Weltmeister fast ohne spezielles Training! Auf den ersten Blick eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit im Sport, doch für Velomobil-Fahrer Richard Dähne erfreuliche Realität. Der 33-Jährige nutzt seine tägliche Fahrstrecke von Bamberg über Forchheim nach Frauenaurach (einfach 46 Kilometer) dazu, sein Trainingspensum derart in seinen Alltag zu integrieren. Der Lohn dieser intensiven Art, seinen Arbeitsplatz zu erreichen, ist der Weltmeister-Titel, den er sich mit seinem Liegerad in der Klasse "Vollverkleidet" sowie in der Gesamtwertung bei der HPV-Weltmeisterschaft (Human Powered Vehicle) im französischen Saone sicherte.

Auch Polizei hat ihn schon gestoppt

Die Zahl seiner Bewunderer auf Bundes- und Landstraßen wird nun noch weiter steigen. "Die meisten Leute denken, dass es sich um ein Elektro- oder Solar-Auto handelt. Auch von der Polizei wurde ich schon überprüft. Es verwundert dann doch, dass es keinen Motor gibt, sondern nur Pedale", schmunzelt der Software-Entwickler, der mit seinem 19-Kilo-Gefährt bei vielen Verkehrsteilnehmern bekannt ist. "Kein Motor, kein Benzin, kein Kennzeichen, keine Steuer, keine Versicherung, nur Schnitzel und Pizza!" Das Ergebnis: Ein 50er-Schnitt im normalen Straßenverkehr.

Stets sicher unterwegs

Er bewegt sich dort, "wo der rechte Autoreifen fährt"; und zwar sicher - er hatte noch nie eine gefährliche Situation zu meistern. Und das bei einem jährlichen Fahrpensum von 18.000 Kilometern! Höchstgeschwindigkeiten über 70 Kilometer pro Stunde sind durchaus möglich - nach einer Beschleunigungsphase von einem Kilometer.
Nur wenn viel Schnee liegt, steigt er aufs Auto um.

Ein paar "Platte" im Jahr, Nässe, Dunkelheit, auch mit zweistelligen Minusgraden ("ohne Jacke, ohne Handschuhe") kann er gut leben und trainieren. Was ihm natürlich - im Vergleich zum Rennrad - in die Karten spielt, ist der Wetterschutz. Zieht Dähne sein Visier über, ist er "vollverkleidet". Und auch die Aerodynamik ist ein gewichtiger Faktor, und so bereitet Gegenwind keine Probleme. Insgesamt gibt es in Europa nur um die 1000 Exemplare dieser Fahrräder, sein WM-Rad kaufte er gebraucht, wobei die Serien-Neupreise um die 8000 Euro liegen.

Rennfahrer aus Spaß

Im Jahr 2011 begann Dähne mit seinem Freizeit-Fahrzeug ("schnellstes Fahren zur Arbeit"), ehe er dann Rennfahrer aus Spaß wurde und im Vorjahr bei der HPV-Weltmeisterschaft in Leer den fünften Platz belegte. Die diesjährige Weltmeisterschaft war der bisherige Höhepunkt: Der Wettbewerb bestand aus einem Bergzeitfahren nach Montfaucon (180 Höhenmeter, 2,6 km), das er als Erster in der "verkleideten" Velomobil-Klasse beendete. Am Tag darauf folgte ein 200-Meter-Sprint mit fliegendem Start, anschließend ein 1000-Meter-Sprint mit stehendem Start, wobei er beide Male ganz vornezu finden war. Die härteste Prüfung stand am Abschlusstag an: Ein 100-Kilometer-Rennen mit 1400 Höhenmetern. 2:45 Std. war der 1,78 große gebürtige Oberpfälzer unterwegs, Rang 6 genügte zum regenbogenfarbenen Weltmeister-Trikot, alles errechnet nach einem komplizierten Punktesystem.

Kein Fahrtwind

Im Carbon-Gefährt selbst geht es eng zu: Da sind die 70 Kilo für den Fahrer mit der "Läufer- und Geräteturn"-Figur schon von Vorteil. Mehr als eine kleine Tasche mit Wechselklamotten ist nicht drin, obwohl er auch schon Campingausflüge gemeistert hat. "Es wird jedoch schnell warm, da kein Fahrtwind herrscht. Im Durchschnitt so um die zehn Grad wärmer im Vergleich zur Außentemperatur", berichtet Dähne über die Vorteile im Winter und das Schwitzen im Sommer.

Dafür bekommt er im Sommer keinen Sonnenbrand. Natürlich führt er neben "schnell, bequem und kalkulierbar, da wetterunabhängig" auch den Umweltaspekt an, obwohl er in dieser Hinsicht nicht "fanatisch" ist. Was man wohl nicht von seinen Fahrleistungen behaupten kann: Bislang hat er 50.000 Kilometer gemeistert, die Erde also schon längst umrundet, wobei er ja erst am Anfang seiner Wettkampfzeit steht.

Da passen seine nächsten Ziele ganz gut: Nachdem er die 130 Kilometer zu seinem Geburtsort Amberg schon mehrmals problemlos bewältigt hat und auch bereits einmal 340 Kilometer am Stück gefahren ist, hat er "Innsbruck an einem Tag" im Visier. 400 Kilometer für Dähne, der heuer noch paar nationale Wettkämpfe bestreitet, dazu einen regionalen Laufwettbewerb und natürlich schon auf die WM 2015 in Belgien blickt.

Ohne Trainingspartner zum Weltmeister, dafür nahezu täglich im normalen Straßenverkehr unterwegs: Ob Radler, Auto- oder Brummifahrer, Richard Dähne wird in Zukunft noch mehr Beachtung und Bewunderung finden, wenn er als "verkleideter" Weltmeister mit "60-70-Sachen" über den Asphalt flitzt.