Wo ist sind die Grenzen? Die Grenzen des Bereichs, in dem Straßenmusik mit Genehmigung erlaubt ist? Das ist die Frage, die sich Moritz Rabe Donnerstagnachmittag stellt. Es ist der erste Tag, an dem er keine sogenannte "Sondernutzungserlaubnis zum Musizieren in der Fußgängerzone" bekommen hat.

Weil er insgesamt 22 Mal nicht rechtzeitig den Standort gewechselt hat. Das muss er als Straßenmusikant laut Auflagen der Stadt aber, und zwar jede halbe Stunde. "Ich habe gar nicht gewusst, dass die Stadt das mit der halben Stunde so genau prüft", sagt der Barde.

Ja, manchmal habe er etwas länger gespielt, wenn Leute da gestanden und zugehört hätten. Oder, wenn er seine Gitarre häufiger habe stimmen müssen. Zwischen einer halben Stunde und einer Stunde habe er am gleichen Platz musiziert.

"Ich hab' das auf dem Zettel übersehen, dass man nur noch eine halbe Stunde spielen darf. Und nicht mehr wie früher eine ganze", sagt Rabe. Jetzt weiß er es - und zeigt sich einsichtig. "Ich halte mich jetzt brav dran. Letztes Jahr war ich rebellischer. Ich werde keine Gesetze mehr überschreiten."

Lebensunterhalt durch Singen

Aber: Das Verweigern der Sondernutzungserlaubnis durch die Stadt käme gewissermaßen einem Berufsverbot für Straßenmusiker gleich, findet er. Er jedenfalls werde weiterhin seinen Lebensunterhalt damit verdienen, dass er auf Bambergs Straßen auftritt - in den nächsten Monaten eben außerhalb des Bereichs, für den er eine Genehmigung braucht.

Dieser beginnt dort, wo die Lange Straße auf den Grünen Markt trifft, schließt Teile der Keßlerstraße und Franz-Ludwig-Straße ein, und führt über die Hauptwachstraße bis zur Kettenbrücke, die ebenfalls zum genehmigungspflichtigen Areal gehört. Dort, wo die Kettenbrücke abschließt und die Obere Königstraße anfängt, hat er seinen Campingstuhl aufgestellt und singt. "Aber nicht zu lange, das habe ich denen da drüben versprochen", sagt er und deutet mit dem Kopf in Richtung eines Geschäftes. Da kommt ein Passant vorbei, wuschelt ihm durchs Haar und meint: "Kämpf weiter!"

Das will allerdings nicht jeder, wie eine anonyme Umfrage bei Mitarbeitern von Läden in der Fußgängerzone ergibt. Eine Angestellte etwa ist froh, dass sich Moritz Rabe nun drei Monate lang nicht gegenüber des Eingangs zum Geschäft postieren darf. "Das ist grenzwertig, wenn der da draußen eine Stunde lang grölt", sagt sie. Sie hofft, dass sich der Barde in Zukunft an die Halbe-Stunde-Regel hält. "Das ist auszuhalten", meint sie.

Ein paar Läden weiter sagt eine Mitarbeiterin: "Der soll sein Geld verdienen, wie er will. Doch wenn Sie als Verkäuferin dauernd die gleichen Lieder hören, sind Sie das irgendwann leid. Aber das ist schon besser geworden, jetzt steht er nicht mehr so lang da wie früher."

Eine andere Angestellte ignoriert den Straßenmusikanten nur noch. Sie hat ihn angezeigt, weil er sie beschimpft habe, wie sie sagt. "Ich habe ihm deutlich gemacht, dass er woanders weiter singen soll. Da hat er mir ordinäre Worte entgegengerufen."

Doch es geht auch anders: In einem weiteren Geschäft sind dem Sängerbarden die Angestellten zugetan. "Wir finden das doof, dass er jetzt drei Monate nicht in der Fußgängerzone spielen darf. Er gehört doch dazu! Wir würden ihn nicht weg schicken." Eine Mitarbeiterin erzählt, dass Rabe schon öfter in den Laden gekommen sei und gesagt habe, dass man ihm Bescheid sagen könne, wenn er störe. "Doch wir würden ihn nicht wegschicken."

Meinungen im Internet

Wie auf der Straße, sind auch im Internet die Meinungen geteilt. So schreibt Corinna T. auf Facebook: "Ich stelle mir gerade vor, der singt in Bamberg und viele Leute stehen um ihn herum und wollen ihm zuhören. Zack, die halbe Stunde ist um und dann muss er aufhören und wo anders hin. Würde ich als Zuschauer doof finden."

Dagegen schreibt Nick Z.: "Im Namen aller, die in der Innenstadt arbeiten sage ich: DANKE!" Ein solches "danke" ist ebenfalls auf href="https://www.infranken.de/regional/bamberg/Drei-Monate-Singverbot-fuer-Moritz-Rabe;art212,728871" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">infranken.de zu finden. Und der Nutzer "GerdMueller" schreibt: "Endlich hört das Gebrülle mal auf. Ein Tipp für die Zeit nach den drei Monaten: Im Vorbeigehen demonstrativ die Ohren zuhalten (...)."

Zwar darf Rabe bis zu seiner Rückkehr in den genehmigungspflichtigen Bereich theoretisch überall am Rand der Fußgängerzone singen. Denn Straßenmusik gehört grundsätzlich zum Gemeingebrauch, wie es laut Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, im Kommentar zum "Bayerischen Straßen- und Wegegesetz" heißt.

Dort steht allerdings auch der Zusatz "solange dadurch der Gemeingebrauch anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt wird." Siebenhaar erklärt: "Moritz Rabe darf also auch außerhalb der Fußgängerzone andere Menschen nicht stören und muss sich an etwaige andere geltende Regeln halten."