Anläufe, Ideen und Entwürfe gab es immer wieder, aber nichts davon fand eine breite Zustimmung. Deshalb steht die Sterzersmühle seit knapp 70 Jahren als Kriegs-Ruine da.

Und obwohl Johannes Kraus die emotionsgeladenen Bamberger Diskussionen um die "richtige" städtebauliche Lösung in den Unteren Mühlen zwischen Bischofsmühlbrücke und Geyerswörthsteg kennt und weiß, worauf er sich einlässt, wirkt er optimistisch: Im Lauf des kommenden Jahres, spätestens 2016, will er - gemeinsam mit einem Denkmal erfahrenen Bamberger Architekten - einen Vorschlag vorlegen, der Politik und Denkmalpflege überzeugt.

Und zwar gestalterisch wie von der Nutzung her. Kraus will die Wasserkraft zur Stromerzeugung nützen und die Mühlen-Ruine sanieren. Er könnte sich beispielsweise ein kleines Café mit einer rückwärtigen Freischankfläche vorstellen, die in den Fluss ragt.

Zwei Jahre - das ist die Zeitspanne, die der Münchner Unternehmer hat, um den "gordischen Knoten" an den Unteren Mühlen zu lösen. Das haben der Stadtrat und die Stadtwerke GmbH als Grundstückseigentümerin mit ihm vereinbart. Ein entsprechender Pacht-Vertrag liegt unterschriftsbereit vor, wie Werke-Sprecherin Astrid Rosenberger bestätigt.

Eigentümer des 528 Quadratmeter umfassenden Mühlengrundstücks und der Wasserrechte wird der Investor erst, wenn er über die erforderlichen Genehmigungen verfügt. Das ist neben dem Wasserrechtsbescheid die Baugenehmigung für die Sterzersmühle.

Der Vorteil dieser nicht alltäglichen Vereinbarung liegt für die Kommune auf der Hand: Sie behält sich die Entscheidung darüber vor, was mit der Sterzersmühle passiert.

Wenn Kraus Vorschläge unterbreiten sollte, die dem Stadtrat an dieser Stelle im Herzen des Welterbes nicht gefallen, oder die aus denkmalpflegerischer Sicht inakzeptabel wären, gibt es keine Baugenehmigung. Ohne Baugenehmigung kommt Kraus nicht zum Zug.

Obwohl er somit allein das unternehmerische Risiko für die Planungskosten trägt, heißt der Unternehmer den Vertrag gut. Das sei schon die richtige Reihenfolge; schließlich sei die Stadt nach allen erfolglosen Anläufen an den Unteren Mühlen ein "gebranntes Kind". Kraus zeigt Verständnis dafür, dass man ihm die Wasserrechte für eine Stromgewinnung und das Grundstück nicht verkaufen mag, ehe klar ist, was genau er dort vorhat.

Im Rathaus kann der Investor, der in Bayern mehrere Wasserkraftwerke besitzt, darunter auch das Gaustadter Erba-Kraftwerk, auf breite Unterstützung zählen. Baureferent Thomas Beese begrüßt es auf Anfrage der Redaktion ausdrücklich, "dass ein Interessent gefunden werden konnte, der Energieerzeugung und Hochbau aus einer Hand realisieren will". Ein grundsätzlicher "Fahrplan" für das gemeinsame Vorgehen im Planungs- und Entwurfsprozess sei bereits abgesteckt.

Weniger distanziert äußert man sich im Wasserwirtschaftsamt Kronach. Hans Joachim Rost, der für Bamberg und die Regnitz zuständige Abteilungsleiter, sieht schon den "Durchbruch" an den Unteren Mühlen: "Weil wir in Kraus einen haben, der es schaffen will und der weiß, was er kann."

Rost schätzt den Unternehmer aus der Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten als "absolut zuverlässigen Mann". Es sei "ein Glücksfall", dass er sich der Unteren Mühlen annehme. Ohne sein Entgegenkommen würde es auch den Fischpass auf der Erba-Insel so nicht geben, so Rost.

Für die Stadtwerke und frühere Interessenten war die Nutzung der Wasserkraft an der Sterzersmühle stets unattraktiv, weil unwirtschaftlich: Die Investition rechnet sich nur langfristig. Kraus ist nach eigenen Worten nicht auf schnelle Rendite aus. Sein Geld sei gut angelegt, wenn die nächste und übernächste Generation davon profitiert.