Wie viele Menschen in diesem Sommer auf der Bamberger Erba-Halbinsel arbeiten, kann Claudia Knoll nicht sagen. Die Geschäftsführerin der Landesgartenschau Bamberg GmbH nennt den Grund: Die allermeisten Tätigkeiten, die zwischen 25. April und 7. Oktober anfallen, sind an Fremdfirmen vergeben. Ob Pflege der Grünanlagen oder Elektronik, Kartenverkauf und Eingangskontrolle oder Gastronomie - Aufgaben wie diese haben Firmen übernommen. Obwohl EU-weit ausgeschrieben werden musste, kommen die Betriebe laut Knoll zu 90 Prozent aus einem Radius von 50 bis 60 Kilometer. Sie waren die günstigsten Bieter, was vermutlich auch mit den kürzeren Anfahrtswegen nach Bamberg zu tun hat.

Insofern trifft wohl zu, was die Agentur für Arbeit in ihrem gestern veröffentlichten Juli-Bericht zum Arbeitsmarkt hervorhob: Die Landesgartenschau hat dazu beigetragen, dass die Zahl der Arbeitslosen in der Region zurück gegangen ist. Laut Pressesprecher Hermann Zeis bieten Großveranstaltungen wie diese gerade Leuten eine Chance auf Arbeit, die nicht sonderlich gut qualifiziert sind.

Laut Zeis hat die Arbeitsverwaltung am Mannlehenweg "etliche" arbeitslose Personen in Jobs auf der Gartenschau vermittelt. Dabei wird nach seinen Angaben nicht im Detail geprüft, ob sich ein Arbeitgeber an Recht und Tarif hält und vorher womöglich falsche Versprechungen gemacht hat. Das sei dann Sache der Vertragspartner, also von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Letztere müssten sich melden, wenn sie mit den Verträgen nicht einverstanden sind.

Zweifel bei der Gewerkschaft

Dass es mit allen Gartenschau-Jobs seine Richtigkeit hat, bezweifelt man bei Verdi Bamberg. Geschäftsführerin Doris Stadelmeyer bezieht ihre Kritik auf einen einzigen ihr vorliegenden Anstellungsvertrag einer Kassenkraft, die für ein oberpfälzisches Unternehmen arbeitet. Weil diese Firma aber 80 Leute, vornehmlich Wach- und Sicherheitspersonal, auf der Erba-Insel beschäftigt, geht die Verdi-Frau nicht von einem Einzelfall aus. Stadelmeyer kennt nach eigenen Angaben die "schwierige Branche" sehr gut. Deshalb ging die Gewerkschaft an die Presse. Verdi-Sekretär Horst Margner mutmaßt gar, auf der Gartenschau könnten Leute ausgebeutet werden.

Zu welchen Konditionen die Firmen ihr Personal im Einzelnen beschäftigen, entzieht sich der Kenntnis der Gartenschau-Macher. "Wir gehen davon aus, dass die Arbeitgeber korrekt mit ihren Leuten umgehen", sagt LGS-Geschäftsführerin Claudia Knoll. Beschwerden seien ihr bisher noch keine zu Ohren gekommen. Die Verträge mit Drittfirmen würden einen Passus enthalten, wonach sich diese an geltendes Recht und Tarife zu halten haben.

Die Gewerkschaft führt eine ganze Reihe von Punkten in dem ihr vorliegenden Vertrag an, aus dem sie schließt, dass der Arbeitgeber nicht korrekt handeln würde. Sie wirft ihm zum Beispiel vor, dass keine Arbeitszeit benannt wird, dafür die Pflicht zu Mehrarbeit. "Wo beginnt die dann wohl?" fragt Stadelmeyer.

Arbeitgeber hält dagegen

Der von ihr gescholtene Arbeitgeber, Goran Marincic, hält dagegen.Weil es sich hier um eine Teilzeitvertrag handle, liege die Arbeitszeit doch auf der Hand: Wenn jemand zum Beispiel 800 Euro verdiene und einen Stundenlohn von 8,28 Euro bekomme, sei sie problemlos auszurechnen. Die Verträge könnten auch gar keine Wochen- oder Monatsarbeitszeiten enthalten, weil die Einsätze kurzfristig nach den Wünschen der Leute eingeteilt würden. Am Ende würden die tatsächlich geleisteten und dokumentierten Stunden abgerechnet.

Nach seinen Angaben haben bei ihm viele einen Job gefunden, die aus gesundheitlichen, familiären oder anderen Gründen woanders kaum Aussicht auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hätten: Alleinerziehende, Hausfrauen, Schwerbehinderte, Studenten, Ältere. Umso empörter reagierte er auf die Vorwürfe von Verdi, mit denen er vom FT konfrontiert wurde: Die Gewerkschaft stelle da ein Unternehmen an den Pranger, "statt auch zu sehen, wen wir hier einstellen".

Es möge im Vertrag einzelne irreführend formulierte Passagen geben, räumt der Arbeitgeber ein. Aber: Man halte sich an geltendes Recht. Die Kassenkräfte würden sogar vom Lohntarifvertrag für die gewerblichen Arbeitnehmer im Wach- und Sicherheitsgewerbe Bayerns profitieren, indem sie wie diese 8,28 Euro pro Stunde (brutto) bekommen.

Keine Nacht- und Feiertagszuschläge

Was die Kassenkräfte nicht erhalten, sind die Schicht-, Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge, die das Wachpersonal bezieht. Daraus resultiert nach Überzeugung von Marincic das eigentliche Motiv, wenn sich Kassenpersonal bei Verdi beschwert. Was schon öfters geschah: "Das Problem kennen wir, seit wir Gartenschauen machen." Die Zuschläge seien den langen Einsatzzeiten, aber auch der besseren Qualifikation der Bewacher geschuldet.