In einem Bamberger Küchenstudio wirbeln 15 Jungköche zwischen Töpfen und Pfannen umher. Sie studieren "Interdisziplinäre Mittelalterstudien" und haben sich in diesem Semester für einen ganz spezielle Lehrveranstaltung angemeldet: "Essen und Trinken im Mittelalter".

Die Gerichte, die sie heute zubereiten, heißen "Rebhuhn in der Fastenzeit", "Heidnische Kuchen" oder "Weichsel-Pfeffer-Salse". Alles mittelalterliche Speisen, die dann auf den Tisch kamen, wenn es etwas zu feiern gab. "Im Alltag wurde meist mit Getreide gekocht und mit verschiedenen Gewürzen experimentiert", erklärt Expertin Andrea Hofmeister.

Die Grazer Germanistin ist mit den kulinarischen Gepflogenheiten des Mittelalters bestens vertraut. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit der Interpretation und praktischen Umsetzung historischer Originalrezepte. Knapp 4500 Gerichte sind aus dem Mittelalter überliefert. Die Schreibweise, erklärt Hofmeister, sei teilweise etwas kurios - das Essen weniger. "Den Menschen war damals die Gesundheit sehr wichtig. Viele der Zutaten benutzen wir auch heute."


Ausprobieren und experimentieren

Bevor die 15 Studierenden loslegen konnten, wurden die Rezepte analysiert. Beschreibungen wie "So nim gutt Weigenn und überseydt die clein" mussten übersetzt werden. Besonders herausfordernd waren die fehlenden Mengen- und Zeitangaben. "Da musste man ausprobieren und öfter mal abschmecken. Aber das Experimentieren hat Spaß gemacht", sagte ein Student, der "Bratwürste für die Fastenzeit" zubereitet hatte.

"Das war ein Imitationsgericht, um zumindest die Illusion zu schaffen", erklärt Andrea Hofmeister. Die mittelalterlichen Bratwürste waren demnach mit Quitten gefüllte Teigtaschen in Bratwurstoptik - nicht das einzige Gericht, das bei den Studierenden gut ankam. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so lecker schmeckt. Viele der Gewürze und Zutaten benutze ich auch im Alltag. Die Gerichte würden heutzutage gut ankommen", resümierte eine Studentin.


Strenge Regeln zu Tisch

Zugegeben: Bei der Zubereitung wurde dann doch etwas geschummelt. Kochen mit Pürierstab und Induktionsherd machte alles etwas leichter. Beim Verköstigen orientierte man sich aber wieder ganz am mittelalterlichen Original. Sprich: Es durfte auch mit Fingern gespeist werden.

Essensreste wurden allerdings nicht über der Schulter entsorgt. Dies sei, entgegen der verbreiteten Meinung, zur damaligen Zeit keinesfalls üblich. "Es gab eine Form der Etikette, die sehr streng war", erklärte Detlef Goller von der Uni Bamberg. Am Hof seien die Mahlzeiten zelebriert worden, mit verschiedenen Häppchen und Soßen, begleitet von Minnesang und Tanz. Wer sich hier daneben benahm, dem drohte sogar der Folterstuhl.