Was ist eigentlich mit dem Loch am Kammermeisterweg? Noch immer steht an der Baugrube kein Gebäude, das die Hausnummer Memmelsdorfer Straße 89/91 trägt.

Eigentlich könnte gegenüber der Aral-Tankstelle schon längst ein neues Studentenwohnheim in die Höhe wachsen. Bereits im März hatten Stadtrat und Bausenat zugestimmt. Aber: Der Bauherr musste sich für das Grundstück erst noch Vollmachten der Teileigentümer einholen.

"Nun müssen noch 330 Grundbucheinträge berichtigt werden", erläutert Gerrit Müller, Projektentwickler und Bauherr. Einige der Eigentümer hätten erst im Ausland ausfindig gemacht werden müssen, zudem seien alle beteiligten Banken angeschrieben worden. Manche Eigentümer seien verstorben und man hätte sich auf die Suche nach den Erben machen müssen.


Mehrkosten und Verzögerung

Sechs Monate dauerte es, bis alle Unterschriften beisammen waren. "Dieses halbe Jahr hat Mehrkosten im sechsstelligen Bereich verursacht", sagt Müller. Eine genaue Zahl will er nicht nennen. Der Bauherr hofft, dass im Frühjahr die Bagger anrollen. Die Bauzeit für das neue Studentenwohnheim schätzt er auf ein bis eineinhalb Jahren. Kosten wird es voraussichtlich 13 Millionen Euro.

Das Haus wird 141 Studentenwohnungen in unterschiedlichen Größen mit insgesamt 156 Betten beherbergen. Die Ein-Personen-Appartments sind zwischen 22 und 40 Quadratmeter groß. Die zwölf größeren Wohnungen sind für bis zu drei Personen ausgelegt und bieten eine Fläche von 35 bis 82 Quadratmetern. Darunter wird es auch barrierefreie Einheiten geben. Wie hoch die Miete sein wird, ist noch nicht bekannt.

Das Gebäude wird aus drei Teilen bestehen. Laut Plan soll das 74 Meter lange Haupthaus an der Memmelsdorfer Straße so weit vom Gehsteig entfernt sein, dass noch Platz für zehn Parkplätze bleibt. Zudem soll es eine Tiefgarage geben.

Ans Haupthaus soll links in Richtung Brennerstraße ein elf Meter langer Anbau anschließen, in den ein Café mit Freischankfläche einziehen soll. Ein zweigeschossiger rückwärtiger Anbau soll die Lücke zu den bestehenden Wohnhäusern schließen.

Ob er das Wohnheim nach seiner Fertigstellung verkaufen will, ließ Bauherr Müller noch offen. Auch bei einem zweiten Wohnheim in unmittelbarer Nähe gibt es auf diese Frage noch keine konkrete Antwort.

Vom Studentenwohnheim am nördlichen Ende der Brennerstraße ist im Gegensatz zum ersten bereits etwas zu sehen. Baukräne, Betonplatten, Fundament. "Wegen der Witterung haben wir die Bauarbeiten kurz vor Weihnachten unterbrochen", sagt Günther Straub, Geschäftsführer der Baugenossenschaft. Ab 7. Januar soll es weitergehen. Dann bekommt die Tiefgarage ihre Außenmauern, die Decke und im entstehenden Erdgeschoss werden die ersten Fertig-Bäder eingebaut.


Fertigstellung 2014 geplant

Im Oktober 2012 haben die Bauarbeiten begonnen, im Frühjahr 2014 soll alles fertig sein. Etwa 24 Millionen Euro wird das Wohnheim nach Straubs Angaben kosten. Das Grundstück hatte die Baugenossenschaft für 1,5 Millionen Euro gekauft, zum Teil von der Stadt, zum Teil von einem Gärtner. Langwierige Änderungseinträge im Grundbuch wie bei dem Bauvorhaben in der Memmelsdorfer Straße fielen weg.

Das Wohnheim in der Brennerstraße bietet Platz für 180 bis 185 Personen, aufgeteilt in Einzimmer- und Zweizimmerappartments plus Studentenwohnungen, die aus fünf Zimmern zusammengefasst sind. Die Räume sind zwischen 21 und 60 Quadratmeter groß. Es wird zwei Aufzüge geben, eine Tiefgarage mit 77 Parkplätzen und 211 Fahrradabstellplätze. Jede Wohnung bekommt einen Balkon oder eine Terrasse und wird barrierefrei zugänglich sein.

"Die Lebenshilfe hat bereits angefragt, ob man betreute Wohngruppen im Haus integrieren könnte", sagt Straub.
Wer später in das Wohnheim einzieht, muss mit einer Miete von etwa zwölf Euro pro Quadratmeter rechnen, "pro möbliertem Quadratmeter", betont Straub - vorausgesetzt, die Baugenossenschaft behält das Wohnheim im Bestand. Das wäre Option A.

Nach Option B könnten einzelne Wohneinheiten verkauft werden, zu etwa 3300 Euro möbliert. Oder aber, und das wäre Option C, das fertige Studentenwohnheim wird als Ganzes an einen Investor verkauft. Laut Straub gebe es bereits Anfragen.

Wie die Entscheidung der Baugenossenschaft für den Stadt- und Landkreis Bamberg ausfallen wird, lässt ihr Geschäftsführer zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Etwas anderes äußert Gerrit Müller, der Bauherr des zweiten Wohnheimes, sehr konkret: Man sei mit der Lage zufrieden. "Der Standort ist sehr gut." Er geht nicht davon aus, dass sein Wohnheim in der Memmelsdorfer Straße in Konkurrenz mit jenem der Baugenossenschaft in der Brennerstraße tritt. "Bamberg kann's vertragen."