Derbyzeit ist in Wildensorg angesagt, wenn der geografische Nachbar SpVgg Jahn Forchheim am Sonntag (14 Uhr) am Fuß der Altenburg zu Gast ist und Revanche für die 1:3-Vorrundenniederlage anstrebt. Die DJK Bamberg dagegen will endlich die Heimschwäche ad acta legen und das fünfminütige Ansbach-Trauma abstreifen.
Knapp zwölfeinhalb Jahre sind vergangen, seit der AC Milan im Champions-League-Finale einen 3:0-Halbzeitvorsprung noch aus der Hand gab und dem FC Liverpool die begehrteste Trophäe des Vereinsfußballs nach Elfmeterschießen überlassen musste. Noch krasser erlebte die Don-Bosco-Elf ein ähnliches Waterloo beim Gastspiel in Ansbach. Bis zur 87. Min. führte sie nach toller Leistung ebenfalls mit 3:0 und musste sich fünf Zeigerumdrehungen später mit einem 3:3 zufrieden geben.
Die Köpfe hingen trotz des Punktgewinns beim heimstarken Gegner nach unten, weshalb DJK-Trainer Mario Bail unter der Woche als Psychologe gefragt war, das für seine Jungs "Unfassbare" zu verarbeiten. "Das läuft in dir ab wie ein Film. Ich habe nach 91 Minuten und 30 Sekunden den dritten Spielerwechsel vollzogen. Es reichte trotzdem nicht. Du stirbst draußen", schildert Bail seine Gefühlswelt während des deprimierenden Szenarios, der folglich eine Menge Zeit in die Aufarbeitung investierte. "Wir haben unter der Woche viel gesprochen. Das hilft bekanntlich am besten."
Die "gefühlte Niederlage" passt ins aktuell glücklose Bild der Wildensorger, die weiterhin auf Relegationsplatz 15 frieren und bereits fünf Zähler Rückstand zum rettenden Ufer aufweisen. Gar acht Punkte beträgt der Abstand zu den Forchheimern, die selbst erst zweimal in der Fremde siegen (0:3 Erlenbach, 3:4 Bayern Hof) und ein Remis (4:4 in Sand) ergattern konnten. Der Bamberger Coach wirft keinesfalls die Flinte ins Korn: "Wir haben wieder gezeigt, dass wir mit jedem Gegner mithalten können. Dies streben wir auch gegen die Forchheimer an. Vielleicht können wir deren Negativlauf ausnutzen. Dennoch erwarte ich ein sehr ausgeglichenes Derby, in dem die Tagesform entscheidet."
Gastspiele der Forchheimer sind in dieser Saison die torreichsten der Liga. Auswärts gelangen bisher nur den Ammerthalern mehr Treffer (23) als dem Jahn (17), der dafür mit 30 Einschlägen im eigenen Gehäuse die meisten hinnehmen musste. Das vom früheren Kölner Bundesligaspieler Christian Springer betreute Team ist allerdings mittlerweile zu einer Einheit gewachsen, kommt aber mit drei Niederlagen am Stück nach Bamberg, allerdings ausschließlich gegen Konkurrenten aus dem Spitzenquartett.


Mit Aschaffenburg auf Augenhöhe

Am letzten Samstag waren die Springer-Schützlinge zu Hause gegen Aubstadt chancenlos (0:3). Eine Woche zuvor präsentierten sie sich auswärts bei Viktoria Aschaffenburg (2:3) ebenbürtig und wiederholten diese bärenstarke Leistung in der bereits vor Saisonbeginn aufgrund der langen Relegation beider Teams auf den 31. Oktober terminierten Nachholpartie der Vorrunde gegen die Aschaffenburger (0:1).
Der 46-jährige Ex-Profi kann auf eine Vielzahl herausragender Akteure setzen. Kapitän Sebastian Schäferlein (24 Jahre, 5 Tore) auf der Außenbahn, dessen spielstarker Stellvertreter Andi Mönius (26, 5) im Mittelfeld und dem hoch geschätzten "Abräumer" Patrick Hagen (25, 2) sowie Sturmführer Adem Selmani (27, 5), die beide im Hinspiel verletzungs- bzw. urlaubsbedingt fehlten, bilden ein erfahrenes Korsett, das für das bisher sehr ansprechende Abschneiden verantwortlich zeichnet. Als gewinnbringend zeigte sich stets, dass mit Co-Trainer Dennis Weiler (29, 0) ein verlängerter Arm des Trainers als Innenverteidiger auf dem Feld steht und die Kommandos aus erster Hand umsetzt. Erfolgreichster interner Torschütze ist Neuzugang Jens Wartenfelser (21, 8) ein hochveranlagter Stürmer, der aus der Nachwuchsabteilung der SpVgg Greuther Fürth stammt.
Springers Schützlinge werden in jeder Hinsicht optimal vorbereitet sein, denn der Jahn-Coach kiebitzte schon häufig bei Partien mit DJK-Beteiligung. Verzichten muss er schon längere Zeit auf David Mai (Herzmuskelentzündung) und für sechs Wochen auf Andre Jerundow (Oberschenkelverletzung). Auf Bamberger Seite stehen berufsbedingt Nicolas Esparza und Ali Eckert nicht im Kader. Martin Körner fehlt verletzt (Knie), während hinter dem Einsatz von Christopher Kettler (Schulter) noch ein dickes Fragezeichen prangt.
DJK Don Bosco Bamberg: Glos, Trunk - Fischer, Jessen, Kane, Kettler (?), Leicht, Ljevsic, Niersberger, Schäffler, Schmoll, Schwinn, Sengül, Spies, Strobler, Strohmer, Wunder, Zoumbare