Ein paar Federn hat er gelassen im Streit mit der Stadt - zumindest emotional: Straßenmusikant Moritz Rabe schlägt ungewöhnlich leise Töne an. Kein Poltern, kein Aufbegehren, wie man es eigentlich von ihm kennt, wenn es um die Genehmigungen für seinen Gesang in der Bamberger Innenstadt geht.

Rabe gesteht sogar ein: "Ich sehe bei mir auch eine gewisse Mitschuld durch meinen Trotz." Sein Trotz hätte ihn beinahe ins Gefängnis gebracht: Jeder, der in Bamberg Straßenmusik machen möchte, muss für eine entsprechende Genehmigung 15 Euro pro Tag zahlen. Denn bei Straßenmusik handelt es sich nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz um eine Sondernutzung.

Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, erklärt: "Wenn wir einen Verwaltungsakt auslösen - und das ist eine solche Genehmigung -, dann müssen wir Geld verlangen." Das sei gesetzlich festgelegt durch die Regierung von Oberfranken.

Beim illegalen Singen erwischt

Da Moritz Rabe vergangenes Jahr mehrmals beim Singen ohne Sondernutzungsgenehmigung erwischt worden war, hat er einige Bußgeldbescheide von der Stadt Bamberg erhalten. Bei dieser steht der Straßenmusiker mit insgesamt 3713,50 Euro in der Kreide.

Zunächst weigerte er sich, seine Schulden zu zahlen. Zum einen, weil er laut eigener Aussage das Geld finanziell nicht aufbringen könne. Zum anderen, weil er sich als Teil der Bamberger Kultur sehe. Also beantragte die Stadt Bamberg "Erzwingungshaft" für Rabe - ein Beugemittel, um den Musiker zum Begleichen seiner Schulden zu bewegen. Entweder, er zahlt, oder er muss für vier Tage ins Gefängnis. Hätte er gesessen, wäre sein Minus bei der Stadtverwaltung trotzdem bestehen geblieben. Die Erzwingungshaft hebt die Bußgeldbescheide nicht auf.

Doch so weit kam es nicht: Offenbar zeigte die Haftandrohung Wirkung: Rabe zahlte bereits zwei Bußgelder in Höhe von insgesamt 80 Euro. Ein persönliches Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) brachte eine Einigung: Rabe erklärte sich bereit, die noch ausstehenden Bußgelder in Raten abzuzahlen. Dabei handelt es sich vorerst um etwa 2000 Euro, da Rabes Anwalt gegen drei Bußgeldbescheide Einspruch erhoben hat. Hier muss die Entscheidung des Gerichtes abgewartet werden.

Die 2000 Euro wird Rabe nun mit monatlich 50 Euro abstottern. "Das kriege ich finanziell gerade so hin. 100 Euro könnte ich schon nicht mehr aufbringen, weil ich noch Miete, Versicherung und den Lebenssunterhalt zahlen muss", sagt der Straßenmusiker. Tim-Niklas Kubach, Pressesprecher der Stadt, merkt an: "Das ist ein großes Entgegenkommen des Oberbürgermeisters. Ursprünglich waren Raten von 100 Euro pro Monat angesetzt."
Dass Moritz Rabe seine Schulden nun absingt, werden die Bamberger möglicherweise merken: Damit er 50 Euro mehr pro Monat zusammenbekommt, muss Rabe laut eigener Aussage länger arbeiten - also singen. Das Geld wird er jeden Monat persönlich im Rathaus auf den Tisch legen, ein Bankkonto hat der Straßenmusiker nicht. Das will er aber auch gar nicht. "Ich mag mein einfaches Künstlerleben", sagt Rabe. "Ich beziehe kein Geld vom Staat und lebe alleine von dem, was ich auf der Straße verdiene."

Gesprächsatmopshäre gelobt

Etwas Gutes hatte der Clinch mit der Stadt immerhin. Sein Bekanntheitsgrad habe sich gesteigert, sagt Rabe. "In Franken kennt mich jetzt fast jeder." Er kennt dafür nun die Angst vor dem Gefängnis. "Ich gewinne nicht gegen geltende Gesetze. Da helfen auch die Likes auf Facebook nichts." Was dagegen half, war das persönliche Gespräch mit Andreas Starke. "Ich bin sehr erfreut über die Einigung und will dem Oberbürgermeister entgegen kommen", sagt der Straßenmusiker. Starke selbst zeigt sich ebenfalls zufrieden. "Ich lobe die Atmosphäre, in der das Gespräch stattfand. Ein vernünftiger Dialog ist besser als ein öffentlicher Streit."

Rabe hofft darauf, dass sich der Oberbürgermeister darum bemüht, das Verfahren für die Sing-Genehmigungen zu vereinfachen. Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar bestätigt: "Wir prüfen derzeit in der Verwaltung, ob eine Vereinfachung möglich ist und erkundigen uns, wie andere Kommunen das handhaben." Als aus seiner Sicht gutes Beispiel nennt Moritz Rabe die Handhabe der Stadt Nürnberg. "Dort zahle ich einmal 24 Euro für eine ganze Woche. Das wünsche ich mir auch für Bamberg."