Unscheinbar steht es am Straßenrand. Autofahrer aus Richtung Bamberg, von denen viel zu viele viel zu schnell hier den Berg in Waizendorf hinabfahren, werden das zwischen zwei Bäumen versteckte Marterl höchstens aus dem Augenwinkel heraus kurz sehen. So nahm auch kaum jemand den vor gut einem Jahr entstandenen Schaden wahr. Bei Baumschnittarbeiten war ein Ast auf die Marter gefallen und hatte deren Kopf abgeschlagen.

Der Schaden wurde zwar behoben, doch damit war noch lange nicht wieder alles gut. Erst musste bei der Reparatur nachgebessert werden, weil Stellen, wo der Stein geflickt war sich farblich deutlich abhoben und dann war auch noch Feuchtigkeit in die Bildnische eingedrungen, das Glas von innen so beschlagen, dass von dem Marienmotiv kaum noch etwas zu sehen war. Auch das wurde vom Steinmetz behoben, nachdem ein Nachbar, der das Marterl seit langem betreut, der Gemeinde die offenbar unsachgemäße erste Reparatur angezeigt hatte.

Und das war noch nicht alles. Nun wurden noch Schäden an dem Bild sichtbar. Es zieht sich an den Rändern auf, die Farbe bröckelt ab - wohl wegen der Feuchtigkeit die eingedrungen war, weil der abgebrochenen Kopf des Bildstocks nach dem ersten Schlag nicht schnell genug ins Trockene gebracht wurde sondern noch einige Zeit im feuchten Laub lag.

Der Fall landete schließlich beim Bauausschuss des Stegauracher Gemeinderats. Dort wurde vorgeschlagen, von einem ortsansässigen Maler und Restaurator ein Angebot einzuholen. Der bezifferte die Kosten auf etwa 600 Euro. In seiner Sitzung am 2. Dezember vergangenen Jahres war sich der Bauausschuss dann einig darüber, dass die Sanierung des Bildes in Auftrag gegeben werden soll.

Marterl wird Chefsache

Bis Ende Januar hörten die Ausschussmitglieder dann nichts mehr. Die Vergabe der Arbeiten durch die Gemeinde erfolgte nicht. Denn inzwischen hatte Bürgermeister Siegfried Stengel (CSU) das Marterl zur Chefsache gemacht. Der Bürgermeister stieß sich in dem Angebot des Waizendorfer Restaurators an dem Zusatz "grobe Schätzung", wie er nun im Gemeinderat anführte.

Darum machte er sich dienstlich auf den Weg zum Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof und kam von dort "Liste von Maßnahmen zur Restaurierung von Flur- und Grabdenkmalen" zurück, die bei einer Angebotsabgabe von Restaurierungsarbeiten von den sich bewerbenden Firmen penibel auszufüllen. Nur steht das Waizendorfer Marterl auf keiner Denkmalliste und hat keine Chance darauf zu kommen, auch wenn es auf der Homepage der Gemeinde Stegaurach als eines von 30 "religiösen Kleindenkmalen" geführt wird. Über des Bildstock ist auch wenig bekannt, außer von dem Restaurator in spe, der meint, es wäre wohl mindestens 70 Jahre alt. Sein Vater habe schon daran gearbeitet.

Nichtsdestotrotz legte der Bürgermeister die Liste der Denkmalschützer dem Restaurator und zwei weiteren Firmen vor, um deren Angebote einzuholen und dann in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderats über eine Auftragsvergabe beschließen zu lassen.

"Zeitnah abgearbeitet"

Die angefragten Restauratoren durften also ihre Preise anhand von 36 Punkten auf der berechnen. Auf der werden beispielsweise abgefragt die Preise für "Archivalienauswertung zur Restaurationsgeschichte", für das "Anfertigen einer Transportvorrichtung (z. B. Holzkiste mit speziellen Auflagern)" oder für das "Anfertigen der Gemäldesicherung, nach vorheriger Abnahme des Entwurfs durch den Eigentümer und das BLfD".

Dabei hatte Stengel noch im vergangenen Sommer auf eine Nachfrage im Gemeinderat zur ersten Reparatur entgegnet, "dass es sich hier nicht um eine Angelegenheit gehandelt hat, mit der sich der Gemeinderat oder einzelne Fraktionen auseinandersetzen musste, weil dieses private Anliegen nach einem Anruf beim Steinmetz und mit dem Eigentümer schnell geklärt werden konnte. Alle Angelegenheiten der laufenden Verwaltung werden auch künftig vom Bürgermeister und der Verwaltung unverzüglich und zeitnah abgearbeitet, selbst wenn jemand versuchen sollte, banale oder private Angelegenheiten zu thematisieren, indem er diese ,an den Gemeinderat' richten sollte." So hat es jedenfalls das Protokoll der Sitzung vom 28. August 2013 festgehalten.

Zweifel aus Reihen des Gemeinderats, ob der nun betriebene Verwaltungsaufwand in Anbetracht des Auftragsvolumens von 600 Euro angemessen sei, wies der Bürgermeister energisch zurück. Er habe von Experten wissen wollen, was bei solchen Arbeiten zu berücksichtigen sei, verteidigte Stengel sein Vorgehen. Dass seine Skepsis berechtigt sei, zeige auch, dass von den drei Angeboten eines im dreistelligen, eines im vierstelligen und das des ursprünglichen Angebotgebers nun im fünfstelligen Bereich liege, führte er öffentlich an.

Zurück zum alten Angebot

Den Hinweis, dass die "grobe Schätzung" des Waizendorfer Restaurators darauf basiert, dass möglicherweise die fest eingekittete Glasscheibe zu Bruch gehen könnte und dadurch Mehrkosten von 30 bis 50 Euro entstünden, ließ der Bürgermeister nicht gelten. Entschieden wurde also in nichtöffentlicher Sitzung. Dem Vernehmen nach erfolgte die Vergabe schließlich an das ursprünglich vorgelegte 600-Euro-Angebot aus Waizendorf.