Das Erste, was ich von meinem Startpunkt wahrnehme, bevor ich die Augen aufmache, ist lautes Vogelgezwitscher - ich bin wohl von der Redaktion mitten im Grünen ausgesetzt worden. Zu meiner Verwunderung stehe ich auf dem Parkplatz des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums, eines der ältesten Gymnasien Bayerns, wie mir Schulleiter Michael Strehler später erklärt. In mehreren Ebenen schmiegt sich das Areal an den Hang an. Während ich die Stufen nach oben steige, begegne ich Jürgen Horn.
Die Utensilien, die er die Treppe empor schleppt, weisen ihn als Imker aus. "An meinem Auto steht noch eine Kiste", ruft er mir zu. Kurzerhand werde ich zur Hilfsimkerin und trage den gelben Plastikeimer mit dem restlichen Handwerkszeug die Treppe empor. Horn ist eigentlich Landwirt und leitet erst seit diesem Schuljahr die Bienen-AG. Heute will er den Schülern das Schleudern zeigen.
"Mich hat die Sucht gepackt", erzählt er, während er die Metallschleuder aufbaut. "Das wäre früher für mich undenkbar gewesen, dass ich eine Biene freiwillig auf die Hand nehme", ergänzt er. Von ihm möchte ich wissen, in welchem Teil von Bamberg ich eigentlich gelandet bin. Im Berggebiet, unterhalb der Altenburg, einem der Stadtberge. Ein eher wohlhabenderer Teil von Bamberg, wo vor allem die Bauplätze teuerer seien.


Bergauf geht es zur Altenburg

Das möchte ich mir genauer ansehen. "Oben an der Burganlage gibt es einen Bus, den können Sie auch hinunter nehmen", rät Horn. Mit seiner Wegbeschreibung schlendere ich die Altenburger Straße hinauf - bekanntlich hilft der Blick von oben ja bei der Orientierung.
Mit jedem Schritt fühle mich mehr an meine Studienheimat Barcelona mit den schmalen Gassen erinnert, bis ich plötzlich mitten im Feld zwischen Butterblumen und Kirschbäumen stehe. Als ich mich umdrehe, wird mir sofort klar, warum die Stadt als fränkisches Rom gilt.
Umkreist von einer Hügelkette liegt mir nun die Stadt zu Füßen. Aber von Verkehrslärm höre ich nichts, sondern nehme nur eine idyllische Ruhe wahr. Auch vier Wandertouristen aus Trier haben sich die Route ausgesucht. "Es ist sehr schön, sehr gepflegt", sagt eine Frau. Aber es gibt auch Verbesserungspotential: "Die Beschilderung könnte besser sein."
Um die Mittagszeit sind hier nur wenige unterwegs. Auf dem Waldparkplatz beginnt Sandra Gansner ihren Spaziergang mit Hund. Die Schweizerin ist mit ihrem Mann ebenfalls zu Gast und hat schon das typische Touri-Programm absolviert. "Heute Morgen haben wir Rauchbier gekauft - zwei Kartons voll", sagt sie und lacht. "Was man als Tourist eben so macht." So ein Einkauf steht auch noch auf meiner Liste, schließlich haben die Kollegen aus der Heimat eine Bierbestellung in Auftrag gegeben. Als ich wieder hinablaufe, kommt mir der angekündigte Sechs-Hügel-Bus entgegen - leider in der falschen Richtung.
Die exponierte Lage des Berggebietes und die Nähe zur Natur wissen nicht nur Touristen zu schätzen. "Das Berggebiet ist immer schon bevorzugt worden", erzählt mir ein Anwohner, den ich nach seiner Heimat frage. Seit 1977 wohnt er unterhalb der Altenburg. "Wenn man am Berg aufgewachsen ist, dann zieht es einen nicht mehr in die Stadt."


Ein Kurztrip in die Natur

Kaum Durchgangsverkehr, kein hektisches Treiben. Nur am Wochenende kämen die Ausflügler. Ganz autark lebt es sich hier allerdings nicht. Während früher noch Bäckereien und Metzger ihre Geschäfte hatten, ist das Berggebiet nun reines Wohnareal. Auf meinem Rückweg, merke ich, was er meint. Je näher ich dem Stadtzentrum komme, desto geschäftiger und lauter wird es. Der Rundgang hat sich angefühlt wie ein Kurztrip in die Natur - und das nicht mal eine halbe Stunde Fußweg von der Redaktion entfernt.


Zur Aktion Reportertausch

Der #ReporterTausch2018 ist eine Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Vom 14. bis 20. Mai 2018 tauschen Medienhäuser für fünf Tage ihre Reporter. Die Teilnehmer kommen in Lokalredaktionen in einer fremden Region zum Einsatz. An der Aktion nehmen 55 Redakteure von 29 Zeitungen aus ganz Deutschland teil.

In die FT-Lokalredaktion Bamberg hat es Sarah Biere (Rheinische Post Düsseldorf), Sabrina Bauer (General-Anzeiger Bonn) und Frank Jung (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) verschlagen. Im Gegenzug schreiben nun Sabine Christofzik für die Heidenheimer Zeitung in Heidenheim und Anette Schreiber für den Patrioten in Lippstadt.