Hmm, der neue Mitschüler scheint ja doch ganz nett zu sein ... Schnell haben wir uns eine Meinung über jemanden gebildet. Aber manchmal merken wir dann, dass wir mit dieser Meinung ganz schön falsch liegen. Wie das passieren kann, das war das Thema der ersten Sommervorlesung an der Kinder-Uni in Bamberg.


Immer diese Entscheidungen!

"Wir haben zu Dingen und zu Menschen eine Einstellung", sagte Cordula Artelt zu Beginn ihres Vortrags. Sie ist Psychologin und Bildungsforscherin an der Bamberger Universität und untersucht, wie Menschen zu bestimmten Überzeugungen gelangen: "Unsere Einstellungen sind ein Rahmen. Sie helfen uns, Situationen einzuordnen und zu bewerten."
Wie wir zu einer Einstellung kommen, kann davon abhängen, was wir über eine Sache, zum Beispiel Skateboardfahren, oder über einen Menschen, etwa unseren Mathelehrer, denken. "Diese Einstellungen haben aber auch immer eine Gefühlskomponente", erläuterte die Wissenschaftlerin und verblüffte ihre jungen Zuhörer: "Stellt euch vor, ihr habt eine Großmutter, die ihr sehr mögt. Diese Großmutter benutzt eine Handcreme, nach der das ganz Haus riecht. Diesen Geruch verbindet ihr mit eurer lieben Oma. Wenn ihr dieses Parfum dann woanders riecht, habt ihr automatisch ein angenehmes Gefühl. Das nennt man ,klassisches Konditionieren‘".


Den kann ich gut riechen!

Und das ist etwas, das man nicht bewusst, also mit Absicht erlernen kann. "Das ist wie mit einem Mathelehrer, den man nicht mag", meldete sich ein junger Student. "Dann mag man irgendwann auch Mathe nicht mehr." Cordula Artelt nahm diesen Gedanken gleich auf: "Genau. Und wenn ein neuer Mathelehrer kommt, hat der erst einmal schlechte Karten, weil du Mathe nicht mehr magst. Aber das kann sich wieder ändern." Was sich in den letzten Jahren stark verändert hat, das ist die Art, wie Menschen in Gruppen über bestimmte Dinge und Menschen denken: "Die Gruppenbildung hat zugenommen", sagte die Wissenschaftlerin.


Gleich zu gleich gesellt sich gern

Vor allem in sozialen Netzwerken kämen ähnliche Menschen zusammen, die sich nur in ihrer eigenen Gruppe unterhalten würden. "Das ist gefährlich, weil die Einstellung der Mitglieder wenig angezweifelt wird und sich so Vorurteile verstärken können."
Dagegen gibt's ein tolles Mittel: "Man muss miteinander reden", meinte die zehnjährige Melanie. Zusammen mit ihren Mitstudenten Annika und Gustav nahm sie an einem Experiment teil: Zu dritt mussten sie überlegen, wen sie in ihren Fußballverein aufnehmen würden: Emil oder Moritz? Von beiden Jungs erhielten sie einen Steckbrief.


"Mehr reden!"

Allerdings bekamen alle drei Kinder unterschiedliche Infos. "Wir haben uns für Emil entschieden, weil es so aussah, als sei er besser", verriet Melanie. "Obwohl dann raus kam, dass Moritz eigentlich viel mehr kann." Das hätten sie, Gustav und Annika herausfinden können, wenn sie sich stärker ausgetauscht hätten. "Man muss mehr reden in der Gruppe", darüber waren sich die drei jungen Forscher wieder einig.



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