Gabi B. freut sich auf alle Samstagmittage. Mehr als zehn Jahre schon ist die Bambergerin Kundin bei der Tafel. "Was ich hier bekomme, reicht meistens für die ganze Woche", sagt sie. "Ich wüsste nicht, wie ich über die Runden kommen sollte, gäbe es dieses Angebot nicht. Und das Wunderbare ist, die Leute hier kümmern sich auch sonst. Ich hatte einmal Strom nachzuzahlen und wusste nicht, wie ich das Geld dafür aufbringen sollte. So ganz einfach war das nicht, sich zu trauen und das Problem anzusprechen - aber dann ging alles ganz schnell: Die Rechnung wurde übernommen."

Seit 25 Jahren gibt es die Tafel in Bamberg. "Die Menschen, die in dieser Zeit versorgt wurden, würden mit Sicherheit ein kleines Stadion füllen", sagt Wilhelm Dorsch. Er und seine Frau Michaela Revelant haben den Stein ins Rollen gebracht und sind auch heute noch die "Motoren" der Einrichtung, die allein im vergangenen Jahr rund 40 000 Einkaufstüten voll Lebensmittel ausgegeben hat.


Ehrenamtlich im Einsatz

Die Waren holen die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei Bäckereien und Einkaufsmärkten ab. Das meiste, was dort nicht verkauft werden konnte, weil es kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums steht, oder, wie im Fall von Gemüse, nicht mehr ganz so frisch aussieht, ist noch so gut, dass es schade wäre, es wegzuwerfen.

"Alles fing damit an, dass wir gesehen haben, was bei einem Discounter in unserer Nachbarschaft tagtäglich entsorgt wurde. In der allerersten Zeit haben wir vier Familien versorgt, die mir als Mitglied der Vinzenzkonferenz St. Otto der damalige Pfarrer ans Herz gelegt hat.

Der Bedarf war aber viel größer und schon bald haben wir auf dem Gelände unserer Firma in der Dieselstraße eine kleine Lebensmittelausgabestellen eingerichtet. Für so etwas braucht man Helfer. Ganz besonders gefreut hat es uns, dass die ersten, die uns bei dieser Arbeit unterstützt haben, aus dem Kreis der Hilfesuchenden kamen."

Heute kann die Bamberger Tafel, die viele Jahre unter dem Dach des St. Vinzenzvereins bestand und seit einiger Zeit ein eigenständiger, eingetragener Verein ist, auf rund 60 Helfer zählen, von denen zwischen 25 und 30 an den Ausgabetagen aktiv sind.


Zwei Ausgabe-Tage

Bis an zwei Wochentagen (Mittwoch und Samstag) sich die Tafel-Kunden für einen symbolischen Betrag von 2,50 Euro mit Lebensmitteln eindecken können, ist eine Vielzahl von anderen Arbeiten zu erledigen: An sechs Tagen in der Woche werden mit Kühlfahrzeugen Einkaufsmärkte in Stadt und Landkreis angefahren. Die Waren müssen vorsortiert, gelagert und vor der Ausgabe noch einmal sehr gründlich sortiert werden.

Auch für den von Montag bis Samstag geöffneten Tafel-Laden, in dem man für kleine Beträge gespendete Kleidung, Haushaltswaren und vieles andere erwerben kann, werden Kräfte gebraucht. Hier kann jeder einkaufen. Für die Lebensmittelausgabe braucht man einen Ausweis, der nach Nachweis der Berechtigung ausgestellt wird.

"Wir haben momentan einen Kundenstamm von 1890 Haushalten - vom Alleinstehenden bis zur zwölfköpfigen Familie. Insgesamt sind das rund 4900 Personen", zählt Heinz Zimmer, der Zweite Vorsitzende des Vereins, auf. "Allein in diesem Jahr habe ich 159 Familien mit 480 Personen neu aufgenommen."

"Ja", sagt Wilhelm Dorsch, "unser Kundenkreis hat sich verändert." Etwa drei Viertel der Menschen, die wir versorgen, sind Asylsuchende. Und es stimmt, dass es Leute gibt, die sagen, dass sie deswegen nicht mehr gern oder gar nicht mehr her kommen. Die Tafel aber hilft jedem, der in Not ist. Wir haben Regeln, an die sich jeder halten muss. Wenn es Konflikte gibt, müssen sie gelöst werden. Im Gegensatz zu anderen Tafeln in Deutschland ist bei uns das alles noch tragbar."


Viel Platz in der Hohmannstraße

14 Jahre war die Anlaufstelle für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln in der Dieselstraße untergebracht und zehn Jahre in der Böttgerstraße. 2016 wurde in den ehemaligen Räumen der Firma Binnebössel in der Hohmannstraße das jetzige, rund 1000 Quadratmeter große Domizil bezogen. Hier können jetzt auch größere Mengen lange haltbare Lebensmittel gelagert werden.


Kühl- und Gefrierzellen

Die Bamberger Tafel verfügt über zwei Kühlzellen und eine Gefrierzelle, um Frischeprodukte und Gefriergut lagern zu können. Es gibt einen Hygieneraum, durch dessen Fenster die Helferinnen unter anderem Lebensmittel aus Großpackungen (z.B. Kartoffelsalat aus Gastronomie-Gebinden) in mitgebrachte Gefäße umfüllen. "Wir geben jedem Kunden, der Frischware mitnimmt, eine Isoliertasche mit. Die meisten jedoch bringen ihrer eigenen zum Einkauf mit", sagt Wilhelm Dorsch.

Froh ist der Vereinsvorsitzende und Tafel-Gründer über die große Spendenbereitschaft der Bürger in der Region Bamberg - sei es beim "Baum der Hoffnung" in Zusammenarbeit mit Rotary und Stadtmarketing, oder anderen, von Geschäften initiierten Aktionen, bei denen es darum geht, die Tafel zu unterstützen.


Ansprechpartner bei Sorgen und Nöten

"Es finden sich auch immer wieder neue Helfer. Einige sind darunter, die durch die Arbeit bei uns einen ganz neuen Lebensinhalt gefunden haben, weil es hier eine Gemeinschaft gibt und weil sie gebraucht werden. Auch für viele Kunden sind wir Ansprechpartner bei Sorgen und Nöten - und wir können weitere Hilfsangebote vermitteln."

Das ist es auch, was Gabi B. an ihren Besuchen schätzt. "Durch meine Schwerbehinderung komme ich kaum noch raus. Hier kenne ich fast alle Leute und kann mich unterhalten. Ich bekomme eine kleine Witwenrente und Grundsicherung. Die Tafel ist für mich mehr, als nur eine Anlaufstelle, wo ich was zu Essen bekomme."

Am bundesweiten Tafel-Tag öffnet auch die Bamberger Tafel ihre Räume in der Hohmannstraße 5a am Freitag, 15. , und Sonntag, 16. September von 9 bis 13 Uhr. Neben Information gibt es Kaffee und Kuchen.