Das, was Jeanette Christoph (42) zum Ehrenamt brachte, war ein furchtbares Ereignis: Ihre zweite Tochter starb 2001 am "Plötzlichen Kindstod". "Bis dahin dachte ich, das gib es gar nicht mehr", sagt sie.
Seitdem setzt sie sich dafür ein, dass Eltern ihr Kind nach der Geburt mit einer speziellen Methode untersuchen lassen, mit der eine mögliche Gefährdung diagnostiziert werden kann. "Das ist eine Art Ultraschall am Kopf des Säuglings", erklärt sie das "Screening-Projekt" der Sozialstiftung Bamberg.

Um das aus Spenden finanzierte Projekt der Kinderklinik zu unterstützen, veranstaltet Jeanette Christoph jedes Jahr ein Weinfest mit bis zu 400 Gästen in ihrer Heimat Hallstadt. Außerdem hat sie einen Flyer zur Aufklärung entworfen, der unter anderem in Arztpraxen ausliegt.

"Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich mit so viel Leidenschaft zum Wohle unserer Kinder einsetzen", sagte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), als er ihr die Bürgernadel ansteckte. Mit der Nadel soll ehrenamtliches Engagement öffentlich gewürdigt werden. Die Auszeichnung ist eine Kooperation der Stadt Bamberg und der Mediengruppe Oberfranken (MGO).

Philipp Magnus Froben, einer der Geschäftsführer des Medienhauses, betonte gleich zu Beginn: "Als ich vor fünf Jahren nach Bamberg kam, ist mir etwas aufgefallen, das ich aus Berlin nicht kannte: Es ist beeindruckend, wie die Menschen in Bamberg für einander da sind."

Drei Frauen, drei Männer
Sechs von ihnen waren von einer Jury ausgewählt worden und wurden gestern Abend im Hauptgebäude der MGO ausgezeichnet. Unter ihnen war Jürgen Knobel (59), der 14 Jahre lang ehrenamtlicher Schulweghelfer der Gangolfschule war. "Ihnen wird nachgesagt, dass Sie in die Luitpoldkreuzung gehören wie der Bamberger Reiter in den Dom", sagte Oberbürgermeister Starke. Im vergangenen Jahr musste Knobel aus gesundheitlichen Gründen aufhören. "Ich freue mich, dass Vertreter der Schule zu meiner Auszeichnung gekommen sind. Die Bürgernadel bedeutet mir viel und ich werde sie auf jeden Fall tragen", sagte der Bamberger.

In einer Vitrine wegschließen wird auch Johann Schramm (74) die Nadel nicht, im Gegenteil: "Da bräuchte man gleich ein paar mehr Nadeln, für jeden Frack eine, dass man nicht immer wechseln muss", scherzte er. Schramm ist ein echtes Bamberger Original, seit 1986 Mitglied bei den Bamberger Krippenfreunden und jedes Jahr bei der Weihnachtskrippen-Austellung in der Matern dabei. Sein Markenzeichen sind seine selbst gestalteten Papierkrippen.

Seit etwa 15 Jahren kümmert er sich zusammen mit Richard Wagner (81) um die Großkrippe am Maxplatz.
Auch der Mann mit dem großen Namen ist seit 1986 im Verein der Bamberger Krippenfreunde. Der gelernte Schreiner leitet die Werkstatt der Krippenbauschule. Andreas Starke hob hervor, dass Wagner mit Hilfe seines ruhigen und ausgleichenden Wesens auch anfänglich ungeschickteren Kursteilnehmern das Wissen für den Krippenbau vermitteln könne. "Ich bin lieber der Mann im Hintergrund", sagte Wagner. "Aber einer von sechs Bürgern zu sein, die aus 37 Vorschlägen ausgewählt wurden, macht mich schon stolz."

Auch Rosemarie Rößler (67) wurde ausgewählt. Die Bambergerin erhielt die Bürgernadel, weil sie sich seit über 25 Jahren als 1. Vorsitzende des Deutschen Familienverbandes, Ortsverband Bamberg, engagiert. Seit 30 Jahren leitet Sie zudem die "Ki.Ste", eine vom Ortsverband Bamberg getragene Einrichtung, in der Kinder- und Umstandskleidung aus zweiter Hand vermittelt wird. Schließlich war die 67-Jährige zeitweise beratendes Mitglied im Sozialhilfeausschuss der Stadt Bamberg und zu guter Letzt auch noch im Familienbeirat sehr aktiv. "Ohne die Unterstützung meiner Mitarbeiter wäre meine langjährige ehrenamtliche Arbeit gar nicht möglich gewesen", sagte sie.

Ganz besonders über die Bürgernadel freute sich die gebürtige Kolumbianerin Patricia Schneider (43), die heute in Reundorf lebt. "Das ist für mich eine große Ehre, in einem erst fremden Land, das nun meine Heimat geworden ist." Seit 2002 leitet sie das Mütterzentrum Känguruh in der Nürnberger Straße. Sie nutzte die Chance, generationsübergreifende Aktivitäten zu etablieren. 2008 wurde das Mütterzentrum Känguruh in das Aktionsprogramm "Mehrgenerationenhaus" des Bundesfamilienministeriums aufgenommen.

Aktuell brennt Patricia Schneider eine andere Sache unter den Nägeln: "Wir brauchen dringend mehr Platz, mindestens 300 Quadratmeter. Wer Räume zur Verfügung hat, wendet sich bitte an das Mütterzentrum."