Männer in grüner Arbeitskleidung tragen Tannenbäume durch den Wald. Einer nach dem anderen. Dann werden die Bäume in Netzen verpackt. Eigentlich fehlen nur noch die Nikolausmützen, dann könnte man meinen, man ist in einem Wald voller Weihnachtsmänner, die Christbäume in die Wohnzimmer vieler Bamberger Familien tragen.

In Wirklichkeit bringen Arbeiter der Familie Wohnfurter die Bäume auf den Hof in Neuhausen bei Priesendorf. Dort und in der Bamberger Innenstadt verkauft die Familie seit Jahren Tannenbäume für das Weihnachtsfest.

Die Bäume, die auf dem Hof in Neuhausen verkauft werden, wachsen in den umliegenden Wäldern. Else Wohnfurter ist Seniorchefin und hat ihren Hof vor 16 Jahren an ihren Sohn Udo übergeben. Die Familie lässt ihre Bäume noch frisch im Wald schlagen. Auf knapp 60 Hektar werden die Bäume angepflanzt. Der Hof hat viele Kunden, denn sie wissen: Wird der Weihnachtsbaum frisch in der Region gekauft, ist er besonders lange haltbar.

Viele suchen Ende Oktober ihre Bäume auf dem Hof aus und holen sie dann Mitte Dezember ab. Doch man kann seinen Baum auch noch spontan bis zum 24. Dezember auf dem Hof erstehen. Die Seniorchefin empfiehlt, den Weihnachtsbaum etwa zwei Wochen vor Weihnachten zu kaufen.

Und gibt noch weitere wichtige Hinweise: "Man kann selbst entscheiden, wann man den Baum aus dem Netz herausnimmt, aber wichtig ist, dass man etwa einen Zentimeter des Stammes absägt und den Baum ins Wasser stellt. Dann nadelt er nicht und bleibt bis Weihnachten frisch."

Nordmanntanne ist Klassiker

Trotz des vielen Regens haben sich die Bäume dieses Jahr gut entwickelt. Besonders gefragt ist nach wie vor die Nordmanntanne, denn sie sticht nicht und hat keinen Geruch. Doch es gibt eine viel größere Auswahl an Bäumen: Blaufichten, Blautannen, Weißfichten, verschiedene Kiefernarten oder Colarado-Tannen. "Der "Rolls Royce" unter den Tannen, ist die Nobilistanne", so Wohnfurter.

Ein Baum brauche im Durchschnitt zehn Jahre, um etwa zwei bis zweieinhalb Meter groß zu werden. Beim Anbau achte die Familie vor allem darauf, dass die Wurzeln nicht zu trocken in der Erde werden. Else Wohnfurter erklärt die Pflege genauer: "Die Bäume müssen feucht und sauber gehalten werden. Unkraut mähen wir regelmäßig aus. Dadurch haben wir das ganze Jahr über Arbeit. Viele kaufen ihren Weihnachtsbaum heutzutage im Baumarkt, aber wir setzen auf einheimische Qualität." Doch für Landwirte wie sie sei der Handel mit Weihnachtsbäumen nach wie vor lukrativ.

Else Wohnfurter übernahm 1978 den Hof und den Wald von ihrem Vater. Damals war die Anbaufläche noch 0,3 Hektar groß und die Fichten wurden vor allem im Frankenwald gekauft und dann in der Bamberger Innenstadt angeboten.

Heute steht Else Wohnfurters Sohn Udo dort. Er hat vor 16 Jahren den Hof von seiner Mutter übernommen. Mittlerweile verkauft die Familie ihre Bäume an Großhändler bis in die Schweiz. Und auch der Christbaum für den Bamberger Dom stammt aus den Wäldern in Neuhausen.

Auf dem Hof hängen überall kleine Herzen und Tierfiguren. Und im Vorgarten stehen sogar Schlitten und Krippen. Diese Dekoartikel aus Rost stellt Else Wohnfurter im Sommer aus Blech selbst her. Jetzt im Winter wird der Schmuck neben den Tannenbäumen und selbstgebundenen Adventskränzen auf ihrem Hof verkauft.

Spezielle Baumwünsche

Fragt man sie nach dem passenden Christbaumschmuck, erzählt Else Wohnfurter von außergewöhnlichen Kunden: "Vor zwei Jahren kamen Leute, die wollten einen Baum, den niemand will. Sie haben sich für einen krummen Baum entschieden und waren richtig zufrieden damit. Auch, wenn es komisch klingt, aber sie wollten zeigen, dass auch der hässlichste Baum schön geschmückt gut aussehen kann."

Auf den Schmuck kommt es der Senior-Chefin selbst nicht an: Sie dekoriert den Christbaum nur mit Christbaumkugeln. Figuren aufzuhängen ist ihr zu aufwändig. Aber auf die Baumsorte kommt es ihr an: Else Wohnfurter wechselt bei ihren eigenen Christbäumen gerne durch. Dieses Jahr werde sie sie sich für eine Colorado- oder eine Nobilistanne entscheiden, so Wohnfurter.

Dass die Bäume noch wenige Stunden vor dem Fest geholt werden können, brachte Else Wohnfurter vor ein paar Jahren in eine ungewöhnliche Situation, berichtet sie schmunzelnd: "Um 15 Uhr am Heiligabend kam mal ein junges Paar zu uns. Die hatten Christbaumschmuck und Lametta gekauft, aber dabei das wichtigste vergessen: Den Christbaum! Also haben wir eine Handsäge mitgenommen, sind in den Wald, sie haben sich einen Baum ausgesucht, wir haben ihn abgesägt und Weihnachten war gerettet."