Es war eine Art inoffizieller Standort-Wettbewerb: Mehrere Stadtrats-Fraktionen haben sich in den vergangenen Wochen um Alternativvorschläge für den umstrittenen Standort der Polizeiinspektionen Bamberg-Land und Verkehr bemüht. Schildstraße, "Muna", Benzstraße und auch der Landkreis wurden bereits genannt. Eine Mehrheit für die ursprünglich ins Auge gefasste Fläche im Hauptsmoorwald an der Moosstraße scheint in weite Ferne zu rücken.

Anfang der letzten Woche ließ eine weitere Idee aufhorchen. Daniela Reinfelder, Stadträtin von Bambergs unabhängigen Bürgern, bringt das nördliche Hafenbecken für das Polizeigebäude ins Gespräch. Auch sie spricht sich gegen die Rodung eines rund zwei Hektar großen Geländes am Ende der Moosstraße für das neue Polizeigebäude aus. Sie sagt: "Dieser wertvolle Teil des Waldes ist für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten." Interessanter noch ist der Vorschlag, den Reinfelder macht, wie der umstrittene Eingriff vermieden werden könnte.

Man muss wissen: Das nördliche Hafenbecken, an dessen Kaimauern derzeit die Ziegen grasen, wird seit Jahren kaum noch von Schiffen zum Be- und Endladen genutzt. Gleichzeitig scheint der Bedarf an Flächen für Logistik- und andere Unternehmen immer weiter zu wachsen. Die Bayern Hafen GmbH, eine 100-prozentige Tochter des Freistaats, hat auf diesen Wandel reagiert und verfolgt deshalb sei geraumer Zeit Überlegungen, das 1000 Meter lange und 100 Meter breite Wasser fläche zu verfüllen. Ein Gewerbegebiet von zehn Hektar Fläche könnten auf diese Weise entstehen.

Was den Charme einer Hafenvariante für die Bamberger Polizei ausmacht, sind die günstigen Begleitumstände: Anschluss zur Autobahn A 70 ist über die Hafenstraße praktisch in Steinwurfnähe vorhanden. Außerdem befinden sich die Flächen wie an der Moosstraße im Eigentum des Freistaats - eine Voraussetzung, die immer wieder als ideal genannt wurde.

Doch wie sind die Pläne für eine Umwandlung des Hafenbeckens bereits gediehen? Ist ein realistischer Zeitrahmen überhaupt möglich, wenn dafür eine so weitreichende Veränderung vorgenommen werden muss? Hört man Michaela Wöhrl von der Hafenverwaltung hat sich gegenüber dem Kenntnisstand im Februar 2018, als die Pläne erstmals bekannt wurden, nichts geändert. Noch wurde also kein förmliches Verfahren eröffnet, um die rechtswirksame Umwandlung des nördlichen Hafenbeckens zu betreiben.

Viel größer sind allerdings die zeitlichen Probleme, die sich bei einer Realisierung eines Neubaus auf dem Gelände des heutigen Hafenbeckens ergeben könnten. Zwar spricht Reinfelder von einer möglichen Verfüllung bereits im Jahr 2019, doch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hält diesen Vorschlag schon wegen eines nötigen Planfeststellungsverfahren und der vielen Beteiligten für "völlig unrealistisch".

Starkes klares Nein gegenüber dem Vorschlag Hafenbecken stützt sich allerdings auch auf die Ergebnisse eines Treffens der Verfahrensbeteiligten, Polizei, Immobilienverwaltung des Freistaats und Stadt am Donnerstag dieser Woche, über die Starke unsere Zeitung auf Anfrage unerrichtete. Dabei wurde unter sechs möglichen Alternativstandorten ein Favorit im Bamberger Süden ausgewählt, der nun technisch geprüft werden soll.

Das bedeutet, dass nun auch Bambergs OB vom bisher geplanten Standort am Ende der Moosstraße abrückt und sich für einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen in der Stadt stark macht. Der neue Standort soll die Chancen zu einem Kompromiss zwischen den verhärteten Fronten in der Bürgerschaft und der Stadtspitze eröffnen und mehrere Voraussetzungen erfüllen. Er soll schnell realisierbar sein, die Bauwünsche der Polizei in vollem Umfang erfüllen und konsensfähig sein.

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