"Schönen Abend, Bamberg", begrüßt der Frontmann und Rapper Felix Brummer die begeisterte Menge. Die Brose-Arena ist bis auf vereinzelte Sitzplätze an den Seitentribünen restlos gefüllt. In der Hallenmitte, dort wo an anderen Tagen die Brose-Basketballer spielen, tobt am Sonntagabend eine gewaltige Menschenmenge und springt im Takt auf und ab. Schon die Vorband "Blond" hatte mit selbstgeschriebenen und auch gecoverten Songs für eine ausgelassene Stimmung in der Halle gesorgt.


Surfen durch die Menge

Doch als das rote Tuch mit dem Aufdruck "Keine Nacht für niemand" zu Boden fällt und Schlagzeuger, Frontmann und die drei Gitarristen von "Kraftklub" auf der Bühne erscheinen, ist die Menge nicht mehr zu halten.

Schon nach weniger als einer Minute entsteht der erste Pogo und die Menschen hüpfen aufeinander. Während des gesamten Konzertes kann man beobachten, wie einzelne Personen, auf den Händen der Menge getragen, in Richtung Bühne schweben, um dort einen Handschlag von Rapper Felix Brummer zu ergattern. Etwa zehn Sicherheitsbeamte schirmen die Bühne ab und helfen den "Crowdsurfern", wieder auf den Boden zu kommen.

Nicht nur die zahlreichen Pogos der Fans, sondern auch die Showeinlagen der Band selbst sorgen für Stimmung und Bewegung in der Brose-Arena. "Dass das Publikum so gut mit einbezogen wird, haste nicht immer", meint die 34-jährige Peggy aus Nürnberg. Auch der 23-jährige Merlin aus Georgensgmünd spricht von einer "richtig guten Show drum herum, voller kreativer Einfälle".

Am besten gefällt ihm, als "Kraftklub" auf einem fahrbaren Bühnenteil quer durch die Halle geschoben wird und sich so direkt im Publikum befindet. Um auf die Hauptbühne zurück zu kommen, veranstalten vier der fünf Bandmitglieder ein so genanntes "Wettcrowdsurfen". Wer am schnellsten auf den Händen der Fans von der Hallenmitte zur Bühne getragen wird, der gewinnt!


Einbindung des Publikums

Auch durch andere Aktionen werden die anwesenden Zuschauer in das Konzert mit eingebunden. So wird eine junge Frau auf die Bühne gebeten, um durch das Drehen an einem bandeigenen Glücksrad den nächsten Song auszuwählen. Maskierte Männer schwingen schwarze Fahnen mit der Aufschrift "Randale" zum gleichnamigen Lied.

Der Frontmann beeindruckt die Menge unter anderem durch Kostümierungen. "Huldigt dem K(raftklub)!" ruft er, als Priester verkleidet. Auch auf andere Weise animiert er seine Fans zur aktiven Teilnahme am Konzert. Er verteilt Handschläge auf der Seitentribüne, wedelt mit einer brennenden Fackel und teilt die Brose-Arena durch einen Scheinwerfer in zwei Hälften.


Gegen Rassismus

"Seid ihr links oder rechts, Bamberg?", fragt der 29-jährige Rapper in die Menge. Schon zuvor bezieht er sich auf den Ausgang der Bundestagswahlen in Sachsen und spricht sich klar gegen Fremdenhass, Faschismus, Rassismus und Homophobie aus. "Nazis raus!", ist die zustimmende Antwort der lauten Menschenmenge.

Den Einfluss durch das Mikro in seiner Hand wolle er nutzen, um sich zu positionieren, meint Felix Brummer. "Wir wollen Liebe verteilen", ist seine Botschaft. "Tanzt mit uns, Bamberg", lautet die Aufforderung zum Ende des Konzertes. Ein großer Teil der energischen Menge tut es dem "Kraftklub"-Frontmann gleich und wedelt oberkörperfrei mit T-Shirts und anderen Kleidungsstücken zum Lied "Songs für Liam". "Das ganze Konzert über wird vom Ausziehen gesprochen und da steht nun die Hühnerbrust vor euch", scherzt dieser.

"Ich finde es beeindruckend, wie die Leute mitgehen und wie die Band sie mitziehen kann", sagt der 21-jährige Thomas aus Bayreuth nach dem Konzert. "Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße", der Refrain aus der letzten Zugabe, klingelt ihm und dem Rest der Brose-Arena da noch in den Ohren.