Das E-Center in Trosdorf ist seit 2011 Geschichte. Doch die Kunden gibt es noch. Wer sie treffen will, muss nur nach Gaustadt zum dortigen Edeka-Markt. Gut möglich, dass sich die Einkaufsströme in Kürze wieder ändern. Ende Oktober eröffnet im Trosdorfer Industriegebiet das Main-Regnitz-Center. Das Fachmarktzentrum soll mit einer erhofften Kundenfrequenz von 80 000 bis 100 000 Menschen im Monat einen breiten Käuferkreis im westlichen Raum Bamberg anlocken.

Viel hat sich inden letzten Monaten im alten Trosdorfer Industriegebiet getan, wie jeder weiß, der in den letzten Wochen einmal dar. Schnell sind aus den Flächen die noch im Frühjahr von riesigen Abbruchhalden geprägt waren, zwei große Gebäudekomplexe gewachsen, die einen Parkplatz mit knapp 600 Plätzen umschließen.
Wichtigste Namen bei der elf Millionen Euro teueren Generalsanierung samt Neubau sind Mücke und Kaufland. Der fränkische Schuh- und Textilspezialist will in Bischberg weiter wachsen und belegt 5000 Quadratmeter Fläche., dopppelt soviel wie derzeit im Laubanger. Zweites Standbein des neuen Fachmarktzentrums wird ein Verbrauchermarkt der Kette Kaufland aus Neckarsulm mit 4000 Quadratmetern sein, die bereits in der Stechert-Arena vertreten ist. Kaufland ist einer der stärksten Betreiber von SB-Warenhäusern in Deutschland, ein Vollsortimenter mit Marktmacht.

Mit den beiden großen kommen mehrere kleine Filialisten, die das Angebot abrunden sollen. Der Spielwarenhändler Rofu gehört dazu, eine Takko-Filiale, ein Blumen- und ein Matratzenfachgeschäft, Gastronomie, Friseur und Tankstelle. "Von 14000 Quadratmetern Nutzfläche ist bis auf einen Restbestand von 200 alles vermietet; wir haben für die ganze Familie etwas", freut sich Kai Nootny, der das Projekt im Auftrag des Eigentümers Cheyne aus Luxemburg entwickelt hat.

Wegen Schwierigkeiten beim Abbruch der alten Gebäude hat sich die geplante Eröffnung um einen Monat nach hinten verschoben. Nootny ist guter Dinge, dass das neu geschaffene Zentrum mit immerhin 250 Arbeitsplätzen die Trendwende bringt, die nötig ist, um das traditionsreiche Industriegebiet aus der zuletzt unverkennbaren Abwärtsentwicklung zu reißen.

Zeichen für eine Aufbruchstimmung gibt es bereits: Auch die Firma Rauh Hydraulik, die ihren Stammsitz in der Hallstadter Straße in Bamberg hat, investiert unweit von der Industriestraße in den Bau eines Produktionsgebäudes mit Verwaltung. Künftig werden die Rauh-Mitarbeiter hier Hydraulikschlauchleitungen für Maschinen aller Art herstellen. Rauh ist mit über 200 Beschäftigten mit Standorten in Deutschland vertreten. Den Ausschlag für das Engagement in Trosdorf gaben "die Nähe zum Stammsitz und die gute Verkehrsanbindung", sagt Christian Rauh, Mitglied der Geschäftsleitung. Um sich weitere Expansionsmöglichkeiten offen zu halten, hat das Unternehmen bereits ein Grundstück im Trosdorfer Industriegebiet zugekauft.

Mit Spannung erwartet man im Bischberger Rathaus die Neueröffnung des neuen Handelsmagneten. Für die 6000-Einwohner-Gemeinde, die zwischen dem hügeligen Michelsberger Wald im Süden und dem Main im Norden eingezwängt ist und nur an wenigen Stellen der Gemarkung ebene Flächen für Gewerbe anbieten kann, hängt von einem funktionierenden Indstustriegebiet viel ab: "Wir sind über alles froh, was sich hier tut", sagt Bürgermeister Johann Pfister (BI) - nicht zuletzt auch wegen der Erfahrungen der Vergangenheit. Jahrelang mussten Bürgermeister und Gemeinderat miterleben, wie sich Investorenpläne wegen der Grundstückspreise wiederholt zerschlugen.

Ende 2012 wird man den Wandel im Bischberger Westen mit Händen greifen können. Auch gegen die sehr wahrscheinliche Zunahme des Verkehrs hat man sich gewappnet. Um die Autokolonnen in der schnell überlasteteten Industriestraße besser zu verteilen, ist der Bau einer parallelen Erschließungsstraße im Norden noch indiesem Jahr fest eingeplant. Profitiert von der Neuansiedlung namhafter Unternehmen auch die Bischberger Gemeindekasse? Bürgermeister Pfister bremst die Euphorie: "Wenn Firmen investieren, dann schreiben sie diese Ausgaben in der Regel ab. "Ich rechne erst mittelfristig mit zusätzlichen Steuereinnahmen für Bischberg."