Am Bahnhof beginnen am Montag die Stadtwerke mit einem neuen Abschnitt ihres Glasfasernetzes, bis zum Jahresende sollen zu den 35 000 bereits angeschlossenen Haushalten 1750 weitere hinzukommen. "Bamberg ist sehr gut versorgt, wir sind beim Netzausbau aber noch lange nicht am Ende", sagt auch Telekom-Pressesprecher Markus Jodl. Und Vodafone wirbt mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 400 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), die 45 000 ans Kabel-Glasfasernetz angeschlossene Haushalte mittlerweile nutzen können.

"In den vergangenen Jahren hat sich viel getan im Hinblick auf die Verfügbarkeit des schnellen Internets. Immerhin 85 Prozent aller Haushalte im Stadtgebiet Bamberg haben laut Breitbandatlas des Bundes Zugriff auf Übertragungsraten von wenigstens 50 Megabit pro Sekunde, schnelles Internet steht also im größten Teil des Stadtgebietes zur Verfügung", stellt IHK-Präsidentin Sonja Weigand fest. Noch gebe es aber auch im Stadtgebiet von Bamberg einige weiße Flecken, ein weiterer Ausbau sei daher unumgänglich. Auch für den Unternehmer und Vorsitzenden von Bamberg Startups Chris Dippold spielt schnelles Internet eine wichtige Rolle: "Die meisten unserer Tools sind nur mit einer Internetverbindung sinnvoll, unser Telefon ist in der Cloud und die Kommunikation mit dem Kunden findet überwiegend online statt." Auch privat ist für Dippold ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellbar, vom Weckruf durch die Sprachassistenz Alexa bis zum abendlichen Netflix-Film.

Chris Dippold nutzt seit einiger Zeit das Angebot der Stadtwerke. Er habe nun nicht mehr unter Ausfällen und Geschwindigkeitsschwankungen wie bei seinem vorherigen Anbieter zu leiden. "Der Anschluss für das Startup war allerdings problematisch, da die Telekom die Leitung mit einem Techniker freischalten musste, bevor die Stadtwerke das Internet zur Verfügung stellen konnte. Leider dauerte es mehrere Monate und einige Anläufe, bis dann wirklich mal ein Techniker da war", erinnert sich der 25-Jährige.

Wie Astrid Rosenberger von den Stadtwerken erläutert, handelt es sich bei der oben dargestellte n Karte der Ausbaugebiete um eine grobe Vereinfachung. "In Wirklichkeit ist das Ganze etwas komplex. Um einen möglichst schnellen Ausbau zu gewährleisten setzen wir beim Ausbau auf einen Technologiemix aus Fttb (Glasfaser bis ins Haus) und Fttc (Glasfaser bis zum Kabelverzweiger der Telekom)." Es sei sehr schwer, darzustellen, wo welche Technologie verlegt ist und es komme vor, dass in der selben Straße der eine Haushalt mit 500 Mbit/s surfen kann und der Nachbar mit 50 Mbit/s.

Rosenberger verweist auf eine hausnummerngenaue Verfügbarkeitsabfrage auf der Stadtwerke-Homepage (www.stadtwerke-bamberg.de/verfuegbarkeit). Diese bieten auch die Konkurrenten Telekom (www.telekom.de/schneller), Vodafone (zuhauseplus.vodafone.de/internet-telefon/) und O 2 (www.o2online.de/e-shop/dsl-festnetz)im Angebot.
Die Telekom hatte bereits 2015 im Vorwahlbereich 0951 rund 80 Kilometer Glasfaser zu verlegen, 100 Multifunktionsgehäuse neu aufzustellen oder mit Vectoring (eine Verstärker-Technik) ausgestattet. Pressesprecher Jodl erläutert, dass die Telekom derzeit unter anderm die Anschlüsse nahe einer Vermittlungsstelle im Blick habe, 7200 Nahbereiche sollen bis Ende 2020 mit Vectoring zu versorgt werden.

"Wir bauen 80 Prozent mit Glasfaser aus. Der restliche Schritt ist kleinteilig, kostenintensiv und die Nachfrage ist nicht so hoch, wie man meinen könnte", sagt Jodl. Was den weiteren Glasfaser-ins-Haus-Ausbau angeht, müsse man auch die weitere technische Entwicklung, etwa des 5G-Mobilnetzstandards, im Blick behalten. "Der Kunde ist preisbewusst, das muss man klar sagen. Viele verzichten lieber auf Geschwindigkeit, wenn Sie dabei fünf Euro im Monat sparen", sagt der Telekom-Sprecher. "Unser Motto lautet: Schnelles Internet für Millionen jetzt statt Topspeed für wenige irgendwann", hatte vor kurzem auch Telekom-Vorstandsvorsitzender Tim Höttges verkündet
Bei Vodafone kündigt man hingegen bereits an, bis Ende 2020 das gesamtes Kabelnetz auf Spitzen-Geschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde aufzurüsten. Pressesprecher Volker Petendorf verweist auf die bestehende Kabelnetz-Infrastruktur, die nahezu das gesamte Stadtgebiet abdeckt. "Viele wissen gar nicht, welche Breitband-Goldadern sie eigentlich schon in ihren Mauern haben", sagt Petendorf. Und bei einer Familie mit drei Kindern, die alle intensiv das Internet nutzen, lohne sich die hohe Geschwindigkeit durchaus.

Die Arbeiten der Stadtwerke beginnen am Montag in der Ludwigstraße und arbeiten sich über die Schwarzenbergstraße und die Nürnberger Straße vor, wo sie unter anderem die neuen Wohngebäude am Katharinenhof an das Breitbandinternet anschließen. Danach folgen die Kaimsgasse, die Joseph-, die Kunigundenruh- und die Pfisterstraße. Da das Glasfaserkabel in den Gehsteig gelegt werde, gebe es für die Anwohner kaum Einschränkungen durch die Arbeiten.

Glasfaser bis ins Haus oder bis zum Verteiler

FTTB Bei "fibre to the building" wird die Glasfaser bis ans Haus gelegt. Je nachdem wie die Verkabelung im Haus gestaltet ist (Kupfer oder Glasfaser) sind hier 500 Mbit/s verfügbar.

FTTC Bei "fibre to the curb" reicht die Glasfaser bis zum Kabelverzweiger der Telekom: Je nachdem, wie weit das Haus vom Verteilerkasten entfernt steht, sind bis zu 100 Mbit/s verfügbar.

Vectoring/Supervectoring
Als Vectoring wird eine Technologie bezeichnet, die das über Kupferkabel bezogene Internet beschleunigt. Störende Signale werden ausgeglichen, dadurch schnelleres Internet möglich gemacht. Mit der Weiterentwicklung, dem Supervectoring, sollen Geschwindigkeiten von bis zu 500 Mbit/s erreicht werden. Laut Telekom-Sprecher Jodl beginnt der flächendeckende Ausbau mit Supervectoring in der zweiten Jahreshälfte 2018.

Breitbandatlas Der Breitbandatlas ist das zentrale Informationsmedium zur aktuellen Breitbandversorgung und steht auf der Homepage des Bundesministeriums für Verkehr und Digitalisierung (www.bmvi.de) kostenlos zur Verfügung. Die Anzeige kann bis auf die Ebene eines Ortsteils navigiert werden.