Einfach alles hat gepasst beim Benefizkonzert der Bamberger Symphoniker zugunsten der Weltkulturerbestadt, insbesondere der Rettung des historisch bedeutsamen "Himmelsgartens" in der Kirche auf dem Michelsberg. Das Wetter passte zu der lockeren Stimmung. Viele der Besucher - das war einer der guten Aspekte an der Sache - waren gekommen, die man im Joseph-Keilberth-Saal nicht erwartet. Und den Verantwortlichen der Arena war es gelungen, Konzertatmosphäre in die nüchterne Sport- und Veranstaltungshalle zu zaubern.

Carl Orffs "Carmina Burana", heute eher bekannt durch die Werbung als durch konzertante Aufführungen, sind allerdings auch ein höchst beliebter Selbstläufer. Insofern waren sie auch das ideale Werk für ein Benefizkonzert, zumal sie das Sitzfleisch der Besucher nicht allzu lange strapazieren. Aber sie sind auch ein interessantes Werk. Denn als sich Carl Orff 1935 an die Vertonung von einigen der frühmittelalterlichen Gedichte aus dem Kloster Benediktbeuren machte, da hatte die Renaissance und Rekonstruktion der mittelalterlichen Musik noch nicht eingesetzt. Orff hatte also keine Vorbilder, an denen er sich seriös orientieren konnte. Als sie dann einsetzte, ging sie in andere Richtungen, und so ist Orffs Werk - insbesondere die Carmina Burana - ein auffälliger Solitär geblieben.

Und ein beliebter. Nicht nur beim Publikum, sondern, trotz der enormen Schwierigkeiten, auch bei den Aufführenden, besonders bei den Chören. Denn es gibt kaum ein Werk, in dem das Rhythmische derart im Vordergrund steht. Wer sich als Sängerin oder Sänger darauf einlässt, der muss sich nicht nur an eine längst untergegangene Sprache gewöhnen, sondern er muss vor allem zunächst immer wieder das rhythmische Sprechen des Textes üben, muss die perkussiven Fähigkeiten seiner Stimme entdecken, muss sich an ungewöhnliche Taktwerte und -wechsel gewöhnen. Und er muss sich damit abfinden, dass Orff wenig Rücksicht auf die Möglichkeiten der Stimme genommen hat. Der arme Sopran musste ein paar Mal kämpfen. Aber vielleicht wurde das auch nur deutlich, weil die Klangverstärkung zu punktuell war.

Man kann im Nachhinein den rund 500 Sängerinnen und Sängern oder den drei beteiligten Chören - Projektchor, Unterstufenchor des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums und Knaben des Bamberger Domchores - nur ein ganz dickes Kompliment machen, mit welch vergnügten Zugriff sie sich den Herausforderungen stellten, wie gut sie in der Vorbereitungsphase und in den Endproben unter Leitung von Michael Gläser nicht nur zusammenfanden, sondern auch wirklich gut artikulierend und scharf konturiert sangen.

Dass das gegen Ende ein bisschen nachließ, ist bei Laienchören normal und verständlich: Das eröffnende "O Fortuna" war klarer als das beschließende. Die Präsenz der Chöre hatte allerdings um nichts nachgelassen. Und was viel wichtiger war: Die Stimmung der Lieder aus der Lebenswelt des frühen Mittelalters kam durch das emotionale Engagement bestens rüber.

Die Solisten passten sehr gut dazu, allen voran der Bariton Dominik Köninger, der nicht nur am meisten gefordert war, sondern der auch souverän mit den Farb- und Registerwechseln umging. Die Sopranistin Robin Johannsen schaffte in "Dolcissime, totam tibi subdo me" den gefürchteten Sprung aus dem Stand in die Regionen ewigen Schnees - die Königin der Nacht hat's da einfacher - fast makellos und sie konnte den justierten Ton dann auch wirklich halten. Köstlich war Benjamin Bruns, kein Counter, aber ein Tenor, der die nötigen Höhen hat und der das Klagelied des am Drehspieß brutzelnden Schwans wunderbar weinerlich, beleidigt sang. Wobei das Orchester die drehende Bewegung des Spießes markant unterlegte.