Die Crailsheim Merlins hatten mit einem Korbleger von Sherman Gay vorgelegt, doch Augustine Rubit glich postwendend aus. Der erste Korberfolg des Bamberger Centers im Spiel beim Tabellenletzten war ein besonderer: Er markierte den 2000. Punkt Rubits in dessen fünfjähriger Bundesligakarriere. Und der 29-Jährige hatte im weiteren Verlauf wieder einmal seinen Anteil daran, dass sich die Merlins die Führung nicht mehr zurückerobern sollten. Zum ungefährdeten 93:77-Erfolg des Tabellenvierten steuerte Rubit 14 Punkte bei einer Trefferquote von 70 Prozent bei. Zudem holte er sieben Rebounds.

Rubit war diesmal aber nicht der herausragende Spieler, sondern Teil eines ausgeglichenen Teams, das sein Offensivpotenzial an den Tag legte. Sechs Bamberger punkteten zweistellig, darunter Rückkehrer Ricky Hickman (12) und der ebenfalls in der Startformation stehende Elias Harris (11). Bei den Merlins schafften dies nur der chilenische Nationalspieler Sebastian Herrera (18) und Aufbauspieler Frank Turner (16). Den Crailsheimer Topscorer Ben Madgen nahmen die Gäste aus dem Spiel. Nur sechs Punkte markierte der Australier. "Nikos Zisis und Tyrese Rice haben gegen Madgen einen sehr guten Job gemacht", lobte Ainars Bagatskis. Rundum zufrieden war der Bamberger Trainer dennoch nicht. "Als Coach willst du von deiner Mannschaft ein gutes Spiel über die kompletten 40 Minuten sehen. Aber vielleicht verlange ich auch zu viel", meinte der Lette. In den letzten sechs Minuten ließen seine Schützlinge die Zügel etwas schleifen. Doch das war angesichts ihres hohen Vorsprungs zu verschmerzen.

Gute Dreierquote

Bereits im zweiten Viertel hatten sich die Bamberger entscheidend abgesetzt. Sie gestatteten den Merlins in den ersten sechs Minuten dieses Abschnitts nur drei Punkte und zogen mit einem 12:0-Lauf auf 41:25 davon. Aufgrund ihrer schwachen Trefferquote schafften es die Hausherren nicht mehr, wieder heranzukommen. Beide Teams feuerten 65 Würfe ab, Bamberg versenkte aber acht mehr und war von der Dreierlinie wesentlich treffsicherer. "Es ist einfach sehr schwer, gegen eine Mannschaft mit der Qualität der Bamberger zu gewinnen, wenn wir sechs von 25 Dreiern machen und sie zehn von 22", meinte Merlins-Coach Tuomas Iisalo.

Kulboka muss aussetzen

Während sich die Crailsheimer kurz vor der Länderspielpause von Brion Rush getrennt hatten und daher nur zu zehnt antraten, mussten die Bamberger nach der Rückkehr von Hickman aufgrund der Ausländerbeschränkung auf einen Akteur verzichten. Mit Arnoldas Kulboka nahm Bagatskis einen jungen Spieler aus dem Team. Zudem erhielten Louis Olinde, der an Rückenschmerzen litt, und Daniel Schmidt deutlich geringere Einsatzzeiten als zuletzt. Doch Bagatskis widerspricht dem Eindruck, er setze künftig auf seine erfahrenen Spieler: "Das kann in der nächsten Partie schon wieder ganz anders sein."

Die Statistik

Crailsheim Merlins - Brose Bamberg 77:93

(22:29, 12:23, 25:27, 18:14) Crailsheim Herrera (18 Punkte/3 Dreier), Turner (16/2), Neumann (8), Gay (8), Lawson (6), Madgen (6), Ferner (5/1), Russell (4), Cuffee (4), Wysocki (2) Bamberg Rubit (14), Jelovac (14/3), Hickman (12), Harris (11), Alexander (11), Rice (10), Stuckey (8/2), Taylor (6), Heckmann (3/1), Zisis (2), Schmidt (2), Olinde SR Barth, Streit, Groll Zuschauer 2563 Gesamtwurfquote Crailsheim 42 Prozent (27 Treffer/65 Versuche), Bamberg 54 (35/65)

Dreierquote Crailsheim 24 (6/25), Bamberg 45 (10/22) Freiwurfquote Crailsheim 89 (17/19), Bamberg 93 (13/14) Rebounds Crailsheim 31 (24 defensiv/7 offensiv), Bamberg 93 (13/14)

Ballgewinne/-verluste Crailsheim 5/8, Bamberg 3/9 Assists Crailsheim 20 / Bamberg 20 Fouls Crailsheim 15 / Bamberg 22

Ordentliches Saisondebüt von Rückkehrer Hickman

Natürlich war Rückkehrer Ricky Hickman nach seinem Saisondebüt für Brose Bamberg der begehrteste Interviewpartner, und mit einem Lächeln im Gesicht beantwortete er bereitwillig alle Fragen. So entspannt wie am Samstagabend in der Arena Hohenlohe war der 33-jährige US-Amerikaner vor seiner halbjährigen Verletzungspause nur selten, wenn er das Bamberger Trikot trug. Die Brose-Fans hatten die verkorkste vergangene Saison auch an seiner Person festgemacht. Doch die hat Hickman längst abgehakt.

"Ich versuche, die Vergangenheit hinter mir zu lassen, bin froh, wieder Basketball spielen zu können und freue mich, ein Teil dieses Teams zu sein", sagt der Flügelspieler. Sein Einstand im Bamberger Team war durchaus ordentlich. Mit 21:26 Minuten stand Hickman nach Augustine Rubit (23:51) am zweitlängsten auf dem Parkett und kam auf zwölf Punkte, fünf Rebounds, vier Assists und einen Ballgewinn. Ballverluste, die ihm in der vergangenen Saison häufiger unterliefen, hatte er keine zu verzeichnen. "Sein Debüt war okay. Er ist erfahren genug, um zu wissen, was er mit dem Ball zu tun hat. Aber natürlich erwarte ich noch mehr von ihm", sagt Coach Ainars Bagatskis. Seit einer Woche trainiert Hickman mit dem Team, und Bagatskis ist zufrieden mit der Einstellung seines letzten "Neuzugangs". "Es ist nicht einfach für ihn. Denn das Team ist jetzt seit vier Monaten zusammen. Aber Ricky ist motiviert und versucht sein Bestes zu geben", so der Lette.

Hickman spielte am Samstag erstmals seit 2014 wieder an der Seite von Tyrese Rice. Beide hatten seinerzeit mit Maccabi Tel Aviv die Euroleague gewonnen. Das dürfte es etwas leichter machen, Hickman ins Bamberger Team zu integrieren. Doch auch von den anderen Teamkollegen fühlt sich der 33-Jährige gut aufgenommen: "Die Atmosphäre im Team ist sehr gut, das habe ich gleich gemerkt, als ich angekommen bin. Jeder mag es, mit dem anderen zusammenzuspielen. Das ist wirklich wichtig."

Entscheidend für Hickman ist auch das Verhältnis zum Coach, das zu Andrea Trinchieri nicht das Beste gewesen sein soll. Über Bagatskis sagt er: "Ich kann bisher nur positiv über ihn reden. Als Spieler gibt er dir viel mehr Freiheiten auf dem Feld."

Elias Harris: ein gut geführter Verein

Im Spiel 1 nach der Ära Rolf Beyer war die Trennung vom Geschäftsführer zwar kein großes Thema, deren Folgen machten sich aber in Crailsheim bemerkbar. Sowohl der bis Jahresende kommissarisch tätige Geschäftsführer Niklas Beyes als auch der am 1. Januar seine Tätigkeit aufnehmende Arne Dirks machten sich persönlich in der Arena Hohenlohe ein Bild vom Auftreten der Mannschaft.

Sie sahen, dass sich die Basketballer von den Turbulenzen der vergangenen Tage nicht ablenken ließen, sondern gewissenhaft ihren Job verrichteten. Glaubt man Trainer und Team, sorgte der Wirbel um die angeblich drohende Insolvenz des Vereins, wie in einer Pressemitteilung des Vereins im Zuge der Entlassung Beyers vor eineinhalb Wochen zu lesen war, in der Mannschaft nicht für Gesprächsstoff. "Die alltäglichen Dinge laufen bei uns so weiter wie immer. Für uns hat sich nichts geändert. Dafür sind wir Profis genug", meinte Trainer Ainars Bagatskis.

Ähnlich äußerte sich Nationalspieler Elias Harris bei "Telekom Sport": "Wir haben in der Mannschaft darüber gar nicht diskutiert. Was im Back-Office passiert, geht nur das Back-Office an. Wir haben trainiert wie immer und unseren Fokus beibehalten". Der Co-Kapitän ist der Meinung, dass sich der Wirbel um die Finanzlage schnell wieder legen wird und brach eine Lanze für den Klub: "Bamberg ist ein gut geführter Verein. Von daher habe ich keine Zweifel, dass da nichts schief geht.