Schluss mit der Bajuwarisierung, die Dirndl- und Leserhosen-Fans in die Domstadt tragen. "Nein, Danke", ruft der stolze Franke mit gesteigertem Selbstbewusstsein. Zumal ihm die boomende Regionalkrimiszene - im literarischen wie filmischen Sektor - gerade einen Mordsspaß bereitet. Bis hin zu den "Tatort"-Machern, die fränkische Ermittler ins Quotenrennen schicken, nachdem Thomas Schmauser vor Jahren als Hiwi der Münchner Kommissare (in "Der Prügelknabe") Pionierarbeit leistete. Thomas Kastura springt auf den Zug mit einem Mundartkrimi auf: Zu finden in "Drei Morde zu wenig", seinem neuesten Werk, das der Bamberger Literat am 26. Oktober ab 20 Uhr im Club Kaulberg vorstellt.

Dank Facebook


"Auf die Idee, einen Dialektkrimi zu schreiben, brachte mich die Facebook-Gruppe ,Du bist ein echter Bamberger ...'", berichtet Kastura. User verschiedenster Altersgruppen zelebrierten hier die heimische Mundart "mit großer Begeisterung". Wobei sich die Episode "A ächder Bambercher" um einen Toten rankt, der auf der Wunderburg-Kerwa für unerwarteten Rummel sorgt, wie der Autor verriet.

"Das Schöne am Dialekt ist seine Direktheit, seine Lakonie. Man nimmt kein Blatt vor den Mund", schwärmt der Germanist. Natürlich sei das schriftliche Formulieren noch eine ganz andere Herausforderung als das Drauflosquatschen im Freundes- und Bekanntenkreis. Dafür kamen dem Literaten beim Mundart-Tippen nostalgische Erinnerungen. Weshalb es Kastura nicht nachvollziehen kann, dass es "tatsächlich Franken gibt, die sich ihres Dialektes schämen, ihn als ungelenk oder derb abwerten: Das muss sich ändern!" Gerade in Bamberg, wo man eine der charmantesten und orginellsten Varianten spräche.

Auf den Spuren der "Mafia Bamberga"


Fränkischer denn je begegnet Kasturas Ermittler-Team Lesern demnach. "Eine Premiere, zumal es meines Wissens noch keinen anderen Krimi in ausschließlich fränkischer Mundart gibt." Neben "A ächder Bambercher" präsentiert der Germanist bei der heutigen Lesung "Mafia Bamberga" und "Der Mann mit dem schwarzen Kajak" als weitere Episoden um Staatsanwalt Brandeisen und Kommissar Küps. "Bisweilen wird's richtig gruselig", verspricht Kastura. Um somit neben dem speziellen Humor des Homo Bambergensis auch Abgründe der fränkischen Seele zu beleuchten.

Mehr oder weniger furchtlos gehen Kasturas Ermittler in den Kampf gegen die einheimische Mafia. Und enthüllen die "ganze Wahrheit über Bambergs umstrittene Brückenbauprojekte". Bis das "Schäuferla des Grauens" auf dem Tisch dampft, dem sich jeder Interessent in einer ruhigen Stunde selbst genüsslich widmen sollte (natürlich nur auf dem Papier). So stirbt einer der Kollegen des alljährlichen Kommissare-Treffens nach dem Verzehr der Bamberger Spezialität, was Küps als Gastgeber in Erklärungsnöte bringt.

Krimi-Melodien


Für den nötigen musikalischen Schwung sorgt bei der Lesung in den Gewölben des Kaulbergs übrigens Saxophonist Oliver Herrmann. Einschlägige Krimi- und Jazzmelodien serviert er Besuchern, die sich den Mordsspaß nicht entgehen lassen.