Die Liste der Bamberger CSU hat einigen SPD-Stadträten einen gehörigen Schrecken eingejagt. Nicht wegen der Konkurrenten aus dem "feindlichen Lager", die am 16. März 2014 in den Stadtrat gewählt werden wollen. In dem 44 Namen zählenden Papier hat die CSU vorexerziert, was Stadträte, egal welcher Couleur, fürchten wie der Teufel das Weihwasser - die Versetzung in hintere und damit weniger aussichtsreiche Reihen. Zum Beispiel Elfriede Eichfelder, Peter Röckelein, Klaus Gallenz und Michael Kalb. Die teils langjährigen CSU-Stadträte müssen sich 2014 mit den nicht besonders attraktiven Listenplätzen 19 bis 22 zufrieden geben - überholt von zahlreichen Quereinsteigern und weniger bekannten Politik-Neulingen.

Der Vorgang bei der politischen Konkurrenz weckt bei der SPD schmerzhafte Erinnerungen. Bereits bei der letzten Stadtratswahl hat die Spitze der Bamberger Sozialdemokraten ihren Mitgliedern einen harten Erneuerungskurs zugemutet. Treue Parteisoldaten mussten zwei Jahre nach dem Sieg Starkes bei der OB-Wahl miterleben,wie der Promifaktor Stadtratskarrieren beflügelte. Armin Andres, Christoph Starke und weitere Quereinsteiger fanden sich auf den attraktiven Listenplätzen eins bis zehn wieder. Das Murren in der Partei war unüberhörbar.

Sechs Jahre danach könnte die SPD ein ähnliches Trauma durchleiden - unter neuen Vorzeichen. Denn dieses Mal fürchten alt gediente Stadträte, auf die Abschussliste gesetzt zu werden, weil sich Funktionsträger aus den eigenen Reihen nicht länger mit den hinteren Plätzen abspeisen lassen wollen. Zum Beispiel Monika Bieber. Die frühere langjährige Kreisvorsitzende der SPD gilt in gut informierten Kreisen als eine von mehreren SPD-Stadträten, deren Einfluss in der Partei nicht eben gewachsen ist und der deshalb der Absturz droht. Wie Annerose Ackermann, Armin Andres, Peter Süß und angeblich sogar Heinz Kuntke, dem langjährigen früheren Fraktionschef.

Da die aussichtsreichen Listenplätze bei der SPD nicht unendlich sind und Männer und Frauen im Reißverschlusssystem nacheinander folgen, ist Ärger vorprogrammiert: Monika Bieber nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie würde lieber aufhören als sich abstufen zu lassen: "Das wäre eine Respektlosigkeit vor all denen, die sich seit Jahren abmühen."

Geht es hier um wenige Unzufriedene, die ein Exempel statuieren wollen, soll gar OB Andreas Starke (SPD) "unter Kontrolle" gebracht werden, weil er zu wenig erkennbar sozialdemokratisches Profil habe, wie in Parteikreisen zu hören ist, oder geht es nur um die schiere Lust einiger, sich selbst einen Stadtratsposten zu sichern? Annerose Ackermann, seit 2006 im Stadtrat, wir auch nur noch für einen Platz unter ferner liefen gehandelt. Einen Grund, an der guten Arbeit der SPD-Fraktion in den letzten sechs Jahren zu zweifeln, sieht sie nicht. Sie will gerne weitermachen, aber nicht, wenn sie mit den Restplätzen vorlieb nehmen muss: "So etwas kann man nicht machen. Das war es dann für mich."

"Kleinkrieg in der SPD"
Für Max Reichelt, früherer SPD-Bürgermeister und heute Ehrenvorsitzender der SPD, ist der Konflikt zwischen Mandatsträgern und den maßgeblichen Personen in der Partei beileibe kein neues Phänomen und auch keines, das auf die SPD begrenzt ist. Er sieht einen allgemeinen Trend in Bamberg, amtierende Stadträte eher nach hinten zu bugsieren - mit dem Ziel, die Fraktionen durch neue Leute aufzufrischen. Dahinter steckt auch der Grundgedanke, dass es Stadträten mit ihrer Reputation und dem höheren Bekanntheitsgrad leicht fallen sollte, sich bei einer Persönlichkeitswahl nach vorne wählen zu lassen.

Dennoch sieht Reichelt den "versteckten Kleinkrieg" in der Bamberger SPD mit Sorge. Beide Gruppen beäugen sich argwöhnisch und liefern dem politischen Gegner Munition. Die Stadt gerät ins Hintertreffen, die Außenwirkung der SPD leidet: "Jeder will etwas werden."

Der Kreisvorsitzende der Bamberger SPD, Felix Holland, hat in dieser Situation keinen leichten Job. Er sitzt gewissermaßen zwischen den Stühlen der Etablierten und denen, die der Politik ihre Handschrift erst aufdrücken wollen. Er muss die verschiedenen Interessen ausgleichen und einen Listenvorschlag machen, der die Wähler überzeugt und nicht in erster Linie die Parteimitglieder. Schon deshalb argumentiert er sehr zurückhaltend. Grund zu Befürchtungen gebe es nicht, sagt Holland. Zwei Kernsätze sind dennoch von ihm zu hören: "Die Stärke der Fraktion ist von Bedeutung" und: "Die Partei muss weiterhin als sozialdemokratische Partei zu erkennen sein."

Wie es der Bamberger SPD gelingt, diese Ziele in ein Papier mit 44 Namen umzumünzen, wird sich voraussichtlich erst im Herbst erweisen. Dann entscheidet die Delegiertenversammlung über den Vorschlag, den der Kreisvorstand mit den drei Ortsvereinen ausgearbeitet hat. Dabei hat sicher auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke ein gewichtiges Wort mitzureden. Der OB, der sich 2014 acht Jahre im Amt befindet, wird in der nächsten Legislaturperiode sehr wahrscheinlich mehr denn je auf eine SPD-Fraktion angewiesen sein, die ihm eine verlässliche Basis bietet. Denn nie war eine Stadtratswahl so spannend und das Ergebnis so offen wie 2014.