Ein "Ungespundetes" erobert Indien, in stylischen Design-Flaschen - mit einem Heiligen als Namenspatron. Von Delhi aus startete "St. Erhard" im vergangenen Jahr die "Missionierung" des Subkontinents - und reifte in diesem Sinne so weit, dass der nächste Schritt Richtung China folgt: "Für Mitte April planen wir den Markteintritt in Hongkong", berichtet Christian Klemenz als einer der Unternehmensgründer, die den süffigen Teil der hiesigen Kultur Asiaten zu vermitteln suchen: "Genuine Franconian Kellerbier brewed and bottled according to the Reinheitsgebot" exportiert der 26-Jährige mit Vincent Osterloh aus Esslingen, Thies Dibbern aus Kiel und Vikanshu Bhargava aus Jaipur, um vom nordbayerischen Mekka des Gerstensafts aus weitere ehrgeizige Wachstumspläne zu verfolgen.


Eine Marktlücke schließen

Kann deutsches Bier in Zeiten der Globalisierung noch Marktlücken schließen? "Ja, wie ich während meines Auslandssemesters vor drei Jahren erkannte, als die Idee geboren wurde", meint Klemenz. Interkulturelles Gesprächsthema Nummer eins sei neben Fußball eben das bayerische Nationalgetränk gewesen. "Nur gab's unser Bier nirgendwo", so der Weismainer, der sein Faible fürs flüssige Brot zum Broterwerb machte. Erstaunliche Gemeinsamkeiten ergaben Blindverkostungen von indischen Kommilitonen schließlich, nachdem der BWL-Student die erforderlichen "Testobjekte" aus der Heimat einfliegen ließ. "Ja, fränkisches Kellerbier kam weitaus besser als jede indische Offerte an."

Ein Schlüsselerlebnis, dem nach dem Studienabschluss ein entsprechendes Marketingkonzept folgte, die Firmengründung und Suche nach einer Brauerei als Kooperationspartner (Rittmayer aus Hallerndorf). Dann das Heranta(e)sten an ein Erfolgsrezept, das Gästen indischer Hotels und Restaurants munden würde. "So entstand unser St. Erhard und entwickelte sich - auch dank der indischen Presse - von Delhi aus zur bekanntesten deutschen Biermarke", wie Klemenz betont. Fürs Renommee ein ebenso großer Gewinn die Kooperation mit The Pint Room und The Beer Café als Restaurantketten, die in ganz Indien vertreten sind. "Unser Launch-Event bei der Produkteinführung im Beer Café von Delhi besuchte sogar Bollywood-Actor Pradeep Kharb als Stargast."

So stellt sich die Brauerei des St.-Erhard-Bieres selbst dar:



Nur für einen Partner ein Heimspiel

Aber natürlich ist aller Anfang schwer - gerade, wenn man wie Osterloh, Dibbern und Klemenz auf kein Heimspiel sondern Exporte in einen fernen Teil der Welt setzt. "Um's Klinkenputzen kamen wir nicht herum", berichtet der Weismainer. Wobei die Firmengründer von Vikanshu Bhargavas Gespür als indischem Partner wesentlich profitierten. "Ohne ihn wären wir als rein deutsches Team wie viele andere mit ähnlichen Plänen gescheitert." Allein die indische Bürokratie berge Hürden, die Ausländer verzweifeln ließen.
So aber kommt der Hopfensud im Namen eines Wanderbischofs aus dem 7. Jahrhundert bei Indern bestens an, die Erhard von Regensburg als Botschafter der fränkischen Domstadt begegnen. Seit das erste Containerschiff mit 35 Hektolitern im Frühjahr 2012 die Bundesrepublik Richtung Subkontinent verließ, trommelten mehr und mehr Unterstützer auch für den Exportartikel - bis hin zur Deutschen Botschaft von Neu-Delhi. Die Homepage wertet das "Kellerbier from Bamberg" als Beleg für Gemeinsamkeiten der Kulturen - bis eben hin zum Sinn für Tradition und kulinarische Vorlieben. Ganz nebenbei lernen Interessenten auf diesem Weg "Upper Franconia" als Landstrich mit der höchsten Brauereidichte der Welt kennen.


Passend zum stylischen Auftritt

Den Export von "mindestens 1000 Hektolitern" peilt die St. Erhard GmbH laut ihrem Geschäftsführer 2013 an. Und verliert den Inlandsmarkt dabei nicht aus den Augen. Gerade mit dem minimalistischen Design der 0,33-Liter-Flaschen möchte Klemenz Akzente jenseits der Konvention setzen: "Unser Bier passt zum schicken Abendkleid", sinniert der 26-Jährige. Einem stylischen Auftritt stünde St. Erhard somit nicht im Weg und punkte demnach auch bei jüngeren Frauen, die keinen Zugang zu klassischen Alternativen fänden.

"Wir interpretieren das fränkische Bier neu. Schließlich bedeutet Tradition nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers", so das Fazit des 26-Jährigen. Und wer sich davon selbst überzeugen will, sollte sich im IGZ der Kronacher Straße 41 entsprechende Kostproben sichern.



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