Die Gewerkschaft Verdi erhöht in den Tarifverhandlungen den Druck auf den öffentlichen Dienst und startet mit bayernweiten Warnstreiks. Bereits gestern gingen in Bamberg rund 250 Beschäftigte von den Stadtwerken, der Sozialstiftung sowie vom Bauhof Bad Staffelstein und Lichtenfels auf die Straße.

Zunächst sammelten sich die Demonstranten vor den Stadtwerken am Margaretendamm. Von dort zogen sie laut pfeifend und mit Protestplakaten an die nördliche Promenade zu einer Kundgebung. "Ich freue mich, in viele junge Gesichter blicken zu können. Denn besonders für eure Zukunft kämpfen wir", unterstrich Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer.

Insgesamt fordert die Gewerkschaft 100 Euro sowie zusätzliche 3,5 Prozent mehr Lohn für ihre Mitglieder. Man nehme aber auch, so betonte Stadelmeyer, gerne eine Erhöhung von zehn Prozent an, wie sie sich jüngst die Abgeordneten gaben. Ferner müsse endlich Schluss gemacht werden mit den befristeten Arbeitsverträgen. "Ein befristeter Arbeitsvertrag auf zwei Jahre ist nichts weiter als eine verlängerte Probezeit. Damit steht jede Familienplanung auf wackligen Beinen", so die Gewerkschafterin.

Das Argument, der Staat habe kein Geld hingegen wollte sie nicht hinnehmen. Schließlich sei genug Geld vorhanden, zumal die Steuereinnahmen kräftig sprudeln würden. Man lasse sich auch nicht mit der "Schuldenbremse" für "dumm" verkaufen. "Wir sind es wert! Es kann doch nicht sein, dass wir immer weniger Geld in der Tasche haben und viele von uns sogar aufstocken müssen", wetterte Stadelmeyer.

Auch Manfred Böhm von der katholischen Betriebsseelsorge Bamberg nahm kein Blatt vor den Mund und versicherte, dass die Forderungen der Gewerkschaft im Gegensatz zu der zehnprozentigen Abgeordnetenerhöhung sehr bescheiden seien. Dabei komme der Wohlstand des Landes aber nicht durch die Spekulanten oder Politiker, sondern durch die vielen Arbeiterhände. "Leider aber werden wir immer mehr zur Suppenrepublik!", kritisierte der Seelsorger. Denn während ein Prozent aller Deutschen ständig reicher werde, würden die Suppenküchen wie Pilze aus dem Boden sprießen, weil bei immer mehr Arbeitnehmern am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig sei.

Vom Streik in Bamberg nicht betroffen war der Busverkehr. Im Klinikum hingegen kam es zu Einschränkungen und das Bambados musste aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, da sich die Mehrzahl der dort Beschäftigten am Streik beteiligten.

Laut Verdi sei man bereit, die Streiks auszuweiten, sollten die Gespräche Ende der Woche mit dem öffentlichen Dienst nicht die gewünschten Ergebnisse bringen.