Dass es um den deutschen Wald zur Zeit nicht gut bestellt ist, wissen inzwischen viele. Die große Trockenheit im letzten Jahr und der massive Käferbefall haben große Schäden im Forst hinterlassen. Deshalb haben die Waldbesitzervereinigung (WBV) Bamberg und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg zu einer Informationsveranstaltung in das Forstrevier Steinfeld eingeladen. Über 70 Waldbauern und Interessierte waren gekommen, um sich zu informieren und zeigten allein durch ihre große Zahl, wie sehr ihnen das Problem auf den Nägeln brennt.

Forstamtsanwärter Sebastian Feulner hatte sich als Thema seiner Projektarbeit gestellt: "Erstellen eines Beratungsleitfadens für Revierleiter zum Themenkomplex: Käferkalamitäten, Trockenschäden und aktiver Waldumbau." Er deckte damit ausführlich den ganzen Problemkomplex ab, mit dem die Betroffenen zur Zeit und auch in der Zukunft zu tun und zu kämpfen haben. Unterstützt wurde er dabei von Hans-Peter Schreier vom AELF Bamberg, der auch forstlicher Berater der WBV Bamberg ist, und der forstlichen Mitarbeiterin der WBV Bamberg, Ingrid Palacek.

Feulner ging anfangs auf den unübersehbaren Klimawandel mit den Extremsommern 2003, 2015 und 2018 ein. Hitze, Trockenheit und Sonnenscheindauer hätten im letzten Jahr langjährige Mittel weit übertroffen. Als Folge hätten sich, so Feulner, die beiden Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher in drei Generationen vermehren können.

Viele Jungkäfer haben im Boden überwintert, da die Rinde der Bäume abgefallen ist. Sie konnten somit auch nicht bekämpft werden und stellen folglich ein großes Gefahrenpotenzial dar. Wichtig seien deshalb eine saubere Aufarbeitung und Lagerung des Holzes mindestens 500 Meter außerhalb des Waldes. Zu der Käfergefahr komme noch, dass Fichten und Kiefern durch die Trockenheit sehr geschwächt seien. Im Steinfelder Wald konnten sich alle Besucher vor Ort ein Bild davon machen. "Es ist schon schockierend", so ein Teilnehmer, "wenn man die vielen toten und geschädigten Bäume sieht."

Die Bedeutung der Wälder für die Gesellschaft insgesamt wurde anschließend verdeutlicht: Sauerstoffproduktion, Filterfunktion gegen Ruß und Staub, Grundwasserspeicher, Arbeitsplatzgeber für Schreiner und Sägewerkarbeiter, Platz für viele Tier- und Pflanzenarten und Erholungsort für viele Menschen.

Mischwald heißt das Ziel

Was ist nun zu tun für den Wald? Zunächst wollen die Forstwirte den Waldbesitzern Mut machen angesichts der Lage, die je nach Wetter dieses Jahr noch schlimmer werden könnte. Der Grundwasserspiegel ist nämlich immer noch zu niedrig und es regnete zu wenig. "Der Wald muss zum Mischwald umgebaut werden", fordert deshalb Feulner. Dies sei keine Maßnahme eines Jahres, sondern eine langfristige Aufgabe: "Aber es führt angesichts des Klimawandels nach unserer Meinung kein Weg daran vorbei."

Der Laubwaldanteil ist in Bayern zwar bereits von 1971 bis 2012 von 22 Prozent auf 36 Prozent gestiegen, müsse aber weiter ausgebaut werden, so der Experte. Die größte Bedeutung kommt dabei dem Voranbau von schattenspendenden Baumarten wie zum Beispiel Buche und Tanne in Nadelholzbeständen zu. Dabei werden die Pflanzen gruppenweise in die Bestände eingebracht. Gut hat sich dabei seit einiger Zeit die Aussaat von Waldbäumen bewährt. Birke und Vogelbeere sollen nicht wie früher oft üblich entfernt, sondern gepflegt werden, da sie rasch erntereif werden und so bereits nach wenigen Jahrzehnten einen finanziellen Ertrag brächten.

Neu dürfte für manche Zuhörer sein, dass auch Laubholzbestände analog zu Nadelholz ein Risiko darstellen und ebenfalls zu Mischwald umgebaut werden sollen. Hingewiesen wurde auch auf die Gefahren des Wildverbisses besonders durch Rehe.

"Die Klimaveränderungen werden auch unseren Wald verändern", zogen Feulner und Schreier am Ende der informativen Veranstaltung Bilanz. "Bewährte Baumarten werden verschwinden und neue hinzukommen. Der zukünftige Wald muss sich durch Mischung und Struktur gegen die Gefahren breit aufstellen." Weiter meinten sie, dass es fraglich sei, wie lange die Kiefer noch mit den erhöhten Temperaturen zurecht komme. Sie schlossen ihre Ausführungen aber mit dem Appell: "Die Mischung macht's! Blicken Sie mit Hoffnung in die Zukunft und packen Sie die Probleme an."