Liebgewordene Aufgaben und Ämter loslassen: Ja, das schafft Edgar Sitzmann mit weiser Voraussicht: "Ehrenämter werden im Alter auch zur Belastung", meint der 77-Jährige nüchtern. Und speckt Schritt für Schritt diverse ab.

Der frühere oberfränkische Bezirkstagspräsident und Rektor der Trimbergschule zählt eine beeindruckende Liste von Posten und Pöstchen auf, die ihm im Laufe seines Lebens zugewachsen sind: "Ich komme auf über 320 Jahre in Führungspositionen für Vereine, dazu kommen 95 Jahre in kommunalen Ehrenämtern", macht Sitzmann seine besondere Rechnung auf.

Allein 32 Jahre lang ist er nun Vorsitzender des "Freundeskreises für Hör- und Sprachbehinderte Bamberg-Oberfranken e.V.", der dem entsprechenden Katholischen Bildungszentrum am Oberen Stephansberg angegliedert ist. In der Jahreshauptversammlung am 11. Dezember setzt Sitzmann nun einen Schlusspunkt: Er gibt den Vorsitz an Professor Gerhard Seitz, Chefpathologe am Klinikum, ab. "Ich wünsche ihm viel Erfolg beim Eintreiben von Sponsorenmitteln und steigende Mitgliederzahlen", sagt Sitzmann. Denn er weiß nur zu gut, wie hilfreich Netzwerke gerade für das Lockermachen von Geldern sind. Immerhin ist es ihm mit den nunmehr 150 Freundeskreis-Mitgliedern gelungen, seit der Vereinsgründung im Jahr 1980 rund 315 000 Euro für die ehemals so bezeichnete "Taubstummenanstalt" aufzubringen.

"Ohne den Freundeskreis und großzügige Spender wären viele Anschaffungen und Förderungen nicht möglich gewesen", betont Sitzmann. Die Unterstützung des Bildungszentrums reicht von Hilfsmitteln für Hörbehinderte über Spielgeräte für Vorschulkinder hin zu Zuschüssen für Studien- und Wanderfahrten, Veranstaltungen, zu einer mobilen Lichtanlage im Internat oder einem Leuchtkasten für Lichtexperimente, der die kognitiven Fähigkeiten der Schüler fördern soll. Für all das gibt es keine öffentlichen Töpfe, aus denen geschöpft werden könnte. Eine besondere Herausforderung wurde für den Freundeskreis der Bau des Gehörlosensportzentrums am Babenberger Ring 1999: Allein dafür brachten die Mitglieder 150 000 Mark auf.

"Freude stiften war und ist das große Ziel des Freundeskreises", erklärt der scheidende Vorsitzende. Dabei ging es ihm persönlich schlicht und einfach darum, "aus christlicher Nächstenliebe heraus zu helfen, wo ich konnte". Es sei immer sein "großes Ziel" gewesen, für soziale Aufgaben etwas zu tun. Dass gerade Hörbehinderte ein "wichtiges Klientel sind", habe er als Bezirksrat und Bezirkstagspräsident erfahren: Die Fürsorge für diesen Personenkreis gehört zu den Pflichtaufgaben des Bezirks. Eine "äußerst dankbare Aufgabe", meint Sitzmann jedoch. Denn man "bekommt von den betroffenen Menschen sehr viel zurück, wenn man Verständnis für ihre Behinderung aufbringt".

Als Gründungsvorsitzender des Freundeskreises bleibt Sitzmann auch über den 11. Dezember hinaus den Mitgliedern und ihren Anliegen verbunden. "Ich stehe mit Rat und Tat zur Verfügung", lächelt er.