Beim Streit um den Hauptsmoorwald zeichnet sich ein hartes Ringen ab. Das bayerische Innenministerium hat noch einmal bekräftigt, dass es am umstrittenen Grundstück an der Moosstraße für den Neubau der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) festhält. Weder der Panzerwaschplatz, noch eine Erweiterung der Bestandsgebäude an der Schildstraße sind aus Sicht des Freistaats akzeptable Lösungen.

Käme es zum Neubau einer Polizeidienststelle am vorgesehenen Standort müssten annähernd drei Hektar Wald gefällt werden - für viele in Bamberg ist das ein Horrorszenario. Die Kreuzung Moosstraße/Armeestraße ist der Hauptzugang zum Naherholungsgebiet Hauptsmoorwald, gleichermaßen beliebt bei Spaziergängern, Radfahrern und Joggern.

"Die Immobilien Freistaat Bayern führte bereits seit 2013 Gespräche mit der Stadt Bamberg, um ein Grundstück für eine Verkehrspolizeiinspektion auf der Konversionsfläche zu erwerben." Dabei wurden mehrere alternative Grundstücke geprüft, etwa der Panzerwaschplatz, betont Martin Scholtysik, Sprecher des Innenministeriums. Bei den Abstimmungen habe sich jedoch herausgestellt, dass das Grundstück im Hauptsmoorwald "aus polizeitaktischen und baufachlichen Gründen" geeignet ist und über eine gute Autobahnanbindung verfüge.

Warum sich die Überlegungen für die große Konversionfläche zerschlagen haben, wird nur andeutungsweise erklärt. Der Sprecher des Innenministerium teilt mit, dass zwischenzeitlich große Teile von der Bundespolizei beansprucht würden und die Stadt auf der Konversionsfläche ein Modellprojekt für bezahlbares Wohnen schaffen wolle.
Ein solches ist in Bamberg freilich nicht bekannt. Möglicherweise bezieht sich diese Aussage auf den frei finanzierten Wohnungsbau auf der Lagardekaserne.

Eine klare Absage erteilt das Innenministerium auch den Plänen für eine Nachverdichtung des bestehenden Polizeistandorts an der Schlildstraße. Diese hatte die Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" als Alternative ins Gespräch gebracht, auch weil eine solche Lösung gerade für die Polizei Vorteile habe. Doch laut Scholtysik habe auch diese Lösung verworfen werden müssen, "da sich die erforderlichen Verkehrsflächen und Gebäude mit 1000 Quadratmetern und 78 Beschäftigten auf diesem Standort keinesfalls haben realisieren lassen".

Die Bürgerinitative "Für den Hauptsmoorwald" widerspricht dieser Darstellung. Schon beim Blick aus der Luft könne man erkennen, dass sich um das Polizeigebäude herum ausreichend Freiflächen befinden, die eine Erweiterung nach dem Vorbild der benachbarten Arbeitsagentur erlaubten - etwa durch die Überbauung des Mitarbeiter-Parkplatzes oder eine Tiefgarage mit mehrstöckigem Bürogebäude darüber. Nach Angaben der Bürgerinitiative beisitze das derzeitige Polizei-Grundstück an der Schildstraße nur ein etwa ein Drittel des überplanten Geländes im Hauptsmoorwaldes und sei dennoch groß genug für drei Dienststellen, unter anderem die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt und Bamberg-Land. Der geringe Streckenvorteil von der Moosstraße zur Autobahnauffahrt Bamberg-Ost könne mit einer Alarmausfahrt mit entsprechender Ampelschaltung ausgeglichen werden.
Unverständlich ist aus Sicht der Initiative außerdem, warum sich bei der Größe der Konversionsfläche von über 120 Hektar in Bamberg keine Einigung zwischen der Bundespolizei und der Landespolizei habe erzielen lassen. "Eine solche Abstimmung sollte schon deshalb möglich sein, weil die zuständigen Minister ja Parteifreunde sind."

Zuletzt regt die Bürgerinitiative zusätzlich an, Grundstücke auf dem Gebiet des Landkreises miteinzubeziehen. Immerhin habe das Landrat Johann Kalb (CSU) selbst angeboten.
Freilich: Diese Variante stößt bei der Stadt Bamberg auf heftige Ablehnung. Aus Sicht von Bürgermeister Christian Lange (CSU) wäre die Verlagerung der Verkehrspolizei in den Landkreis "ein herber Verlust an Zentralität für die Stadt".

Lange wirbt für die auch vom Freistaat favorisierte Lösung. Wie er sagt, soll im Falle eines Neubaus ein neuer Zugang für Freizeitaktivitäten zum Hauptsmoorwald geschaffen werden. Für die gerodeten Flächen im Wald müsse der Freistaat Ausgleich an anderer Stelle schaffen.