Lange Zeit waren die Italiener und die Griechen die zweit- und drittgrößte Ausländer-Gruppe in Bamberg. Nun haben die Syrer sie weit hinter sich gelassen. Exakt 952 Menschen aus dem Kriegsland leben nach den Angaben der Stadt Bamberg derzeit in Bamberg. Nur die Zahl der Türken ist mit 1025 noch etwas höher.

Christiane Laaser kümmert sich als Stadträtin der Grünen seit Jahren um Flüchtlinge in Bamberg. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Syrer auch die Marke von 1000 überschritten haben. Das liegt nicht nur daran, dass die Anerkennungsquote von Asylbewerbern aus dem Bürgerkriegsland sehr hoch ist. Immer wieder verstärken Syrer als Neuankömmlinge aus der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken und den Gemeinschaftsunterkünften die bereits bestehende Gemeinde. Auch die hohe Zahl der Schwangeren fällt auf.


Wohnungsmarkt ist ein Problem

Was die Zahlen zeigen: Für den Wohnungsmarkt stellt die Integration der arabischen Kriegsflüchtlinge eine nicht gekannte Herausforderung dar. Bamberg, das bereits für einheimische Wohnungssuchende schwer zu nehmen ist, muss gleichsam über Nacht viele Menschen zusätzlich aufnehmen. Gesucht werden Wohnungen aller Art, aber auch Kita-Plätze und Sprachkurse mit Kinderbetreuung. "Viele Familien mit mehreren Kindern wohnen derzeit noch unter beengten Verhältnissen in Ein-Zimmer-Wohnungen", sagt Laaser.

Andere belegen noch Zimmer in den Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie die Anerkennung in der Tasche haben und bereits ausziehen müssten. Laaser weiß: Dass die einheimische Bevölkerung mit niedrigen Einkommen wegen des Wohnungsmangels mit den Flüchtlingen konkurrieren muss, erschwert die Lage. Die Politik müsse sehr darauf achten, dass das gesellschaftliche Wohlbefinden der Stadt nicht leidet. Doch was bleibt als Alternative? Um zu verhindern, dass Menschen abgehängt werden wie in Frankreich oder Belgien, sei Hilfestellung unerlässlich. Laaser: ",Freund statt Fremd´ freut sich über ehrenamtliche Helfer."

Auch die derzeit von den Syrern genutzte Moschee platzt aus allen Nähten. Bis zu 100 Gläubige treffen sich auf kleinster Fläche regelmäßig zum Freitagsgebet in einem Ladenlokal im Stadtteil Wunderburg. Für Frauen fehlt ein Gebetsraum. Die Folge: Die wachsende syrische Gemeinde sucht händeringend nach einer Immobilie, die sie für eine neue Moschee nutzen kann. Doch wo soll diese gefunden werden? Und wie muss sie beschaffen sein? Schon in der Wunderburg gab und gibt es wegen des Ansturms erhebliche Probleme rund um die bestehenden Gebetsräume. Laaser erhofft sich ein Haus, in dem sich sich bis zu 300 Gläubige am Freitag und an hohen Feiertagen treffen können.


CSU: Aus Selbstschutz helfen

Es geht nicht um einen Neubau, sondern um die Anmietung eines bestehenden Gebäudes, stellt Laaser klar. Die GAL-Stadträtin weiß um die vorhandene Skepsis mancher Bürger in Bezug auf Moscheen. Doch eine Alternative, Hilfestellung auch bei der Ausübung der Religion zu leisten, sieht sie nicht: "Wenn wir in Deutschland vermeiden wollen, dass es zu Parallelgesellschaften kommt, dann ist diese Offenheit Voraussetzung für eine gelingende Integration."

Wie stark die syrische Bevölkerung gewachsen ist, überrascht den Chef der CSU-Fraktion, Helmut Müller. Die Aufgaben, die nun vor der Stadt stehen, bezeichnet er als "gewaltig", der starke Zuwachs bei Flüchtlingen berge nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial: "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als kümmere sich die Politik mehr um die Flüchtlinge als um die Abgehängten in der einheimischen Bevölkerung", sagt Müller. Dennoch hält er es für zwingend, sich der Probleme der Neuankömmlinge anzunehmen: "Aus Selbstschutz und aus der Überzeugung, damit nicht etwas Schlimmes passiert."

Vor einem Verteilungskampf um Wohnungen warnt Heinz Kuntke. Der SPD-Stadtrat kritisiert das aus seiner Sicht inkonsequente Verhalten staatlicher Behörden, die die eigentlich vorgeschriebene gleichmäßige Verteilung von anerkannten Asylbewerbern mit Hartz-IV-Bezügen nicht umsetzten. "Das wird auf Dauer zu einer Überforderung Bambergs führen, wenn hier nicht für mehr Gerechtigkeit gesorgt wird", glaubt Kuntke. Denn trotz der Entschlossenheit der Stadt beim Thema Wohnungsbau könnten neue Unterkünfte natürlich nicht über Nacht aus dem Boden gestampft werden.

Kuntke, der auch Vorsitzender des Bürgervereins Bamberg-Ost ist, nimmt das starke Wachstum der syrischen Bevölkerung auch zum Anlass, den Freistaat in die Pflicht zu nehmen. Der könne für Entspannung auf dem Bamberger Wohnungsmarkt sorgen, indem er Häuser frei macht, die jetzt noch auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken für reine Reservehaltung leer stünden. "Hier könnte ein neues Wohnviertel entstehen - für Flüchtlinge und einheimische Wohnungssuchende ."