Sichtbar ist die neue Kinderkrippe in Stadelhofen schon von weitem: In leuchtendem Hellgrün steht sie beinahe wie ein Wegweiser an der Straße, bereit, ihre kleinen Gäste zu empfangen. Nach über einem halben Jahr Bauzeit wird das helle und moderne Gebäude am morgigen Samstag eingeweiht, mit Platz für zwölf Kinder und mit einer hauseigenen Köchin.

Auf dem Land andere Strukturen

Die Kinderkrippe in Stadelhofen ist Teil eines Förderprojekts, das 2008 vom Bayerischen Familienministerium ins Leben gerufen wurde. Demnach sollten bis Ende dieses Jahres 42 000 neue Krippenplätze in Bayern geschaffen werden, wofür bisher rund 954 Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden. Bayern liegt damit deutschlandweit an der Spitze; doch die Nachfrage steigt weiter.

"Auf dem Land sind die Strukturen oftmals noch anders als in den Städten, und es sind oft Tanten oder Großmütter vorhanden, die sich um die Kinder kümmern können", erklärt Bürgermeister Ludwig Göhl. "Wir sehen allerdings auch, dass in Zukunft wohl vor allem in jungen Familien immer häufiger beide Elternteile arbeiten müssen und der Bedarf damit größer wird."

Die Nachfrage in Stadelhofen bestätigt dies bereits: Aufgrund von Verzögerungen bei der Eröffnung musste eine Notgruppe eingerichtet werden, in der die Kleinkinder berufstätiger Eltern vorübergehend untergebracht wurden. Mittlerweile sind alle Krippenplätze belegt, sogar Vorab-Reservierungen gibt es schon.

Ist diese Entwicklung in Stadelhofen beispielhaft für ganz Oberfranken? Fest steht, dass die Möglichkeiten, die das Förderprojekt bietet - der Freistaat übernimmt immerhin bis zu 80 Prozent der Kosten - hauptsächlich in ländlichen Gegenden genutzt wurden. "Es ist schade, dass viele Großstädte, besonders München und Nürnberg, es versäumt haben, sich rechtzeitig auf den bevorstehenden Rechtsanspruch vorzubereiten", sagt der Sprecher des Bayerischen Familienministeriums Bernd Grebler. "Dort ist nicht nur der Bedarf ganz besonders groß, sondern die beiden Städte haben ihn auch von Anfang an unterschätzt und die Fördermittel nicht abgerufen.

Die meisten bayerischen Bürgermeister aber haben eine wirklich gute Kinderbetreuungsstruktur aufgebaut." Eine Nachlässigkeit, die Bürgermeister Ludwig Göhl nicht nachvollziehen kann. "Die Leute hier im Landkreis haben ihre Kinder immer öfter mit in die städtischen Krippen nach Kulmbach oder Königsfeld genommen. Da war uns klar, dass wir reagieren mussten. Dieses Angebot des Staates nicht wahrzunehmen hätte bedeutet, sich der Entwicklung im Landkreis zu verschließen." Für den Landkreis bedeutet die neue Betreuungsstätte für die Kleinsten gleiches Recht für alle: Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen auf dem Land haben nun die gleiche Freiheit, ihren Arbeitsalltag so zu gestalten, wie es früher nur in Großstädten möglich war.

Bessere soziale Kontakte

Doch nicht nur für die Eltern ist die Kinderkrippe eine tolle Alternative. "Neben vielen berufstätigen Eltern gibt es auch Familien, die ihre Kinder wegen der sozialen Kontakte zu uns schicken", weiß Krippen-Leiterin Kathrin Gries. "Die kommen dann meistens aus Dörfern, in denen es aufgrund der Geburtenrückgänge nicht viele Kinder gibt."

Maren Barth ist eine von neun Müttern, deren Kinder in der neu gebauten Kinderkrippe in Stadelhofen untergebracht sind. Wie viele andere Frauen aus dem Ort nahm die in Bayreuth arbeitende Steinfelderin ihre Kinder Freya und Mathea morgens mit in die dortigen Einrichtungen.

"Wir waren zufrieden mit der Krippe in Bayreuth, doch als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, sagte man mir, dass die städtischen Krippen das Kind nicht mehr aufnehmen könnten, weil sie bereits völlig überlaufen seien", berichtet Maren Barth. "Irgendwann hat die Stadt dann komplett einen Riegel für alle Auswärtigen vorgeschoben, dabei brauchten wir die Betreuung genauso dringend wie die, die in der Stadt wohnen."

Als bekannt wurde, dass eine neue Kinderkrippe in Stadelhofen eröffnet, hat sie ihre Tochter Mathea sofort angemeldet. "Es war klar, dass sich die Betreuungsplätze irgendwann aufs Land ausweiten mussten. Das entspricht nicht nur dem Zeitgeist der heutigen Arbeitswelt, sondern ist auch eine Entlastung für Mütter, die nicht Vollzeit arbeiten."

Das zeige sich allein daran, dass die Nachfrage in der Gegend extrem gestiegen sei, sobald das Angebot da war. Von dem Vorurteil, dass die Kinder in den meisten Einrichtungen nicht ausreichend Zuwendung bekommen, hält sie nichts. "Gerade weil die Krippen nicht immer einen guten Ruf haben, bemühen sie sich, sehr gut zu sein. Ich bin überzeugt, dass mehr Eltern das wachsende Angebot in Anspruch nehmen, wenn sich herumspricht, wie gut ihre Kinder dort aufgehoben sind."

Die Kindertagesstätte "Juraparadies" Stadelhofen wird am Samstag, 6. Juli, eingeweiht. Die Feierlichkeiten beginnen um 14 Uhr. Gegen 15 Uhr wird der kirchliche Segen erteilt. Bis 17 Uhr dürfen sich die Kinder auf einer Spielstraße vergnügen.