Für die junge Frau aus dem Landkreis Bamberg ging es um viel. Nicht nur um die Geldstrafe, die ihr wegen Tierquälerei drohte. Auch wenn es wehtat, das wäre noch zu verschmerzen gewesen. Ein Urteil vor dem Amtsgericht Bamberg hätte indes auch schwerwiegende Folgen für die berufliche Zukunft der Pferdepflegerin haben können.

In Wassertonne geworfen oder gewaschen?

Hat die Angeklagte, gemeinsam mit ihrem Ehemann, zwei Kätzchen in eine mit Wasser gefüllte blaue Plastiktonne geworfen und dort ihrem Schicksal überlassen? So sieht es die Staatsanwaltschaft Bamberg. Oder hat sie ein Tier über der Wasseroberfläche gehalten, um es abwaschen zu können - und der Gatte war gar nicht dabei? So erzählt es die Angeklagte.

Selbst nach drei Verhandlungstagen kann Strafrichterin Magdalena Becker kein Urteil fällen. Auch wenn der Freispruch näher scheint als der Schuldspruch wegen Tierquälerei. Das liegt daran, dass es keine objektiven Beweismittel gegen die bislang nicht vorbestrafte Pferdepflegerin und ihre bessere Hälfte gibt. Keine Videos, Fotos oder andere handfeste Dinge. Nur eine einzige, ziemlich dürftige Zeugenaussage belastete die Frau und ihren Lebensgefährten.

Es begann schon damit, dass nicht klar ist, ob das Geschehen sich im Sommer 2017 oder im Frühjahr 2018 auf einem Bauernhof irgendwo im Landkreis Bamberg abgespielt hatte. Es ging weiter mit einer Zeugin, die erst einmal nicht erschien und damit ein Ordnungsgeld riskierte.

Als sie dann doch im Gerichtssaal saß, waren ihre Erinnerungen an den Vorfall vor einem oder zwei Jahren lückenhaft, ungenau und widersprüchlich. Sie konnte sich nicht einmal daran erinnern, dass sich die beiden Kätzchen von selbst aus ihrer misslichen Lage befreit hätten.

Katzen sind wasserscheu

Die Version der Angeklagten, sie habe eine Katze mit dem Wasser aus einer Regentonne gereinigt, überzeugte den Sachverständigen Dr. Arndt-Uwe Schille freilich nicht. Der Tierarzt vom Landkreis-Veterinäramt erklärte, dass Katzen sich üblicherweise nicht waschen lassen wollten. "Das bedeutet für die Stress, Panik und Angst, und ist ein ziemlicher Akt. Da muss ich Zwangsmaßnahmen anwenden."

Schließlich sei die Katze wasserscheu und ergreife die Flucht. Ein Griff ins Genick sei notwendig, um nicht gekratzt und gebissen zu werden. Keinesfalls könne man das sich sträubende Tier am Bauch über der Regentonne halten und ihr dann mit Wasser kommen. Am Ende wurde es kein Freispruch, das Verfahren ohne Auflagen eingestellt. Die Kosten fallen ausnahmsweise der Staatskasse zur Last.

Eine Lösung, bei der Rechtsanwalt Jürgen Scholl (Schweinfurt) einige Bauchschmerzen hatte, glaubte er seine Mandantin doch völlig entlastet. Letztgültige Klarheit hätte vielleicht eine weitere Zeugin bringen können. Die heute zehnjährige Tochter der ersten Zeugin. "Minderjährige stehen da unter einem enormen Druck. Es ist auch schon lange her. Davon erhoffe ich mir keine weitere Aufklärung."

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