Am Morgen nach der klaren 50:67-Niederlage im Halbfinalspiel beim Final Four der Champions League in Antwerpen gegen Virtus Bologna standen die Basketballer von Brose Bamberg schon wieder zum Training auf dem Parkett des Sportpaleis. Nach der 50-minütigen Einheit stellte sich Kapitän Nikos Zisis im Interview unseren Fragen.

Was lief alles schief Ihrer Meinung nach im Spiel gegen Bologna?

Nikos Zisis: "Alles. Es war unser schlechtestes Spiel in dieser Saison. Das ganze Jahr über hatten wir Schwierigkeiten in der Defensive, aber es war für uns einfach, Punkte zu erzielen. Gestern hat Bologna 76 Punkte erzielt. Wenn mir das jemand vor dem Spiel gesagt hätte, hätte ich geantwortet, dass wir zu 100 Prozent gewinnen werden. Aber wir haben sehr schlecht geworfen und waren sehr nervös. Wir haben nie unseren Rhythmus gefunden. Wenn du so in einem Final Four spielst, verlierst du natürlich. Darüber sind wir sehr enttäuscht. Denn in dieser Saison haben wir es schon öfter geschafft, ein Spiel zu drehen, als es niemand mehr erwartet hat. Aber wenn du so spielst wie wir gegen Bologna, wird das unmöglich."

Ihre Mannschaft hatte eine schlechte Trefferquote von 26 Prozent und kam nur auf vier Assists. Wie erklären Sie sich das?

Diese Zahlen sagen alles. Ich spiele jetzt seit fast 20 Jahren professionell Basketball und habe so etwas noch nie erlebt. Wir haben 15, vielleicht 20 Korbleger verlegt. Defensiv haben wir uns an unseren Plan gehalten. Aber wir haben dieses Spiel wegen unserer schlechten Offensive verloren.

Hat vielleicht auch etwas die Leidenschaft gefehlt?

Daran lag es nicht. Die Mannschaft war einfach geschockt, weil sie es einfach nie geschafft hat, das Spiel noch einmal spannend werden zu lassen. Noch einmal: Wenn du offene Würfe und Korbleger nicht triffst, wird das unmöglich. Ich weiß, dass uns die Fans mangelnde Leidenschaft vorwerfen werden, aber wenn wir die nicht hätten, hätten wir nicht den deutschen Pokal gewonnen. Und wir stünden nicht im Final Four.

Viele Fans in der Halle waren nach Spielende sauer. Haben Sie dafür Verständnis?

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

Seit der Qualifikation für das Final Four läuft es alles andere als rund. Wie wollen Sie aus dem Loch wieder rauskommen?

In einer Saison geht es immer rauf und runter. Das Problem sind nicht die Niederlagen in der Bundesliga. Was uns wirklich weh tut, ist, wie wir gestern gespielt haben. Wir gehen wahrscheinlich als Fünfter in die Play-offs. Dennoch möchten wir natürlich das Bestmögliche erreichen.

Wie gehen Sie das Spiel um Platz 3 gegen Antwerpen an?

Wir haben die ganze Saison über hart gearbeitet und gerade in den letzten vier Monaten viel erreicht, darüber sollten wir uns im Klaren sein. Ich habe in meiner Karriere schon viele Spiele um den dritten Platz bestritten, die sind natürlich schrecklich. Aber daran können wir jetzt nichts mehr ändern. Wir spielen gegen eine junge Mannschaft, die ihre Fans im Rücken hat. Wir nehmen das Spiel auf jeden Fall ernst, auch wenn wir nicht wissen, wie viele unserer Fans uns unterstützen werden.