Vor drei Wochen ist Maria K. (Name geändert) aus allen Wolken gefallen. Auf einer Infoveranstaltung zum Neubau des Kinderhauses Luise Scheppler mit Kindergarten und Kinderhort in der Gartenstadt teilte der Vorstand des Trägers Diakonie den Eltern mit, dass die Beiträge monatlich um 45 Euro steigen werden, auch für bestehende Verträge.

"Eine Erhöhung in dieser Summe gab es zuvor noch nie. Wir Eltern sind schockiert über die Entwicklung und wollen wissen, warum so gehandelt wird", erklärt K. im Gespräch mit unserer Zeitung. In der vergangenen Woche hat die Diakonie Bamberg-Forchheim den Betroffenen noch einmal einen Elternbrief mit der Begründung der deutlichen Preiserhöhung geschickt: "Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, da die steigenden Mietkosten für das neue Gebäude mit 6,50 Euro pro Quadratmeter für eine Kindertagesstätte relativ hoch sind und gleichzeitig der Anteil der Bezuschussung durch die Stadt Bamberg geringer ausgefallen ist, als ursprünglich geplant."

1,9 Millionen Euro Baukosten

Genau diese Mietkosten lägen bei der neuen Kalkulation der Preise zugrunde. "Bis jetzt hatte die Stadt Bamberg die gesamte Miete des Scheppler-Hortes übernommen", erläutert Diakonie-Pressesprecherin Ute Nickel. "Mit der Vergrößerung des Hortes zu einem Kinderhaus, das übrigens Ende August bezogen wird, steigt auch die Miete."

Steffen Schützwohl aus der Pressestelle der Stadt Bamberg weist darauf hin, dass im Rahmen der Kita-Offensive der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen gefördert wird. Im Falle des Kinderhauses Luise Scheppler wurden die förderfähigen Kosten zu 100 Prozent bezuschusst, was keine Selbstverständlichkeit sei. Konkret erhalte der Träger von der Stadt Bamberg 1,912 Millionen Euro, auf die es wiederum staatliche Mittel gebe. Am Ende bleibe bei der Stadt eine Nettobelastung von 363 000 Euro.

"Nicht Gegenstand der Kita-Offensive und auch keine förderfähigen Kosten sind dagegen die laufenden Betriebskosten", sagt Schützwohl. Hier profitiere aber die Kita Luise Scheppler davon, dass der Träger bisher einen Mietkostenzuschuss erhalten hat und diesen als freiwillige Leistung auch weiterhin erhält. Damit beteilige sich die Stadt Bamberg weit über das gesetzliche Mindestmaß hinaus und absolut gerechnet sogar mit einer höheren Summe als vor dem Ersatzneubau. "Die Stadt kann aber nicht zusätzlich noch einen vollen Ausgleich für die durch den Neubau resultierende Mieterhöhung übernehmen."

Dass eine Kita in einem Mietverhältnis besteht, ist in Bamberg eher die Ausnahme. Die meisten Träger, besonders die kirchlichen, haben die Einrichtungen auf eigenem Grund und in eigenen Immobilien untergebracht.

100 Euro gibt es vom Freistaat

Für eine täglich drei- bis vierstündige Betreuung fallen in der Mittelbachstraße künftig 169 Euro monatlicher Elternbeitrag an - im Kindergarten wie im Hort. Das ist im Vergleich mit anderen Bamberger Betreuungseinrichtungen ein relativ hoher Betrag. So nimmt zum Beispiel das Awo-Haus für Kinder am Stadion im kommenden Kindergartenjahr 110 Euro monatlich für vier bis fünf Stunden tägliche Betreuung, beim Caritas-Kindergarten St. Elisabeth bleiben es 111 Euro für die gleiche Stundenzahl.

Allerdings kann der Luise-Scheppler-Kinderhort unter anderem mit Hausaufgabenbetreuung in kleinen Gruppen, mit im Hort frisch zubereitetem Mittagessen sowie tiergestützter Pädagogik mit Hasen, Meerschweinchen und einem ausgebildeten Begleithund punkten. Das neue Kinderhaus bietet 60 Plätze für Kindergarten- und Hortkinder.

"Uns ist bewusst, dass Preiserhöhungen immer ein geteiltes Echo in der Elternschaft hervorrufen", erklärt Abteilungsleiter Fred Schäfer im kürzlich versandten Elternbrief der Diakonie. "Gleichzeitig wollen wir die hervorragende Qualität, die pädagogische Ausrichtung und die Personalausstattung, wie gewohnt, weiterführen und brauchen dazu die notwendigen Mittel." Preiserhöhungen würden so solide vorbereitet, dass sie mittelfristig Bestand hätten.

Eigentlich hatte die neue bayerische Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern eine "weitgehend beitragsfreie" Kindergartenzeit angekündigt. Daraus wurde dann ein Beitragszuschuss für Kindergartenkinder von 100 Euro im Monat, der von den jeweiligen Trägern in vollem Umfang zur Senkung des Elternbeitrages zu verwenden ist. "Damit sollte auch der Elternbeitrag absolut sinken", sagt Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle. Die Mittel des Freistaates seien in der vergangenen Woche eingegangen und wurden auch bereits an die Träger ausgezahlt.

Für viele Eltern reichen die 100 Euro tatsächlich, um die Kindergarten-Beiträge größtenteils abzudecken. K. wird stattdessen 69 Euro monatlich zahlen müssen - vor der Erhöhung wären es nur 24 Euro gewesen. "Das macht für mich einen großen Unterschied", sagt die Mutter einer Dreijährigen. "Die jungen Familien werden vor vollendete Tatsachen gestellt und sind die Leidtragenden." Die städtische Pressestelle weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass "in sozialen Härtefällen auf Antrag die Kosten des Kita-Platzes vom Jugendamt übernommen" würden.

Die Vertragsinhalte will Bürgermeister Christian Lange (CSU) in Sachen Luise-Scheppler-Haus nicht kommentieren. Allerdings spricht sich der Bildungsreferent schon seit geraumer Zeit für ganzheitliche Ansätze für Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren aus. Bei künftigen Neubau- oder Erweiterungsprojekten möchte er Kinderhäuser zum Ziel der Neuplanung zu machen, "überall dort, wo es baulich möglich ist". Konkret sehe Lange hier eine Chance bei den Neubauvorhaben auf dem Areal des Ochsenangers in Gaustadt sowie auf der Lagarde-Kaserne im Bamberger Osten. Bei Maria K. bleibt derweil der Ärger über die unerwartete wirtschaftliche Belastung: "Ich habe jetzt doch keine Wahl mehr, denn im September beginnt ja schon das neue Kindergartenjahr. Und suchen Sie in Bamberg mal eine andere Einrichtung!"