner. Jeder Hund ist ein Individuum und somit eine eigenständige Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit kennenzulernen und herauszufinden, was sie ausmacht, ist das Faszinierende an Hunden.
Dazu kommt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund schon immer etwas ganz Besonderes war, man findet sie so zwischen keinem anderen Tier und dem Menschen. Zum einen leben Hunde in einer ähnlichen Struktur wie wir Menschen. Es gibt einen engen Familienverbund, bei dem soziale Strukturen eine große Rolle spielen. Zum anderen akzeptiert der Hund den Menschen als vollwertigen Sozialpartner, er sucht aktiv die emotionale Nähe zum Menschen und zieht ihn manchmal sogar Artgenossen vor.

Sie haben die D.O.G.S. (Dog Orientated Guiding System) entwickelt und geben diese Methode weiter. Können Sie kurz schildern, was sich dahinter verbirgt?
Schon der Name D.O.G.S. (am Hund orientiertes Führungssystem) impliziert, dass sich das Training an den jeweiligen natürlichen Bedürfnissen des Hundes orientiert. Wir arbeiten also nicht nach starren Schablonen, sondern der Schwerpunkt liegt darin, den Hund und die jeweilige Beziehung zu seinem Halter einschätzen zu können, um dann ein für den Menschen und seinen Hund ganz individuelles Trainingskonzept zu entwerfen. Ein weiteres Kern-Element ist die gewaltfreie Erziehung.

Welcher Hund passt am besten zu mir. Wie finde ich das heraus?
Man sollte sich im Vorfeld sehr genau und ausführlich darüber informieren, was die Anschaffung eines Hundes bedeutet. Denn eine Vielzahl der Probleme entsteht dadurch, dass sich etliche Menschen immer noch total naiv und unüberlegt einen Hund aussuchen. Die Auswahl geschieht dann überwiegend nach optischen oder emotionalen Kriterien. Aber passt der Hund überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Diese Fragen kommen häufig erst dann auf, wenn die Entscheidung schon gefallen ist. Deshalb immer meine dringende Bitte: Vorab sehr genau informieren, was ein Hund benötigt, um glücklich zu sein. Und eine Art Checkliste erstellen: Welche Bedürfnisse habe ich, welche Bedürfnisse hat der Hund? Welcher Hund kommt für mich überhaupt infrage?

Was sind die oftmals größten Fehler von Hundebesitzern im Umgang mit ihren Tieren?
Grenzenlose Vermenschlichung, zu wenig Auslastung körperlicher wie geistiger Natur sowie mangelnde Konsequenz.

Sollte in Hund im (Ehe-)Bett schlafen dürfen?
Hunde dürfen mit ins Bett, natürlich! Aber: Wenn ich dem Hund sage nein, dann bedeutet es auch Nein. Es geht also darum, dass der Mensch die Entscheidung trifft und nicht der Hund. Ich kenne Familien, da schläft der Vater seit zwei Jahren auf der Couch, weil der Hund ihn nicht mehr mit ins Ehebett lässt. Das ist natürlich ein Problem. Letztlich geht es jedoch nicht darum, den Hund zu einem Roboter zu dressieren, der auf Kommando wie totgeschossen umfällt. Aber er benötigt klare Regeln; denn wenn er sich an seinem Halter orientieren kann, kann er Vertrauen fassen und ein entspanntes, stressfreies Leben führen.

Mein Hund führt mich Gassi und nicht ich ihn. Wie und ob wann erziehe ich meinen Hund am besten?
Klare Regeln und deren konsequente Umsetzung, damit der Hund Vertrauen und Sicherheit gewinnen kann. Ausreichend Beschäftigung. Die Sprache der Hunde sprechen. Und den Hund als Hund respektieren.

Was kann ich tun, wenn ich Angst gegen Hunde habe? Wie reagieren Tiere darauf?
Die Angst kommt ja aus dem Glauben, dass das Tier unberechenbar ist. Aber das stimmt nicht. Jeder Hund kündigt seine Handlungen körpersprachlich an. Wenn ein Tier locker aussieht, ist alles in Ordnung. Aber nicht, wenn es angespannt ist. Wir selbst bieten Tagesseminare an, bei denen man diese Körpersprache lernen kann. Auf jeden Fall sollte man nie so tun, als sei man stark, obwohl man Angst hat. Hunde werden nämlich nicht aggressiv, weil sie die Angst des Menschen spüren, sondern eher, wenn man sie zum Beispiel durch lautes Auftreten zu überspielen versucht. Falsch ist es auch, wegzurennen oder hektisch zu reagieren. Der Hund fasst das als Spiel auf und macht mit.

Sind Sie selbst schon einmal von einem Hund gebissen worden?
Ich bin jetzt seit 22 Jahren in diesem Beruf und dreimal gebissen worden. Aber immer nur, wenn ich zwei Hunde getrennt habe.

Ihr lustigstes Erlebnis mit einem Hund?
Oh je, das sind so viele. Wenn aber meine Mina damals im fortgeschrittenen Alter quasi als Oma mit einer Apfelkitsche im Maul auf dem Komposthaufen stand und mich mit ihrer umwerfenden Unschuldsmiene anschaute, hatte das schon etwas von rührseliger Romantik. Wirklich böse konnte ich ihr dann in diesen Momenten nicht sein.

Ihr Bühnenprogramm heißt "Nachsitzen?" Was erwartet die Zuschauer?
Der Name des Programms verrät ja schon ein wenig, in welche Richtung es gehen wird. Wir werden uns diesmal in einem Schul-Szenario wiederfinden. Ich werde unter anderem die vermeintlich Hochbegabten entlarven. Da pinkelt ein Hund dreimal unfallfrei gegen einen Baum, und schon meint der Halter, er hätte da Einstein auf vier Pfoten an seiner Leine. Wir werden in die Rassekunde eintauchen. Auch die Problematik Ernährung werde ich ansprechen, das Thema Zweithund erörtern, mit der unsäglichen Dominanz-Theorie aufräumen und vieles mehr. Grundsätzlich wird es auch in meinem neuen Programm wieder eine Mischung aus Information und Unterhaltung geben. Die Leute werden viel lachen, aber definitiv auch etwas lernen, dieser Anspruch bleibt unverändert.

Ist es mehr eine Comedy-Show oder ein "Seminar" über Hunde?
Gut, dass Sie so fragen; denn eines muss ich in diesem Zusammenhang klarstellen: Ich bezeichne mein Programm nicht als Comedy, es ist vielmehr ein Mix aus Entertainment und Information. Klar, ich kommuniziere meine Botschaften nicht staubtrocken, sondern mit einem Augenzwinkern. Schließlich sollen die Leute ja auch Spaß bei der Arbeit haben. Aber an erster Stelle bin ich Hundetrainer. Im Endeffekt ist die Show ein Vortrag, nur in übersteigerter Form. Es geht ja in meinem Programm um das Zusammenleben von Mensch und Hund und die großen und kleinen Missverständnisse, die entstehen können, wenn zwei unterschiedliche Arten mit zwei völlig unterschiedlichen Kommunikationsformen aufeinander prallen. Die Zuschauer erhalten dabei eine Menge Informationen. Sie bekommen viele Tipps und sagen nachher, ich habe wirklich was gelernt. Und was uns ebenso freut: Wir sensibilisieren immer mehr Nicht-Hundemenschen für dieses Thema. Inzwischen sind gut 30 Prozent meiner Zuschauer gar keine Hundebesitzer, bei denen es sich aber herumgesprochen hat, dass sie eine sehr unterhaltsame Veranstaltung geboten bekommen.

Das Gespräch führte
Harald Rieger.



Veranstaltung

Martin Rütter ist am Dienstag, 24. Februar, um 20 Uhr mit seinem Programm "Nachsitzen" zu Gast in der Brose Arena. Karten sind erhältlich unter anderem in den Geschäftsstellen und Servicepoints der Mediengruppe Oberfranken sowie im Internet unter tickets.infranken.de. hr