Eine Wanderung ist kein Spaziergang. "Beim Wandern werden bewusst Ausrüstung und Infrastruktur genutzt. Das ist nichts Spontanes, sondern etwas, das man vorbereitet", sagt Sven Hähle. Der Leiter der Akademie des Bayerischen Wanderverbands unterteilt die Planung in vier Aufgaben. Region bestimmen

Am Anfang steht die Grundidee, in welche Gegend die Wanderung führen soll. "Es ist aber nicht einfach, sich für eine bestimmte Tour zu entscheiden. Die Informationsflut ist groß. Nicht alles stimmt, was irgendwo im Internet steht." Wandertrainer Sven empfiehlt im Netz allgemeine Seiten über die Gegend, Tourenportale und Vereins-Webseiten. Klassische Informationsquellen für die Planung sind nach wie vor gedruckte Karten, Wanderführer und Reisehandbücher, außerdem Broschüren der Tourist-Infos und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen. Sven Hähles ultimativer Tipp: "Fangen Sie zu Hause an. Holen Sie sich eine Chronik Ihres Heimatortes. Bestimmt entdecken Sie etwas Interessantes. Laufen Sie 'mal hin!" Der Wandertrainer rät, sich in die Heimatgeschichte hineinzudenken. "Da finden Sie vielleicht den Amtsbotenweg: Aber wo kommt der her?" Es macht Spaß, solche Dinge herauszufinden und Wege auszuprobieren. "Wer solche Erfahrungen sammelt, lernt das Planen." Tour gestalten Es muss entschieden werden, welche Art von Wanderung es werden soll. Aussichtspunkt, Brauerei, Vogelschutzgebiet: Welche Natur-, Kultur- und Genusselemente gibt es an der Strecke und welche sind uns wichtig? Was wollen wir vermeiden? Wie ist die Strecke, wie der Untergrund? "Brauchen wir Stöcke? Müssen wir trainieren?" Wer einen zertifizierten Qualitätswanderweg aussucht, hat es bei der Planung leichter, da diese Auszeichnung des Deutschen Wanderverbands nur besonders schöne, gepflegte und attraktive Wege bekommen. Außerdem sind sie gut dokumentiert (www.wanderbares-deutschland.de). Zeit planen Eine Bärlauchwanderung ist 'was fürs Frühjahr, die spritzig-kühle Tour in einer Wildwasserschlucht für den Hochsommer und im Herbst ist ein Höhenweg schön: Zuerst wird die optimale Jahreszeit bestimmt. Dann die Tageszeit. Wer Tiere oder ihre Spuren sichten will, muss sich nach den Lebensgewohnheiten von Biber, Fledermaus oder Uhu richten, wer ein Museum besuchen möchte, nach den Öffnungszeiten. "Man muss auch ermitteln, wie lange man für die Teiletappen braucht und für die ganze Tour." Führer des Wanderverbands Bayern lernen die Gehzeit-Berechnung klassisch mit Karte, Lineal und Zirkel, für normale Wanderer tun's Online-Tourenplaner wie Komoot und Outdooractive. Die Wander-DIN taugt für eine grobe Schätzung. "Durchschnittswanderer schaffen vier km/h in ebenem Gelände." Im Sommer eine ausgiebige Mittagspause einplanen. Und Zeit für die Sehenswürdigkeiten. "Man überschätzt sich leicht. Etwas mehr Zeit einzukalkulieren schadet nie." Umgekehrt kann's ein Problem werden. Sven Hähle empfiehlt, sich für alle Fälle über Rufbusse und Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs zu informieren. Organisatorisches klären Der Wandertrainer stellt grundsätzliche organisatorische Fragen: Anreise mit Bus, Bahn, Auto? Wo kann geparkt werden? "Eine Tagestour auf dem Land sollte eine Rundwanderung sein." Ironisch ergänzt er: "Sonst kommt man nie wieder weg." Sind unterwegs andere Transportmittel wie Seilbahn oder Fähre nötig und wenn ja: Zu welchen Zeiten fahren sie? Außerdem checken, welche Einkehrmöglichkeiten geöffnet haben, wo es einen Supermarkt gibt und wie viel Verpflegung mitgenommen werden muss. Bei der Entscheidung, was in den Rucksack gehört, hilft auch die Wanderkarte: "Es lässt sich beispielsweise herauslesen, ob die Tour vor allem durch den Wald führt oder ob man sich viel in der Sonne bewegt." Dann Sonnenschutz einpacken. Wichtig ist auch, ob es bei einem Unwetter eine Unterstellmöglichkeit gibt. Bei Mehrtagestouren rät Sven Hähle, vorher die Übernachtungen zu reservieren. "Gute Unterkünfte sind an den bekannten Wanderstrecken oft ausgebucht."