Die letzten Wochen des Jahres haben eine besondere Dynamik. Während im "richtigen Leben" alles doppelt so hektisch wird, es auf Straßen, in Supermärkten und Mail-Postfächern zugeht wie in Dantes Inferno, holen die Öffentlich-Rechtlichen bewährt Entschleunigendes aus dem Köcher. Michel, das Traumschiff und der kleine Lord stehen in den Startlöchern - und selbstverständlich Aschenbrödel.

Das rührt auch manchen Märchen-Ignoranten stets aufs Neue, wenn Prinzen in giftgrünen Strumpfhosen durch die Wälder reiten. Oder reiche Töchter zum Hofball stolzieren, mit Hüten, bei denen selbst Lady Gaga oder die Queen neidisch würden. Und zum Schluss gewinnt dann doch die schöne, starke, ungerecht behandelte Heldin. Eine heile Welt aus der Konservenbüchse, die vom 7. bis 26. Dezember stolze 15 Mal geöffnet wird: Drei (also insgesamt 45) Nüsse für Aschenbrödel auf allen Kanälen, allein am ersten Weihnachtsfeiertag gibt's sieben Wiederholungen.

Aber warum auch nicht? Hier sieht man klar, wer gut und wer böse ist, dass das Ende glücklich sein wird, und dass die Tschechen und Ostdeutschen einfach ein Händchen für Märchen hatten. Wen all das nicht überzeugt, der kann sich sämtliche Rambo- und Rocky-Folgen anschauen. Die werden zu Weihnachten garantiert auch wieder gezeigt.