Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist nicht für cholerische Anfälle bekannt, eher kann der frühere Rechtsanwalt schon mal ein undurchsichtiges Pokergesicht aufsetzen. Doch am Freitagfrüh platzte dem Bamberger OB der Kragen, als ihm die neueste Wende in der Sache Stegner/Stechert präsentiert wurde: In der Neuen Presse Coburg wurde Franz Stegner, Inhaber der Stechert Stahlrohrmöbel GmbH, Namensgeber der Bamberger Frankenhölle, mit der Aussage genannt, dass Bamberg bei der Suche nach einem Namensgeber nun wieder beim Nullpunkt angelangt sei. Das Blatt zitiert eine Aussage des mittelfränkischen Unternehmers, wonach zwei Interessenten, von denen man sich viel versprochen habe, abgesprungen seien. Deshalb sei die Stadt Bamberg nun wieder bei ihm, Franz Stegner, vorstellig geworden, um nachzufragen, ob doch noch was geht...

Eine solche Verdrehung der Tatsachen hat der OB nach eigenem Bekunden schon lange nicht mehr gehört, obwohl er sich viel anhören muss. Starke bezeichnete die Aussagen über abgesprungene Interessenten als frei erfunden. Nach eigenen Angaben führte er erst am Vorabend eine mehr als einstündige Verhandlung mit einem Investor, der langfristiges Interesse bekundet habe. Namen will der OB mit Rücksicht auf das Verhandlungsergebnis nicht nennen. Nur so viel: "Die Stadt führt Sondierungsgespräche über das Namensrecht mit mehreren Interessenten." Ihr Ziel ist auch, das auf 250.000 Euro taxierte Namensrecht, künftig nur noch langfristig zu vergeben. Als Mindestdauer wird eine Einheit von fünf Jahren angestrebt - mit einer Option auf weitere fünf Jahre.

Wer die neuen Sponsoren sein könnten, darüber wird in interessierten Kreisen eifrig spekuliert. Am Freitag wurde in dieser Zeitung bereits der Name Franken Maxit genannt, ein Azendorfer Baustoffhersteller, der nach eigenem Bekunden Interesse daran hätte, das Namensrecht für die dann Franken-Maxit-Arena zu nennende Halle zu nutzen. Doch eine Bestätigung dafür gab es bei der Stadt nicht.

Franz Stegner gehört jedenfalls nicht mehr zum Kreis der Verhandlungspartner, seit er am Karfreitag über die Medien die Zusammenarbeit aufkündigte. Die seither herrschende Eiszeit zwischen den städtischen Halleneigentümern und ihrem Namensgeber aus Wilhermsdorf gipfelte nun in einem heftigen Wortwechsel, als Starke Stegner telefonisch zum Widerruf seiner in der Neuen Presse getätigten Behauptungen aufforderte und zu einer Entschuldigung. Immerhin gefährde er, Stegner, mit solchen Darstellungen das Verhandlungsergebnis der Stadt. Laut einem Gesprächsprotokoll, das dieser Zeitung vorliegt, hat Stegner daraufhin das Gespräch mit einer nicht druckreifen Formulierung einseitig beendet.

Doch nicht nur Starke, auch der 76-jährige Stegner ist stinksauer. "Es gibt hier überhaupt nichts richtig zu stellen, schon gar nicht, wenn man mir derart arrogant und mit einem Ultimatum kommt. Ich habe mir die Informationen nicht aus den Fingern gesogen", begründet Stegner seine medialen Einwürfe über Bambergs vergebliche Suche nach einem Sponsorenersatz. Den Bambergern wirft er schlechten Verhandlungsstil vor. Er habe in den letzten Jahren annähernd eine Million Euro zum Erhalt der Arena beigetragen und werde nun abserviert. Stegner hatte das Namenspatronat vor drei Jahren gekauft, als die Stadt die drittgrößte Halle Bayerns nach der Pleite der Sabo GmbH übernahm. Nach seinen Angaben wollte er diese Werbeplattform bis 2016 nutzen, verknüpfte sein Angebot aber mit dem Verkauf von Stühlen. Nach Informationen des FT im Wert von weit über 100.000 Euro .

Auch Brose-Baskets-Manager Wolfgang Heyder wundert sich über die schädlichen Äußerungen Stegners. Es sei traurig, dass ein Mann, der in den letzten Jahren zum leidenschaftlichen Basketballfan geworden sei, "nun in diese Richtung marschiert". Einen Fehler in der Verhandlungstaktik der Bamberger mag Heyder nicht erkennen: "Der Stadt ist kein Vorwurf zu machen. Sie hat Stegner nie im Zweifel gelassen, dass das bisherige Angebot nicht ausreicht und dass weiter verhandelt werden müsse.

Die heutige Stechert-Arena wurde 2001 unter dem Namen Forum Bamberg eröffnet. 2006 stand mit dem schwäbischen Unternehmen Jako der erste Namenswechsel an. Das zeitweise von der Stadtspitze verfolgte Ziel, heimische Sponsoren zu finden, die bereit wären, für den Namen Bamberg-Arena zu spenden, hat sich zerschlagen. Grund: Es fand sich niemand, der bereit gewesen wäre, genug Geld auf den Tisch zu legen.