Da staunen die Touristen in der Sandstraße nicht schlecht, als sich der Demozug mit zwei riesigen Regenbogenfahnen ankündigt. Die Liedzeile "I kissed a girl and I liked it!" von Katy Perrys Hit aus dem Jahr 2008 tönt aus der Box und begleitet gut 100 Menschen die bei der ersten Christopher-Street-Day-Demo durch Bambergs Straßen ziehen.

Weltweit erinnern die Demonstrationen an den Vorfall von schwulen- und lesbenfeindlichen Polizeidurchsuchungen in einer Kneipe namens "Stonewall" in New York City. Hunderte Menschen wehrten sich gegen das gesetzeswidrige Verhalten der Beamten. Das war im Juni 1969. Zehn Jahre später hat sich der Verein Uferlos e.V. in Bamberg gegründet, welcher Homosexuellen, Bisexuellen, Transgender und Interpersonen eine Stimme gibt. Kurz: alle Menschen, die sich nicht in das Schwarz-Weiß-Bild von Heterosexualität und zwei Geschlechtern quetschen lassen wollen.

Und diese Leute stehen an diesem Samstagmittag gemeinsam auf der Straße, um ihre Rechte im Leben und der Liebe zu feiern und zu verteidigen. Zusätzlich zum warmen Wetter heizte die Sambagruppe "Bateria-quem-é" den Teilnehmer mit rasenden Trommelwirbeln bei der Auftaktkundgebung am Maxplatz gut ein.

"Kommt lasst uns die Welt bemalen - in Regenbogenfarben!", ruft Dragqueen Uschi Unsinn von den Stufen vor dem Rathaus der bunten Menschenmenge zu. In ihrem pompösen Kleid ist sie extra aus Nürnberg angereist, um den Verein zu unterstützen. Auch wenn schon mancher Fortschritt in Sachen Anerkennung der Geschlechter erreicht wurde, kämpfe die Gemeinschaft weltweit noch immer damit, dass es Zwangssterlisierungen und Konversionstherapien gebe. Und das Transpersonen verprügelt und getötet werden.

Mehr internationale Solidarität gefragt

Fabian Pasewaldt von der Queer Community an der Uni Bamberg wünscht sich mehr internationale Solidarität, gerade wenn in 70 Ländern Homosexualität noch immer verboten ist - und in 13 sogar die Todesstrafe droht. Mit Blick auf die Stonewall- Aufstände vor 50 Jahren sei klar: "Was oft vergessen wird: Es war nicht nur ein Kampf weißer schwuler Männer. Lesben, Queers, Latinos, Obdachlose und andere Menschen, welche ebenso Diskriminierung erfuhren, haben gemeinsam gekämpft." Eine Bewegung mit weltweiten Auswirkungen.

Wolfgang Metzner, Dritter Bürgermeister der Stadt (SPD), freut sich, dass das erste Mal ein Christopher Street Day stattfindet. Vor 30 Jahren hätte er das nicht für möglich gehalten. "So flattert das erste Mal eine Regenbogenfahne vor unserem Rathaus!"

"Ich finde es schön, so viele queere Menschen in allen Lebenslagen zu sehen und gemeinsam mit ihnen auf die Straße zu gehen", findet Teilnehmerin Leonie Ackermann, als sich der Zug auf den Weg zum anschließenden Sommerfest auf dem Michelsberg macht. Vor 25 Jahren war das längst keine Selbstverständlichkeit. "Anfangs der 90er Jahre führte die Polizei noch ,rosa Listen' und es gab Kontrollen, wenn man aus bekannten Schwulenkneipen kam", erinnert sich Stephan Prietzel, der damals zu Uferlos dazukam. Wenn es Infostände des Landesverbandes der Schwulen- und Lesben in der Stadt gab, waren aber nur Menschen aus Würzburg, Schweinfurt oder Nürnberg zu sehen.

"Die Bamberger haben die Arbeit im Hintergrund gemacht, aber haben sich dann auf Infoständen in den anderen Städten öffentlich zu ihrer Sexualität bekannt", beschreibt er die damals gängige Praxis. Wenn die Gruppe rosa Luftballons verteilte, waren die Passanten am Grünen Markt sichtbar peinlich berührt - und zerstochen nicht selten an der nächsten Ecke den geschenkten Ballon. "Ein paar Ballons haben es sogar in den Dom geschafft", erzählt Prietzel und muss lachen. Erst 1994 wurde der Paragraph 175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen, der Sex zwischen Männern unter Strafe stellte.

Und heute? Bestand der Verein in der Anfangszeit vor allem aus Schwulen, ist die Gruppe heute vielfältiger aufgestellt. "Bamberg ist eine weltoffene und liberale Stadt", findet ein Mitglied des erweiterten Vorstandes. Allerdings merke man in der Bundesrepublik wie auch in anderen Ländern, dass eine Gegenkultur der neuen konservativen Welle entstehe. Die mache unter dem Deckmantel des Nationalismus Stimmung gegen sexuelle Minderheiten. "Dagegen muss man das Erreichte immer verteidigen."