Verletzte oder tote Kinder. Das ist das Schlimmste für Markus Walonka. Besonders, seitdem er selbst Vater ist. "Das geht einem schon nahe." Gleich in seinem ersten Jahr als hauptamtlicher Rettungsdienstler hatte er drei Einsätze, bei denen Kinder ums Leben kamen. "Da kommst du nach dem Dienst nach Hause, gehst ins Zimmer deiner Tochter und willst nur noch hören, wie sie atmet."

Markus Walonka: Situationen, die man nicht mehr erleben möchte by Infranken.de

Markus Walonka ist 33 Jahre alt und seit fast 19 Jahren beim Roten Kreuz aktiv, davon zwölf Jahre als hauptamtlicher Rettungsdienstler. Mit 14 Jahren kommt er zur Bereitschaft, seiner Freunde wegen. Die engagieren sich da. Und die ehrenamtliche Arbeit macht ihm Spaß, da bleibt er hängen.

Nach der Realschule macht Walonka zunächst eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Doch der Dienst am Nächsten lässt ihn nicht los. "Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, mein Leben in der Fabrik zu verbringen. In der Arbeit im Rettungsdienst habe ich einfach mehr Sinn gesehen."

Also macht Walonka neben seiner Ausbildung einen Rettungssanitäter-Kurs, paukt 520 Stunden Lebenretten. Und hängt seinen Job in der Industrie an den Nagel, ein knappes Jahr nach dem Ende seiner Ausbildung. Er fängt als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz in Bamberg an, arbeitet fünf Tage die Woche, fährt jedes Wochenende nach Heilbronn. Weil er sich in Sachen Erste Hilfe schon sehr gut auskennt, schließt er binnen eines Dreivierteljahres die Ausbildung zum Rettungsassistenten ab. "Das klingt komisch, aber der Rettungsassistent ist besser ausgebildet als der Rettungssanitäter", erklärt der Scheßlitzer.

6000 Euro aus eigener Tasche
Die Ausbildung findet an einer Privatschule statt, zu 2500 Euro Schulgeld kommen Fahrtkosten, Material und Unterbringung. Insgesamt rund 6000 Euro. Geld, das Walonka aus eigener Tasche zahlt. Aus Überzeugung: "Für diesen Beruf muss man gemacht sein."



Seit 2009 ist der 33-Jährige stellvertretender Wachleiter in der Rettungswache in Scheßlitz. Sein Dienstplan kennt weder Wochenenden noch Feiertage. Die Schichten dauern zwölf Stunden, immer von acht bis acht. Wenn Walonka Nachtdienst hat, sieht er seine Tochter so gut wie nicht. Wobei besonders am Wochenende auch viele ehrenamtliche Helfer einspringen. "Unser Dienstplan beruht zu 20 Prozent auf ehrenamtlicher Arbeit", betont Walonka. Diese Quote ist von den Krankenkassen, die die Arbeit der Rettungsdienste bezahlen, vorgeschrieben. "Das lässt sich nicht in Geld aufwiegen, die Zivilcourage dieser Menschen."

Für Walonka sind seine ehrenamtlichen Unterstützer umso wichtiger, seitdem der Zivildienst durch den Bundesfreiwilligendienst ersetzt wurde. "Mit den Zivis konnten wir über Monate planen. Ein Bufdi kann von heute auf morgen sagen, ich habe keine Lust mehr", erklärt Walonka. Und die Bereitschaft zum Ehrenamt geht zurück: "So ein Engagement ist eben finanziell nicht gewinnbringend. Viele machen in ihrer Freizeit lieber einen Nebenjob - im Grunde kann ich das auch verstehen."

Aber medizinische Hilfe im Notfall ist eben unbezahlbar. Und das Gefühl, geholfen zu haben, auch. Wäre Walonka in der Industrie geblieben, würde der Familienvater heute mehr Geld verdienen. Müsste nicht erleben, dass man manchen Patienten nicht mehr helfen kann. Dass andere aggressiv gegen die Sanitäter vorgehen. Einem guten Freund hat ein Betrunkener einmal so gründlich das Knie kaputt getreten, dass er neun Monate lang krank war.


Aber es gibt auch die andere Seite. Neben Walonkas Schreibtisch hängt eine Postkarte. Ein Ehepaar bedankt sich für die Rettung seiner Kinder, die beide binnen weniger Monate Unfälle hatten. Das sind die schönen Momente. Die Kinder, die gerettet werden. Und darauf kommt es in diesem Job an.

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