"Tausendmal du, nur du, nur du, nur du." Die Münchner Freiheit in der Sandstraße? Ja, eindeutig. Und wer dem Ruf der Kuschelpopper folgt, landet im "Dirndl' Lirium", wo der Neue-Deutsche-Welle-Song im CD-Player rotiert. "Ich liebe diese Musik nun mal", sagt Sonja Eichfelder zu einer Besucherin, die sich in der Oberen Sandstraße 19 umsieht: Einer abgespaceten Welt, die irgendwo zwischen den Sixties, den Eighties und dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts dem Mainstream trotzig die Stirn bietet.

Eine schneeweiße Federboa schlängelt sich am Fensterrahmen entlang, neonfarbene Accessoires leuchten, Äste voller Schmuck ragen in den Raum. Und dann prangt an der Wand der stylischen Kulisse noch als letzter Schrei ein Hirschgeweih. "Ich mag's nun mal ausgefallen, romantisch", sagt Sonja Eichfelder. "Jede Frau ist doch romantisch, oder?" Sicher, mehr oder weniger. So setzt die Künstlerin auch bei ihrer Dirndl-Mode auf romantische Verspieltheit, um die Tradition jenseits der Konvention weiterzuentwickeln. Was gerade vor der Sandkerwa viele Partyfans interessieren dürfte.

"Als Schülerin habe ich damit begonnen, meine eigene Mode zu schneidern", sagt Sonja Eichfelder. Wobei sie in den wilden 80ern auch zum Textilkleber griff, um ihr Fetenoutfit in Form zu zwingen. Ja, Ideen hat die Künstlerin, die Trachtenkleidern mit Manga-Elementen, neonfarbenem Tüll oder anderen Applikationen die trendige Note gibt. "Ich liebe es sexy", betont die Fränkin und entwirft dementsprechend viele Mini-Dirndl. Selbst Stangenware weiß Onjasmoi (so der Künstlername der 50-Jährigen) mit Petticoats so aufzupeppen, dass keine Langeweile mehr aufkommt.

Wie funkeln Sonja Eichfelders Augen, wenn sie gerade wieder Pläne schmiedet. Ob die Bambergerin nun als Fotografin einen Kalender für die Lebenshilfe gestaltet, sich weitere wilde Dirndl-Varianten einfallen lässt oder zur Innenarchitektin avanciert. "Ich schöpfe aus dem Moment heraus und kombiniere am liebsten Dinge, die nicht zusammenpassen", meint die Autodidaktin. Was das Kaufhaus Schrill seit 17 Jahren und "Ableger" wie in der Langen Straße fast ein Jahr lang auch das "Onjasmoi" belegen. "Ich könnte noch so viele Welten gestalten", schwärmt die Künstlerin. Und zögerte demnach nicht, sich vorübergehend in Bambergs ältesten Stadtteil anzusiedeln. Ja, vorübergehend: Nur bis Oktober gibt's das "Dirndl' Lirium" in der Oberen Sandstraße. Dann läuft der Pachtvertrag aus, der das schrille Intermezzo ermöglicht.

Wen aber zieht die Designerin mit ihrer denkbar unkonventionellen Trachtenmode an? Ausschließlich Jüngere? Zumal sämtliche Unikate neben der Stangenware nur in einer Größe erhältlich sind. "Nein, auch viele Frauen über 30 interessieren sich dank Mund-zu-Mundpropaganda für meine Dirndl." Zum Teil kämen sie eigens dafür nach Bamberg wie gerade eine Kundin aus Memmingen. Natürlich lockt das "Dirndl' Lirium" darüber hinaus auch etliche Passantinnen an, die durch die Tür treten, staunen und dann doch lieber dem Mainstream frönen. Was Sonja Eichfelder aber nicht aus dem Konzept bringt. Zumal manche Fans dem dem Multitalent beim Styling gänzlich freie Hand lassen. "Unter dem Motto ,Mach mich schrill' wie schon manche Stammkundin zu mir sagte."