Mit Freiheitsstrafen von jeweils vier Jahren und neun Monaten ist vor dem Landgericht der Prozess gegen zwei Männer zu Ende gegangen, die in Deutschland Fahrzeuge angemietet und anschließend nach Osteuropa geschafft haben. Bei der Bamberger Justiz geht man davon aus, dass es sich um organisierte Kriminalität gehandelt hat.

Der von der Staatsanwaltschaft ermittelte Gesamtbetrugsschaden liegt bei 389 000 Euro netto. Die Firma, bei der die Pkw und Lkw mit falschen Angaben und Papieren angemietet wurden, beklagt einen Schaden von 213 000 Euro.

Die Zweite Strafkammer sprach beide Angeklagten des gewerbsmäßigen Bandenbe-trugs schuldig: Beim 38-jährigen Raif Z. aus Bosnien-Herzegowina gingen die Richter von 14 vollendeten Fällen aus, sowie einer Versuchstat und einem Fall der Beihilfe zum Bandenbetrug. Auf das Konto des 43 Jahre alten Tschechen Jan R. (Namen von der Redaktion geändert) gehen dem Urteil zufolge 15 Fälle des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs und eines Versuchs.

Der Staatsanwalt hatte siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug für jeden der beiden Angeklagten beantragt, die Verteidiger jeweils drei Jahre.

Die Richter honorierten bei der Strafzumessung die Geständnisse der beiden Männer, die Ende Juni 2016 in Bamberg auf frischer Tat festgenommen worden sind. Ohne ihre Angaben wäre die Beweisaufnahme umfangreicher und komplizierter gewesen. Darauf wies Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in der mündlichen Urteilsbegründung hin. Das teilte Nino Goldbeck, Pressesprecher des Landgerichts, mit.

Die Angeklagten hatten im Verfahren auch Angaben zur Bandenstruktur und zu den Hintermännern gemacht. Beide standen an allen Prozesstagen zum eigenen Schutz unter besonderer Überwachung im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms.

Wie das Strafverfahren zeigte, befindet sich der eigentliche Kopf der Bande noch auf freiem Fuß. Es handelt sich um einen Mann aus Bosnien-Herzegowina, gegen den ein Haftbefehl besteht. Im Auftrag des Mannes hatten die Angeklagten zwischen April und Juni 2016 mehrere Pkw und Lkw von Verleihstationen eines bekannten Mietwagenunternehmens geholt oder holen lassen.

Die - gefälschten - Papiere waren ihnen vom Drahtzieher zugeleitet worden. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Fahrer zu finden, die die Leihwagen abholen und über die Grenze nach Tschechien brachten. Die Fahrzeuge wurden in Bosnien-Herzegowina wohl weiterverkauft.