Eine Stunde warten und in der Schlange stehen, um bei der Bamberger Sternwarte für eine Minute durch eines der beiden Teleskope in die Sterne zu sehen - dieses Szenario wie vor fünf Jahren wiederholte sich am Freitagabend beim Tag der offenen Tür anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Bamberger Sternwarte nicht.
Obgleich auch dieses Mal wieder reges Interesse, besonders unter den beiden Kuppeln, herrschte, waren die Wartezeiten doch deutlich kürzer.

"Bei unserem letzten Tag der offenen Tür zum 120-jährigen Bestehen spielte das Wetter nicht mit und man konnte durch die Teleskope nichts erkennen", erinnerte sich Horst Drechsel, Professor für Stellarastronomie an der Sternwarte Bamberg. Erst als es in der späten Nacht aufklarte, war der Blick in den Sternenhimmel frei. Daher hätten sich alle anwesenden Besucher auf einmal um die Kuppel gedrängt und es sei zu der langen Schlange gekommen.

Millionen kleiner Sterne

Dieses Jahr hingegen war das Wetter deutlich besser und alle Besucher konnten bereits ab den frühen Abendstunden einen Blick ins Weltall werfen. "Allerdings waren jahreszeitlich bedingt keine hellen Planeten zu sehen. Dafür aber beispielsweise ein Sternenhaufen mit über einer Million kleiner Sterne", schilderte Drechsel.

Neben dem Ausblick in den Himmel bot die Remeis-Sternwarte auch Führungen, Vorträge, Ausstellungen, Experimente - und ein spezielles Kinderprogramm an. Insgesamt, so schätzt Drechsel, hätten im Laufe des Abends rund 1000 Besucher den Weg in die Sternwarte gefunden.

Im Vorfeld des Tages der offenen Türe eröffnete Bürgermeister Christian Lange (CSU) den Planeten- und Milchstraßenweg entlang der Sternwartstraße. Auf 20 Informationstafeln will dieser das Sonnensystem sowie die Galaxie, die Milchstraße, anschaulich machen.

Ihre Gründung verdankt die Dr. Karl Remeis-Sternwarte der Privatinitiative ihres Namensgebers, dem Bamberger Juristen und Hobbyastronomen Dr. Karl Remeis (1837-1882), der sein gesamtes Vermögen der Stadt Bamberg hinterließ und testamentarisch 400.000 Mark für die Errichtung einer Sternwarte in Bamberg bestimmte.
1883 wurden diese Mittel in eine Stiftung in städtischer Trägerschaft eingebracht. Die Stadt kaufte dann das Gelände am Stephansberg. Ab 1. Januar1886 wurde als leitender Astronom Dr. Ernst Hartwig (1851-1923) ernannt. Nach dem Modell der damals modernsten Sternwarte in Straßburg wurde die Remeis-Sternwarte errichtet und am 24. Oktober 1889 eröffnet.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein war die Remeis-Sternwarte schwerpunktmäßig in den Bereichen der Himmelsüberwachung und Beobachtung veränderlicher Sterne aktiv. Mit der Zeit und wegen der Einrichtung der Europäischen Südsternwarte verlor das Bamberger Observatorium seine Bedeutung.

Teil der Universität Erlangen

1962 wurde die vormals selbstständige Sternwarte eine Einrichtung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Seitdem ist die Sternwarte ein fester Bestandteil in der Fachgruppe Physik der Naturwissenschaftlichen Fakultät.