Die Beharrlichkeit hat sich am Ende doch ausgezahlt: Seit Jahren bemüht sich Walsdorf, aus der seit 1978 bestehenden Verwaltungsgemeinschaft mit Stegaurach entlassen zu werden. Lange sah es so aus, als würde dieses Ansinnen nicht vom Erfolg gekrönt werden. Doch am Mittwoch haben sich alle Fraktionen des Landtags-Kommunalausschusses für einen Gesetzentwurf ausgesprochen, wonach die Gemeinden Stegaurach und Walsdorf aus der Verwaltungsgemeinschaft Stegaurach ausgegliedert werden. Wonach also jede wieder eigenständig wird.

Die endgültige Entscheidung wird im Landtag fallen, doch Heinrich Faatz (CSU), Bürgermeister von Walsdorf, geht davon aus, dass dies reine Formsache sein wird, angesichts der absoluten Geschlossenheit im Kommunalausschuss. "Mir geht's gut", stellte er am Nachmittag eines für Walsdorf historischen Dienstags fest.

Zwei Amtsperioden als Zweiter Bürgermeister und zweieinhalb als Bürgermeister der Gemeinde Walsdorf hat Faatz sich um die Loslösung bemüht. Warum, das zeigt ein Blick zurück. Im Zuge der Gemeindegebietsreform kam Walsdorf im Jahr 1978 unter das Dach der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Stegaurach. Zusammen mit Stegaurach und den gleichfalls bis dahin selbstständigen Gemeinden Lisberg. Die beantragten jedoch schon 1980 die Ausgliederung und schlossen sich zur eigenen Verwaltungsgemeinschaft Lisberg zusammen.

"Wir mussten uns immer behaupten"

Als Walsdorf zur VG kam, hatte man um die 1600 Einwohner. Heute sind es über 2600, die Amerikaner, die hier wohnen, und den Anteil der Zweitwohnsitze nicht mitgerechnet. Kurz zum Stichwort Amerikaner: Die wohnen meist in großen schönen Wohnungen, so dass Faatz hofft, dass hier nach der Konversion (junge) Familien nachfolgen werden.

Wie sich Walsdorf bisher in der VG gefühlt habe, das machen allein schon die Zahlen deutlich. Die Verwaltung ist mit gut 2600 Walsdorfern und 6800 Stegaurachern beschäftigt. Das zeige bereits das Verhältnis auf. "Wir mussten uns immer behaupten", erklärt der Bürgermeister.

Bereits der Vorgänger von Faatz im Bürgermeisteramt, Hans-Heinrich Köhlerschmidt hatte sich um Walsdorfs Eigenständigkeit bemüht, doch standen damals noch vorrangigere Projekte im Vordergrund. Dem Gemeinderat, der vor dem jetzigen amtierte, schreibt Faatz letztlich den aktuellen Erfolg zu. Denn das Gremium habe geschlossen Druck gemacht, unter anderem mit Unterschriftenlisten. Nur am Rande mag Faatz seine eigenen zahlreichen Fahrten nach München und Gespräche mit Innenminister und Staatssekretär erwähnen. Wichtig ist ihm dabei nur die Anmerkung, dass dies die Walsdorfer nichts extra gekostet habe, weil er Fahrten als Funktionär des Bauernverbands oder eigene in Sachen Landwirtschaft meist so legte, dass er in Sachen Eigenständigkeit auch noch aktiv werden konnte.

"Herzogscheune" wird zum Rathaus

Wenn Walsdorf also mit dem 1. Januar des kommenden Jahres wieder eigenständige Gemeinde geworden ist, dann ist man gut vorbereitet. Zwar wird an der Herzogscheune im Ortskern noch einiges umzubauen sein, bis sie als Rathaus taugt. Etwa ein bis zwei Jahre wird das dauern.

Dennoch kann die Walsdorfer Gemeindeverwaltung im Januar auch schon in Walsdorf ihre Arbeit aufnehmen: "Im Verwaltungstrakt der Schule ist genug Platz", erklärt der Bürgermeister. Lediglich EDV-technisch müsste man tätig werden und auch Telefonanschlüsse legen. Ach ja, und Möbel bedarf es, "aber die sind ja nicht teuer". Und die Personalfrage? Bislang sind in der Verwaltungsgemeinschaft, und damit an deren Sitz, dem Rathaus in Stegaurach, 16 Arbeitsplätze besetzt. Walsdorf wird etwa fünf davon "mitnehmen" und damit in allen relevanten Fachbereichen besetzt sein.

Überhaupt ist Heinrich Faatz davon überzeugt, dass man eine "leistungsfähige Gemeinde mit passender Größe" ist. Sonst würde man wohl auch nicht die Zustimmung erhalten. "Wir sind groß und alt genug." 1200 Jahre alt, wie Stegaurach, nur die entsprechende Urkunde, auf die immer verwiesen wird, muss noch gefunden werden. Aber das dürfte derzeit wohl ein eher untergeordnetes Vorhaben sein.

"Wir sind froh und glücklich", stellt Faatz abschließend fest. Eine VG sei immer ein künstliches Gebilde, das einem übergestülpt wird. Auch die VG Stegaurach, fügt er abschließend an.

Bürgermeisterkollegen Siegfried Stengel (CSU) sind die Trennungsbestrebungen seit Langem bekannt, auch im Personal. Von der Entscheidung des Ausschusses hat er erst am Mittwochabend erfahren:
"Wenn das so gewünscht ist, dann setzen wir das auch um", stellt er dazu fest. Allerdings weist er darauf hin, dass die eigenen Wege beide Gemeinden künftig sehr viel mehr Geld kosten werden. Und beide Verwaltungen in den ersten Monaten wohl sehr viel langsamer sein würden. Die Entscheidung, die VG aufzulösen, so findet Stengel, passe gleichwohl nicht in die Zeit, wenn die Regierung interkommunale Zusammenarbeit anrege und gleichzeitig eine funktionieren Zusammenarbeit auflöse. "Aber wenn das so gewünscht ist..."