Keine Lust, am Herd zu stehen und selbst den Kochlöffel zu schwingen? Also nichts wie raus aus dem Haus und rein in die Gastro-Szene. Nur bremsen einen in Lokalen mehr und mehr Schilder aus, die wie Pilze aus dem Boden schießen: "Reserviert!" Kommt der kleine Hunger zur falschen Zeit, sind Spontanbesuche in beliebten Restaurants, Kneipen, Cafés und Traditionsgaststätten riskant. Wie stehen Bamberger Gastronomen zum Prinzip "Schlemmen nach Voranmeldung"? Hier das Ergebnis einer stichprobeartigen Umfrage.

Halbleere Lokalitäten, in denen hungrige Gäste von einem "Reserviert"-Schild zum nächsten flitzen, um Daten zu checken und auf geeignete Zeitfenster zu reagieren: Das ist inzwischen auch in Franken keine Seltenheit mehr. Härter wird der Kampf um freie Plätze in angesagten Gaststätten wie dem Schlenkerla. "Ja, im Winter kann's schon mal sein, dass zwei Drittel des Lokals vorreserviert sind - zu Stoßzeiten - , im Sommer bis zu 50 Prozent", berichtet Matthias Trum als Geschäftsführer. Das aber seien Extreme, während an normalen Tagen allenfalls ein Fünftel der Tische nach dem Prinzip vergeben würden. "Schließlich wollen wir Bambergern, die kurzentschlossen vorbeischauen, immer eine Chance geben." Bevorzugt würden Einheimische auch bei Reservierungen, die sich übrigens nicht auf den Biergarten beziehen, in dem's keine Vormerkungen gibt. Stattdessen gilt: "Wer zuerst kommt, trinkt zuerst", so der Schlenkerla-Wirt.


Forderungen der Gäste

"Der Druck auf die Gastronomie steigt", meint Harald Kurz-Brauner als Mitinhaber des Hofcafé und des DaCaBo. "Gäste wissen heutzutage genau, an welchem Tisch sie wann sitzen wollen und sorgen dementsprechend vor." Stammkunden auf diese Weise ebenso gerecht zu werden wie Spontanbesuchern, sei für Wirte ein Drahtseilakt. Vorreservierungen bis zu 70 Prozent der Tische sind im Hofcafé mittlerweile möglich. "Was aber, wenn Gäste dann nicht kommen ohne sich abzumelden?" Ein anderes Problem: Vorbestellungen für den Außenbereich, die Kurz-Brauner wegen des Wetterrisikos am liebsten ganz ausschließen würde. So nimmt das Thekenteam des DaCaBo im Sommer keinerlei Reservierungen an, wenn nur der Garten bewirtschaftet wird. Was sich bislang auch auf die Wintermonate auswirkte, nachdem sich in dem Café die Voranfragen Kurz-Brauner zufolge noch in Grenzen halten.

",Ihre Reservierungsanfrage nehmen wir gerne entgegen", heißt's auf der Homepage des Salino, das sich dem Trend nicht verschließt: Einem Trend, der "in Deutschland vor zehn Jahren etwa später als in anderen Ländern begann", wie Francesco Biondolillo als Inhaber des Ristorante da Francesco bemerkte. "Wir leben mittlerweile bis zu 90 Prozent von Reservierungen", sagt der Gastronom. Eine Woche im Voraus Tische zu ordern, genüge normalerweise. "Bei Hochzeiten und anderen großen Festen rufen die Leute meist aber ein Jahr im Voraus an. Für drei Kommunionfeiern, die 2015 geplant sind, habe ich ebenfalls schon Reservierungen."


Man kennt sich aus

Gibt's auf diese Weise nie Stress mit Gästen, die unangemeldet hereinschneien und leer ausgehen? "Nein, die meisten Bamberger wissen, wie's läuft." Ärgerlich würden hin und wieder nur Anrufer, denen man keine Reservierung mehr zusagen könne.

Boykottiert kein Gastronom den Planungswahn diverser Gäste, obgleich er Laufkundschaft zu verlieren riskiert? Fehlanzeige. Alle Befragten folgen dem Trend bis hin zu Werner Klebrig. Jeden zweiten Tisch reserviert auch der Kachelofen-Wirt gegebenenfalls - telefonisch. Dabei machte er wie etliche andere schon schlechte Erfahrungen mit Anrufern, die zu vereinbarten Terminen allzu spät erschienen oder Reservierungen ganz vergaßen.