Für die Freunde des Hauptsmoorwaldes ist es eine gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, dass für den Neubau eines Polizeigebäudes Bäume in einem Bamberger Naherholungsgebiet gefällt werden müssen, ist in dieser Woche deutlich kleiner geworden.

Grund ist ein Umdenken an der Spitze der Stadt. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), bislang ein Verfechter des ursprünglich ins Auge gefassten Standorts Ecke Armeestraße Moosstraße, setzt sich mittlerweile "für einen Interessensausgleich" ein. Es müsse zwischen den Forderungen eines Bürgerbegehrens und dem Wunsch aus der Politik, die zwei Polizeiinspektionen in Bamberg zu halten, vermittelt werden, sagte Starke auf Anfrage unserer Zeitung. Die Hoffnung des Stadtoberhaupts, dass die Wogen über die öffentliche Diskussion rund um den Hauptsmoorwaldes doch noch geglättet und ein Kompromiss gefunden werden kann, beruht auf einer neuerlichen Prüfung von möglichen alternativen Standorten. Sie ist nach Angaben von Starke am Donnerstag im Beisein von Vertretern der Stadt, des Präsidiums der Polizei in Oberfranken und der Bayerischen Immobilienverwaltung erfolgt ist.


Am Tännig besteht Baurecht

Insgesamt wurden sechs verschiedene Standorte unter die Lupe genommen und auf ihre Eignung für einen neuen Polizeistandort geprüft: zwei Grundstücke an der Geisfelder Straße, einer im Umfeld des Eichamts an der Gutenbergstraße, einer unweit des früheren US-Panzerwaschplatzes, einer im früheren Ferngas-Nord-Gebäude an der Benzstraße. Schließlich einer am Tännig am Berliner Ring gegenüber von "Wohnzimmer Koch".

Als Favorit habe sich das städtische Grundstück am Tännig herauskristallisiert, weil es die Kriterien des Freistaats am besten erfülle: Es liegt am Berliner Ring unweit der Autobahn und verfügt damit über eine hervorragende Verkehrsanbindung; es besitzt mit einer Größe von 1,8 Hektar die erwünschten Dimensionen und es besteht Baurecht, so dass das Projekt in einem überschaubarem Zeitraum zu verwirklichen sein wird. Auch Nachbarrechte scheinen auf den ersten Blick scheinen kaum tangiert.
Trotz dieser vielen Pluspunkte, die eine Konsenslösung in greifbare Nähe rücken, spricht Starke noch nicht von einer endgültigen Entscheidung. Die Ampel sei zwar auf grün gestellt, doch erst müssten die Fachleutevom Staatlichen Bauamt die nötigen Untersuchungen zur Beschaffenheit des Baugrunds und zu den Erschließungsmöglichkeiten erstellen. Doch man wolle die nötigen Vorarbeiten zügig angehen und sich im September erneut zusammensetzen.

Eine klare Absage erteilte das Stadtoberhaupt einer Idee, die vor einer Woche Daniela Reinfelder aufgeworfen worden war. Die Stadträtin von Bambergs unabhängigen Bürgern hatte in einem Antrag an die Stadt darum gebeten, den Neubau der Verkehrspolizeiinspektion auf dem Gelände des Hafenbeckens zu prüfen. Bekanntlich trägt sich die Hafenverwaltung mit Überlegungen, das nördliche der beiden Hafenbecken zu verfüllen, weil es nicht mehr gebraucht werde. Doch aus Sicht von Andreas Starke ist diese Idee "völlig unrealistisch", da sie ein Planfeststellungsverfahren mit vielen Beteiligten erforderlich mache. Von Seiten der Bamberger Polizei war am Freitag zu keinem der genannten Standorte eine Einschätzung zu erhalten. Albert Häfner, Chef der Polizeiinspektion Bamberg-Land, machte aber deutlich, dass der Polizei mit den Einheiten Polizeiinspektion Bamberg-Land, der Verkehrspolizeiinspektion und einem Trainingszenrum drei Punkte wichtig sind: Eine gute Verkehrsanbindung, eine schnelle Realisierbarkeit und ein Standort innerhalb der Stadtgrenzen. "Es wäre wirklich sehr gut, wenn unsere annähernd 200 Beschäftigten auch künftig in Bamberg ihren Dienstsitz hätten", sagte Häfner.


Initiative sieht "Erfolg"

Wie reagieren die Vertreter der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" auf die überraschende Wendung? "Dass das zunächst geplante Grundstück am Trimm-Dich-Pfad nun nicht mehr in Frage kommt, ist ein großer Erfolg für uns", erklärte Volker Braun auf Anfrage. Zustimmung findet bei ihm auch, dass Stadt und Polizei von den Überlegungen, den Standort auf die Fläche der Muna zu verlagern, abgerückt seien. An der Planung, das Bürgerbegehren bis Samstag nächster Woche abzuschließen, hält die Initiative aber unverändert fest: "Den Gewerbepark Geisfelder Straße lehnen wir nach wie vor ab."