Frank Buschmann kam in den Hegelsaal der Konzerthalle ohne sein Buch "Am Ende kackt die Ente", sah, und erzählte 4 Stunden und 20 Minuten netto über "den Wahnsinn, den ich in 20 Jahren erlebt habe".

Von wegen klassische Lesung, im Gegenteil: Der lange Abend war ein einziges Plaudern aus dem reichen Nähkästchen, was das vorwiegend junge Publikum derart begeisterte, dass selbst nach Mitternacht bei der "Zugabe" in Form einer Fragerunde die Neugier nach Geschichten nicht enden wollte.

"Ihr seid verrückt! Das ist Längenrekord!", brüllt der Hagener mit Wohnsitz München um 0.10 Uhr in den Saal und feiert damit das Publikum und sich selbst. Zu recht, denn was der Tausendsassa an Episoden über Nowitzki, Gorbatschow, Raab, Pesic und den FC Bayern von sich gibt, fesselt die Zuhörer. Zumal Buschmann auch seine "schwarzen Flecken" und den ein oder anderen Aussetzer wie bei einer Radio Hagen-Morning Show nach durchzechter Altweiberfaschings-Nacht nicht verhehlt.

Viele haben das Werk noch nicht gelesen

Als sich herausstellt, dass der Großteil des Publikums sein Werk (noch) nicht gelesen hat, legt "Buschi" bei jeder Gelegenheit seinen Finger in diese Wunde. Für die Stimmung im Saal ist dieser "Running Gag" nur förderlich.
Seine Erlebnisse an Pools und Hotelbars bei Europa- und Weltmeisterschaften haben höchsten Info- und Unterhaltungswert. "Buschi" läuft schon zu Beginn heiß, als er über die Entstehung seines Buches - aufs Handy in zehn Urlaubstagen gesprochen - schwadroniert und darüber, wie der "Bescheidene mit freier Schnauze" mit Lektoren und Verlagen kämpfte.

Als Buschmann den Hintergrund seiner Buchwidmung (für seinen Vater) erklärt, ist es mucksmäuschenstill: Nachdem sein Vater berufliche Rückschläge hatte erleiden müssen und daran zerbrach, was die Leute über ihn dachten, verlor Buschmann ihn als 18-Jähriger durch Selbstmord. Sehr anrührend schildert er diese Lebensphase und betont, dass er durch die Sportbegeisterung seines Vaters "unglaublich geprägt" wurde.

"Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass 300 Leute in Bamberg die Ente sehen wollen, hätte ich sie alle für bekloppt erklärt. Danke, dass ihr da seid!" - prangt es den ganzen Abend über auf der Leinwand hinter ihm. Einen derartigen Hype habe er selbst nicht erwartet, umso mehr genießt der ehemalige "mittelprächtige" Zweitliga-Spieler sichtlich, wie seine Zuhörer ihm an den Lippen kleben.

Etwa, wenn er erzählt, wie sein Ende als "Gesicht des Senders" bei Sport1 (vormals DSF) wirklich war: "Ich bekam kein Angebot der Vertragsverlängerung, der Sender setzte auf Jüngere, anscheinend sind Vorgesetzte keine Fans von mir". Freilich betont er, dass er dem Sender "extrem viel" zu verdanken habe und räumt ein, dass es ein Fehler war, in Interviews "nachzutreten".

"Herz auf der Zunge"

Doch im gleichen Atemzug teilt er schon wieder kräftig aus. "Es genügt nicht, sich mit Statistiken und Effektivitätswerten zu beschäftigen, stundenlang in der Maske zu sitzen und alles glatt zu lecken." Vielmehr seien Know-How, Recherche, das Herz auf der Zunge und Glaubhaftigkeit gefragt. Wessen Expertentum so ausgeprägt ist wie bei dem fast 50-Jährigen, der darf auch vor einem "Tal der Ahnungslosen" warnen.

Dass man es nicht allen recht machen kann, erfuhr er auch zu DSF-Zeiten, als er im Karlsruher Wildpark Polizeischutz benötigte, nachdem er den KSC-Fans den Stinkefinger gezeigt hatte. "Die Hosen gestrichen voll" hatte er auch auf St. Pauli; da sah er sein Gesicht im Fadenkreuz (auf einem Transparent). Beim Basketball ist ihm das noch nie passiert - selbst, wenn er sich schon einiges anhören musste, auch in Bamberg.

"Du bist auch so ein Scheiß-Bayern-Fan", wurde er in der Brose Arena angebrüllt, nachdem "immer nur die Bayern!" im Fernsehen gezeigt worden seien. Er bekräftigte seine "unglaubliche Neutralität" (Länderspiele ausgeschlossen) und die Notwendigkeit, dass die Nischensportart Basketball Schlagzeilen über die drei "Großen B's" brauche. Seit Saisonbeginn ist Buschmann bei "Telekom Basketball", wo alle Spiele live und in HD-Qualität präsentiert werden. Starker Applaus für den "TV-Dinosaurier"!

Großen Raum nimmt natürlich der "Typ" mit dem "meisten Respekt" ein: Dirk Nowitzki. "Den kann man nicht genug wertschätzen. Der Grund seines Erfolgs und Verhaltens hierfür liegt in seinem Zuhause. Eine unfassbare Familie. Alle sind immer nett und höflich. Dem ein oder anderen Fußballprofi stünden auch einige Nowitzki-Werte gut zu Gesicht."

Trotz der vielen Erlebnisse mit dem Würzburger und dem DBB-Tross beklagt "Buschi" heute noch, dass er den Dallas-NBA-Erfolg nicht kommentieren durfte (senderrechtliche Probleme). Umso mehr war er aber in die Feierlichkeiten in Nowitzkis Heimatstadt eingebunden. Dass der "große Blonde" eine NBA-Karriere machen werde, das wusste "Wahrsager" Buschmann schon 1997, als er als Jugendlicher gegen eine NBA-Auswahl Charles Barkley "ins Gesicht dunkte".

Eine Nowitzki-Geschichte nach der anderen

Eine Nowitzki-Geschichte reiht sich an die andere, Kurzweil pur und dazu der Blick in die Gefühlswelt eines Sportreporters, der bei der EM 2001 angesichts eines hohen Rückstandes gegen Griechenland in der Halbzeitpause "beleidigt" war und nach der Aufholjagd vor Glück heulte. "Gänsehaut"-Momente im Hegelsaal.

Seine Episoden bei "Schlag den Raab", seine Wahlkampftour mit Bundeskanzler Gerhard Schröder ("auf Du und Du beim Pizza-Essen"), sein Treffen mit Michael Gorbatschow in einem Hinterzimmer und eine Voll-Gas-Fahrt auf der Standspur von Dennis Rodman waren weitere Highlights eines unvergesslichen Marathon-Abends. Gute 14 Stunden später saß Frank Buschmann wieder an seinem Reportertisch in der Brose Arena und kommentierte Brose Baskets gegen ratiopharm Ulm.