Noch ist etwa eine Stunde Zeit bis zur Aufführung des Musicals "Cinderella". Doch vor und hinter der Bühne des Stable-Theaters herrscht bereits emsige Betriebsamkeit. So singen sich die Laienschauspieler gerade ein, und auch der Direktor des Theaters, Jack Austin, hat alle Hände voll zu tun. Er verkauft an der Abendkasse die letzten Tickets, bewirtet die bereits wartenden Besucher und gibt Anweisungen an die Tontechnik.

"So ist das eben nun mal. Als Direktor eines kleinen Theaters ist man einfach Mädchen für alles", scherzt Austin und freut sich, dass wieder einmal eine Aufführung ausverkauft ist. Und dies, obwohl kurz vor dem Abzug der Amerikaner aus Bamberg bereits deutlich weniger US-Familien in der Kaserne leben. "Wir haben aber seit vielen Jahren auch zahlreiche deutsche Besucher, die sich unsere Aufführungen ansehen", berichtet der Leiter des Stable-Theaters.

Jack Austin kam im Jahr 2001 zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Bamberg. Während seine Gattin in der Kaserne ihren Beruf als Therapeutin ausübt, kümmerte sich der ausgebildete Architekt zunächst zu Hause um seine zwei Töchter. Eines Tages entdeckte er eine Anzeige in der Garnisonszeitung, dass im Stable-Theater Mitarbeiter gesucht würden.

Da er selbst musikalisch ist, Klavier spielt und zudem als Architekt in seiner Heimatstadt Philadelphia schon mehrere Theater umgebaut hat, stellte er sich kurzerhand vor und wurde sogleich ins Team aufgenommen. Bereits ein Jahr später übernahm Jack Austin die Stelle des "Entertainment Directors". Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise die Ausrichtung der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag der Amerikaner am 4. Juli, die Organisation sämtlicher Großveranstaltungen in der Kaserne sowie eben die Leitung des Stable-Theaters.


Umfangreiches Repertoire
Im Theater, das in einem der alten Pferdeställe innerhalb der Warner-Barracks untergebracht ist, zeichnet Austin verantwortlich für die Castings der Schauspieler, die Auswahl der Aufführungen, die Requisiten, den Bühnenbau, die Ton- und Lichttechnik sowie für die Musiker. Pro Jahr gibt es in der Regel zwischen vier bis sechs Aufführungen. Die Palette dabei reicht von Musicals über Einakter bis hin zu Dramen.

Zeitweise wirken über 100 Akteure an einem Stück mit. "Bei der Aufführung von ,Oliver Twist' haben wir alleine 30 Kinder gecastet. Nur gut, dass unsere Schulen eigene Schauspielklassen haben, die dann bei uns regelmäßig mitwirken", berichtet Austin. Aber auch sonst wird alles von Ehrenamtlichen übernommen: die Licht- und Tontechnik, die Musik - im Stable-Theater wird ausnahmslos live gespielt, nichts kommt aus der Konserve - oder der Bühnenaufbau.

Beim aktuellen Stück "Cinderella" hat beispielsweise John Kelker drei Wochen zusammen mit anderen Helfern am Bühnenbild gearbeitet. Besonders stolz ist er auf die Hochzeitskutsche, mit der Cinderella zum Ball fährt. Aber auch Chad Ceylor freut sich. Denn der amerikanische Soldat steht erstmals mit einer kleinen Rolle auf der Bühne. Überredet dazu hat ihn seine Tochter, die schon bei drei Aufführungen mitgewirkt hat.

"Natürlich dient unser Theater der Unterhaltung. Es ist aber auch eine wichtige Einrichtung für Soldaten", betont Jack Austin " Hier können sie unabhängig von Militärrängen ihre Kreativität und ihre Talent unter Beweis stellen. Zudem ist die Schauspielerei für viele Soldaten eine wichtige Freizeitbeschäftigung und Abwechslung im Militärleben." Daher fehle es auch nie an Freiwilligen.

"Ein Soldat kam, bevor er Bamberg verlassen hatte, noch einmal bei mir vorbei und bedankte sich dafür, dass das Theater sein Leben gerettet hätte", schildert Austin. Der Soldat habe während seiner Zeit in Bamberg etliche Schwierigkeiten bewältigen müssen. Die Arbeit auf der Bühne und das Theater-Team hätten ihn aber aufgefangen und ihm neuen Mut gegeben.

Im Januar starten die Castings für die letzte Theaterproduktion im Stable-Theater. Danach wird dort der Vorhang für immer fallen. "Es war eine tolle Zeit, wir hatten viel Freude und unzählige Auszeichnungen für unsere Stücke gewonnen", resümiert Jack Austin. Er werde das urige Theater in Bamberg sicherlich vermissen. Wie und wo es letztendlich für ihn weitergehen wird, sei derzeit noch offen.

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